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Fußball

Beim Jahn herrscht blankes Entsetzen

Beim Chemnitzer FC gibt es eine herbe Klatsche. Spieler und Trainer sind deprimiert. Sportchef und Vorstandsboss schweigen.
Von Heinz Reichenwallner und Jürgen Scharf, MZ

Fassungslosigkeit nach der bitteren Niederlage in Chemnitz: Jahn-Trainer Alexander Schmidt
Fassungslosigkeit nach der bitteren Niederlage in Chemnitz: Jahn-Trainer Alexander Schmidt Foto: Eibner

Regensburg.Viel vorgenommen, nichts erreicht und kaum Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Für den SSV Jahn Regensburg wird nach der herben 1:4 (0:3)-Abfuhr beim Chemnitzer FC die Luft im Kampf um den Klassenerhalt immer dünner. Auch deswegen, weil der abgewickelte 17. Spieltag der 3. Fußballliga quasi als „Aufstand der Kellerkinder“ in die Wertung eingeht. Die gefährdeten Teams von Borussia Dortmund II und der SG Sonnenhof Großaspach überraschten mit Siegen, auch Hansa Rostock gewann. Dagegen hat sich die Lage für die Mannschaft von Alexander Schmidt, die auf dem letzten Tabellenplatz kleben bleibt, weiter verschärft. Fünf Punkte trennen die Rot-Weißen jetzt schon von dem Strich, der zwischen dem Rotlicht-Bezirk der Tabelle und den Nichtabstiegsplätzen steht.

Nach der bitteren Pleite im Südwesten von Sachsen unternahm der Jahn-Trainer gar nicht erst den Versuch, der Vorstellung seiner Mannschaft auch nur einen Hauch Positives abzugewinnen. „Von unserer Seite ist es eine Leistung gewesen, die nicht in Ordnung war. Für die blamable Vorstellung kann ich mich bei den Fans nur entschuldigen“, zeigte sich der 48-jährige Fußballlehrer maßlos enttäuscht.

Zu Beginn noch gut im Spiel

Sein Team bleibt derweil in der Liga ein gern gesehener Gast, weil es in der Regel die Punkte vor Ort lässt, was bisher schon in acht von neun Spielen in der Fremde der Fall war. Dabei war der Jahn, bei dem neben dem gelbgesperrten Fabian Trettenbach kurzfristig noch die angeschlagenen Azur Velagic (Leistenbeschwerden) und Daniel Franziskus (muskuläre Probleme) ersetzt werden mussten, ziemlich forsch in die Partie gegangen. 5070 Zuschauer sahen im Stadion an der Gellertstraße, das einer Baustelle gleicht, anfangs einen deutlich tatendurstigeren SSV als in den letzten Auswärtsspielen. Doch trafen Uwe Hesse und Andreas Güntner in den ersten zehn Minuten das Tor nicht. Besser machte es Philip Türpitz (13. Minute) auf der anderen Seite, als er den Ball nach einer Flanke von Anton Fink aus abseitsverdächtiger Position zum 1:0 eindrückte.

Nach dem Anstoß hätte Aias Aosman im Gegenzug ausgleichen können, der Jahn-Angreifer scheiterte aber im Eins-gegen-Eins am Chemnitzer Keeper Max Reule. Da war eine knappe Viertelstunde vorbei. All die guten Vorsätze des Jahn, sicher stehen, mutig nach vorne spielen, sie landeten fortan im Abfallkübel. Ganze vier Minuten dauerte es nach der Chemnitzer Führung, dann glückte dem sträflich freistehenden Anton Fink bereits das 2:0. Bei dem Treffer sah Jahn-Keeper Dominik Bergdorf nicht unbedingt gut aus. Beim 3:0, wiederum durch Fink (35.), war ihm die Sicht aber durch drei Mitspieler versperrt. Dennoch urteilte Trainer Schmidt nach Spielschluss: „Unser Torwart hat heute auch nicht seinen besten Tag erwischt.“

