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SSV Jahn

Basti Lerch schlägt neuen Lebensweg ein

Der Torhüter des SSV Jahn zieht mit 22 einen Schlussstrich unter die Profikarriere – und freut sich auf alles, was nun kommt.
Von Heinz Gläser

Geht ohne Groll und bleibt dem Jahn als Torwarttrainer treu: Bastian Lerch Foto: Andreas Nickl
Geht ohne Groll und bleibt dem Jahn als Torwarttrainer treu: Bastian Lerch Foto: Andreas Nickl

Regensburg.Der junge Mann ist mit sich im Reinen. Bastian Lerch strahlt heitere Gelassenheit aus, wenn er sagt: „Ich hatte das Glück, Profisportler zu sein. Ich nenne es sogar ein Privileg. Aber jetzt habe ich die pragmatische Entscheidung getroffen, einen anderen Lebensweg einzuschlagen.“ Es sei „vielleicht nicht der normale Weg“, fügt er hinzu. „Basti“ Lerch hat mit Ablauf der Saison seine Karriere als Torhüter beim Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg beendet – mit 22!

Der harte Schnitt ist das Resultat eines monatelangen Prozesses, in dem sich der 1,89 Meter große Keeper Klarheit über seine Zukunft verschaffen wollte. „Ich hätte mir durchaus zugetraut, zweite Liga zu spielen. Aber die Chance dazu hat sich leider nie ergeben“, sagt der geborene Regensburger. Im Jahn-Kasten war Philipp Pentke gesetzt, und fiel die Nummer eins mal verletzt aus, kam der vom 1. FC Kaiserslautern ausgeliehene und nun fest verpflichtete André Weis zum Zug. Lerch blieben sporadische Auftritte in der Jahn-„Zweiten“.

Von Groll keine Spur. Der 22-Jährige mit dem Sonnyboy-Image, der bei den Jahn-Fans große Sympathien genießt, stellt sich den Realitäten. Einen Karriere-Umweg über einen Dritt- oder Viertligisten hat er zwar in Erwägung gezogen, aber den Gedanken schnell wieder verworfen: „Da sind zu viele Eventualitäten im Spiel. Um wieder in eine höhere Liga zu kommen, müsste alles perfekt passen. Aber für mich steht im Vordergrund, mir langfristig etwas für die berufliche Zukunft aufzubauen. Das ist mir extrem wichtig.“

Ein paar Klassen tiefer

Bastian Lerch absolviert aktuell eine Lehre zum Bankkaufmann und treibt gleichzeitig ein Fernstudium in Sportmanagement voran. Als drittes Standbein übernimmt er im Vereinsnachwuchs, der „Jahnschmiede“, das Torwarttraining von der U11 bis zur U14. „Ich bin dem SSV Jahn und speziell Christian Keller (Sportchef/d. Red.) sehr dankbar für dieses Angebot“, sagt Lerch. Denn auch auf dieser Schiene hat er noch einiges vor. Ab August nimmt er an der Sportschule Oberhaching den Erwerb einer Torwarttrainerlizenz in Angriff.

Ganz an den Nagel hängt der 22-Jährige die Handschuhe nicht. „Natürlich bin ich im Herzen noch Fußballer, das ist meine Leidenschaft, damit bin ich aufgewachsen, dafür habe ich meine gesamte Jugend investiert“, sagt Lerch. Mit einem neuen Klub in der Region ist er sich schon einig, den Namen verrät er indes noch nicht. Einige Spielklassen tiefer ist dieser angesiedelt, da in seinem randvollen Terminkalender lediglich noch Zeit für eine Trainingseinheit pro Woche bleiben wird.

Bastian Lerch ist ein Jahn-Eigengewächs, das als hoch veranlagtes Torwarttalent bereits in sehr jungen Jahren auf sich aufmerksam machte. Im Jahr 2010 wechselte er zur SpVgg Greuther Fürth, durchlief dort die Jugendteams U17 und U19 und stieg zum Keeper der „Zweiten“ des fränkischen Traditionsklubs auf.

