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2. Liga

Darmstadts Tor ist wie vernagelt

Nach vielen vergebenen Chancen kassiert der Jahn eine kuriose 0:3-Niederlage, mit der sich das Thema Relegation erledigt hat.
Von Heinz Gläser

Das neue Heimtrikot hat dem SSV Jahn kein Glück gebracht. Foto: Nickl
Das neue Heimtrikot hat dem SSV Jahn kein Glück gebracht. Foto: Nickl

Regensburg.Die Szene in der Nachspielzeit war exemplarisch. Sargis Adamyan kam im Strafraum noch einmal unbedrängt zum Schuss, geriet jedoch in Rücklage und drosch vor 15 210 Zuschauern den Ball hoch übers Tor Richtung Stadiondach. Es hätte dieses finalen Beleges gar nicht mehr bedurft: Der SSV Jahn Regensburg hätte am 33. Spieltag in seinem letzten Heimauftritt der Saison gegen den SV Darmstadt 98 trotz unzähliger Torchancen wohl noch Stunden spielen können, ohne einen Treffer zu erzielen. „Das Tor war heute wie vernagelt“, stöhnte Marco Grüttner nach der 0:3 (0:1)-Niederlage, deren Zustandekommen fast kurios anmutet. Alleine der Jahn-Kapitän hätte zwei Treffer machen müssen – mindestens. „Der Gegner hatte 1,5 Torchancen, wenn überhaupt, und macht daraus drei Tore. Wir hatten gefühlt 15“, schüttelte auch Außenverteidiger Alexander Nandzik den Kopf.

Die ohnehin vagen Hoffnungen auf den Aufstiegs-Relegationsplatz der 2. Fußball-Bundesliga sind damit für die Regensburger endgültig zerstoben. Kiel ist mit sechs Punkten Vorsprung für den Tabellenfünften nicht mehr erreichbar. Joevin Jones (29. Minute), Ji Dong-Won (68.) und Tobias Kempe (74.) trafen am Sonntag für die Gäste aus Hessen, die dennoch weiterhin in Abstiegsgefahr schweben. Für den Jahn, der in den neuen Trikots für die kommende Zweitliga-Saison auflief, wird der Abschluss am kommenden Sonntag in Bochum zum Betriebsausflug mit sportlichem Anspruch.

Zwei Pfostenschüsse

„Die Statistik spricht Bände. Ich kann meiner Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen. Wir hätten uns bei der Vielzahl hochkarätiger Chancen einfach belohnen müssen“, sagte Jahn-Coach Achim Beierlorzer und fügte hinzu: „Wenn der Pfosten nicht im Weg war, war’s die Fußspitze von Heuer Fernandes.“ In der Tat stand bei zwei Pfostenschüssen durch Grüttner und Sebastian Stolze Fortuna dem Darmstädter Keeper, Vorname Daniel, bei. Zweimal allerdings bot Heuer Fernandes gegen Grüttner bei Großchancen auch sein ganzes Können auf.

Andre Weis (Regensburg) kommt zu spät beim Freistoß von Joevin Jones (Darmstadt). Foto: Nickl
Andre Weis (Regensburg) kommt zu spät beim Freistoß von Joevin Jones (Darmstadt). Foto: Nickl

„Der Gegner war uns in allen Belangen überlegen – außer in der Effizienz vor dem Tor“, gestand 98-Trainer Dirk Schuster in seiner Analyse unumwunden ein und fügte hinzu: „Glückwunsch zu der Arbeit, die hier geleistet wird!“ Die Hessen verbesserten sich mit dem Sieg vom vorletzten auf den 14. Platz und können nächsten Sonntag zu Hause gegen Erzgebirge Aue den Klassenerhalt perfekt machen.

Larifari war am Sonntag verboten! Beierlorzer hatte seinen Schützlingen vor dem Spiel eingebimst, dass sie in der „ligaweiten Verantwortung“ stehen, im Saisonendspurt nicht die Zügel schleifen zu lassen. Die abstiegsbedrohten Gäste aus Hessen sollten in Regensburg kein leichtes Spiel haben.

Die Jahn-Mannschaft in der Einzelkritik:

Einzelkritik: Jahn gegen Darmstadt

Der Jahn-Trainer hatte in etwa die erwartete Aufstellung aufs Feld geschickt, also mit Marvin Knoll nach verbüßter Gelbsperre in der Innenverteidigung. An seiner Seite hatte jedoch Asger Sörensen den Vorzug gegenüber Benedikt Gimber erhalten. Jann George brummte derweil gegen Darmstadt eine Gelbsperre ab.

Bei Kaiserwetter und vor ausverkauftem Haus hatte Grüttner nach sieben Minuten die erste Chance. Er brachte jedoch keinen Druck in den Kopfball. Die Darmstädter hängten sich angesichts Bedeutung der Begegnung mächtig rein, die Gastgeber hielten mit deutlich weniger Druck im Rücken dagegen. So entwickelte sich von Beginn an ein kampfbetontes Duell. Abermals war es nach 21 Minuten Grüttner, der die Führung hauchdünn verpasste – diesmal nach einer Hereingabe von Benedikt Saller von rechts. Heuer-Fernandes schaffte es in dieser Szene, den Ball akrobatisch abzulenken, als die Jahn-Fans bereits den Torschrei auf den Lippen hatten.

Vielbeinige Abwehr

Die Regensburger zogen nun das Geschehen immer mehr auf ihre Seite, doch das Tor erzielten die Darmstädter. Jones zirkelte einen direkten Freistoß von halbrechts aus rund 25 Metern über die Mauer. Andre Weis im Jahn-Kasten streckte sich vergeblich. Darmstadt rettete mit einer vielbeinigen Abwehr die Führung in die Pause.

Dong-Won Ji von Darmstadt (r.) jubelt nach seinem Treffer zum 0:2. Foto: Armin Weigel/dpa
Dong-Won Ji von Darmstadt (r.) jubelt nach seinem Treffer zum 0:2. Foto: Armin Weigel/dpa

Mit Jonas Nietfeld für Albion Vrenezi, der keine Bindung zum Spiel gefunden hatte, ging der Jahn in die zweite Hälfte – und ließ es krachen. Nach den Pfostenschüssen scheiterte Grüttner noch mit einem Volleyschuss am 96-Keeper. Es war zum Verzweifeln aus Sicht des Kapitäns. Der Ausgleich wäre verdient, ja zwingend gewesen.

Und Beierlorzers Team blieb am Drücker, schnürte Darmstadt am eigenen Strafraum ein. Doch wieder klingelte es auf der anderen Seite. Nach einer Ecke und aus dem Gewühl heraus köpfte Ji Dong-Won zum 2:0 ein. Es kam noch dicker, als dem starken Tobias Kempe gegen nun defensiv offene Regensburger per Flachschuss das dritte Darmstädter Tor gelang.

„Wir haben alles versucht, um im letzten Heimspiel den Fans noch mal alles zurückzugeben. Es sollte heute einfach nicht funktionieren“, sagte Nandzik. Das Jahn-Team verabschiedete sich nach dem Schlusspfiff ausgiebig von seinen Anhängern. Der gesamte Tross zog mit einem Transparent mit der Aufschrift „Gemeinsam Historisches geleistet – danke für eure jahnsinnige Unterstützung!“ über den Rasen der Continental-Arena.

Dem kämpferischen Vorbild Grüttner gebührte das Schlusswort: „Die überragende Saison steht über allem. Daran müssen wir uns hochziehen.“

Alles über den SSV Jahn lesen Sie auch hier in unserem Spezial!

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