Letztlich war es überhaupt ein Trauermarsch der Regensburger durchs Land der Fehler. Das schwache Jahn-Mittelfeld ließ im ersten Durchgang die Abwehr fast komplett in Stich und brachte auch nach vorne nichts Brauchbares mehr zustande. Die Reihe war erkennbar mit sich selbst beschäftigt. Die Flügelspieler Uwe Hesse und Stani Herzel blieben weitestgehend ohne Bindung zu ihren Kollegen. Bei der Doppelsechs mit Kapitän Oliver Hein und Andreas Geipl sowie Andreas Güntner im Mittelfeldzentrum war der Wille zwar da, aber das Fleisch zu schwach, um dem Spiel eine eigene Richtung zu geben.

Früher Doppelwechsel

Das Jahn-Team produzierte pausenlos bedenkliche Fehler, ein Spielaufbau fand gleich überhaupt nicht statt und auch die Abwehr hatte keine Stabilität. Der Chemnitzer FC hatte Ballbesitzanteile von gefühlten 85 Prozent und hielt den Jahn ohne sonderlich große Mühe auf Distanz. Trainer Schmidt reagierte, ersetzte bereits in der 36. Minute Güntner und Herzel durch Zlatko Muhovic und Daniel Steininger. Bis zur ersten Jahn-Chance nach der Pause dauerte es dann harte neun Minuten. Muhovic kam beim Abschluss jedoch zu Fall und FC-Keeper Reule hatte keine Mühe. Anschließend baute Chemnitz wieder mehr Druck auf und kam vor allem durch Fink zu weiteren Einschussmöglichkeiten, wobei Bergdorf einige Male aber famos parierte.

„Wir haben sogar noch Glück gehabt, dass wir nicht 1:7 oder 1:8 verloren haben. Ich weiß nicht, wie man sich so präsentieren kann“, klagte hinterher Aias Aosman. Folgeschmerzen wegen der Niederlage traten auch bei Defensivmann Gino Windmüller auf: „Das Spiel macht einen aggressiv, aber auch traurig. Man bekommt das Gefühl, dass wir noch gar nicht im Abstiegskampf angekommen sind. Wenn das nicht bald passiert, erleben wir unser blaues Wunder.“

„Wir können jetzt nicht aufgeben“

Von der 55. bis zur 68. Minute war die Partie dann in etwa so ereignisreich, wie ein Stau auf der A3. Danach avancierte neben Anton Fink auch Philip Türpitz zum Doppeltorschützen bei den Chemnitzern, als ihm nach Vorarbeit von Fabian Stenzel das 4:0 glückte. Damit war die Begegnung endgültig entschieden, daran änderte auch das 4:1 durch Daniel Steininger nichts mehr. „So kann es nicht weitergehen“, hat sich Trainer Schmidt wohl gedacht und für den nächsten Dienstag einen Laktattest angesetzt, wohl um den Fitnesstand seiner Truppe zu überprüfen.

Die hat erst zwölf Punkte aus 17 Spielen auf ihrem Konto. Das bedeutet hochgerechnet Abstieg. Doch was tun? „Das Spiel abhaken und in der nächsten Heimpartie gegen Bielefeld alles versuchen und alles geben“, sagte Mittelfeldmann Andreas Güntner und fügte hinzu: „Ich weiß, das klingt lapidar, und es ist schwer an eine Wende zu glauben. Aber wir können uns jetzt nicht hinstellen und sagen, wir geben auf. Dann können wir gleich die Mannschaft abmelden.“

Von den Vereinsverantwortlichen gab es am Wochenende keine Stellungnahme zur aktuellen Situation. Sportchef Christian Keller wollte nach dem Debakel in Chemnitz keinen Kommentar abgeben. Vorstandsboss Hans Rothammer sagte der MZ am Sonntag, dass er alles erst einmal sacken lassen und noch nichts sagen wolle.

Kommentar

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