„Du siehst viele Dinge im Leben ganz anders, wirst klarer in deinen Entscheidungen.“

Bastian Lerch

Der 15. August 2015 sollte ihm auf tragische Weise zu bundesweiter Bekanntheit verhelfen. „Horror-Foul in der Regionalliga!“ titelte der Boulevard. In der 27. Minute des Heimspiels am Fürther Ronhof traf ihn Stefan Alschinger, Stürmer des TSV Buchbach, im Zweikampf mit den Stollen des rechten Schuhs – unabsichtlich – am Kopf. Bastian Lerch erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma. Zwei neurochirurgische Operationen folgten. Der Keeper hatte drei Monate komplettes Sportverbot. Mit eisernem Willen kämpfte sich Bastian Lerch zurück zwischen die Pfosten.

15. August 2015: Bastian Lerch wird nach seiner Kopfverletzung behandelt. Foto: Zink/Imago
15. August 2015: Bastian Lerch wird nach seiner Kopfverletzung behandelt. Foto: Zink/Imago

„Im ersten halben Jahr danach ist es mir schwergefallen, über diesen Tag zu sprechen“, blickt Bastian Lerch zurück. „Aber mittlerweile kann ich problemlos darüber reden. Es gehört zwar zu mir, aber es ist Vergangenheit“, sagt Lerch und fügt hinzu: „Ich habe ja Gott sei Dank keine Folgeschäden erlitten. Alles ist zu 100 Prozent ausgeheilt.“

Wie man es auch dreht und wendet, hat dieser 15. August 2015 Einfluss auf seinen aktuellen Entschluss genommen, das Kapitel Profifußball vorzeitig zuzuklappen. Er hat aus Bastian Lerch einen Menschen gemacht, der trotz aller Lockerheit und seines jugendlichen Alters vieles reflektiert. „So ein Vorfall macht dich ruhiger, aber er beschleunigt auf der anderen Seite den Reifeprozess. Du siehst viele Dinge im Leben ganz anders, wirst klarer in deinen Entscheidungen. Du schätzt dich einfach glücklich, morgens aufzustehen und in den Tag zu gehen“, sagt Lerch und betont: „Ich glaube schon, dass ich aus dieser Situation als Persönlichkeit gefestigt hervorgegangen bin. Es gibt ja wirklich Schlimmeres im Leben, als ein Fußballspiel zu verlieren.“

Keinerlei Erinnerung

  • An die Szene

    am 15. August 2015, als er im Ronhof im Regionalliga-Spiel der Fürther „Zweiten“ gegen den TSV Buchbach eine schwere Kopfverletzung erlitt, hat Bastian Lerch bis heute keinerlei Erinnerung. „Ich war nicht bewusstlos, aber meine Mitspieler haben mir später erzählt, ich hätte nur wirres Zeug geredet.“

  • Seit dieser schweren Verletzung

    trägt Lerch beim Fußball einen speziellen Kopfschutz. „Der gehört jetzt genauso zu meiner Ausrüstung wie die Torwarthandschuhe und Schienbeinschoner“, sagte Lerch dazu. Im internationalen Fußball trägt der Tscheche Petr Cech (FC Arsenal) nach einer Kopfverletzung einen ähnlichen Helm.

Lange hat er mit seiner wegweisenden Entscheidung gerungen, ehe er mit seinen Eltern darüber sprach. „Anfangs war niemand eingeweiht. Ich habe mir die Zeit gegeben“, sagt Lerch. Als er den Schritt anschließend im Mannschaftskreis publik machte, hätten viele Teamkollegen „überrascht reagiert. Aber wenn ich es erklärt habe, haben sie es verstanden“.

„Ganz schön cool“

Ein absoluter Höhepunkt seiner kurzen Profilaufbahn war natürlich der Zweitliga-Aufstieg mit dem SSV Jahn im Relegations-Rückspiel gegen den TSV 1860 München. Die volle Allianz-Arena, die überbordenden Emotionen, die begeisterten Jahn-Fans: Wie war das damals in München? „Ganz schön cool“, sagt Bastian Lerch.

Und er strahlt dabei wieder jene heitere Gelassenheit aus, die ihn seit jenem 15. August 2015 besonders auszeichnet.

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