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Analyse

Darum läuft es so gut beim Jahn

Die Regensburger stehen so blendend da wie noch nie in ihrer Vereinsgeschichte. Die MZ liefert die Gründe dafür.
Von Felix Kronawitter

Sebastian Stolze und seine Teamkollegen vom SSV Jahn sorgen auch in der 2. Liga für Furore. Foto: Nickl

Beierlorzer kitzelt noch paar Prozent mehr raus

Bis Mai 2016 hatte es der Jahn noch mit Illertissen, Schalding-Heining oder Buchbach zu tun. Nach dem Durchmarsch in die 2. Liga messen sich die Regensburger nun mit namhaften Klubs. Und auch zwei Etagen höher spielen Philipp Pentke, Sebastian Nachreiner, Marvin Knoll, Alexander Nandzik, Marc Lais, Andy Geipl und Jann George eine tragende Rolle. Spieler, denen nach dem Aufstieg in die 3. Liga von manchen noch die Drittliga-Tauglichkeit abgesprochen worden war, zeigen ihren Kritikern, dass sie sogar die 2. Liga im Kreuz haben.

Trainer Achim Beierlorzer kitzelt noch paar Prozent mehr heraus aus seiner Mannschaft. Foto: Nickl

Bei der Verpflichtung von Achim Beierlorzer (Foto: Nickl) hatte Jahn-Geschäftsführer Christian Keller erneut ein glückliches Händchen. Denn der 50-jährige Franke schafft es, aus Geipl, Knoll und Co. noch ein paar Prozent mehr herauszukitzeln. Aggressives Pressing, schnelles Spiel nach vorne: Die Regensburger setzen Beierlorzers Spielidee immer besser um. Ist der SSV Jahn Regensburg konkurrenzfähig? Die zu Saisonbeginn von vielen gestellte Frage lässt sich leicht beantworten: Aber sowas von!

Die Neuen bringen frischen Schwung

Sargis Adamyan drehte vor allem im Saisonendspurt auf. Foto: Nickl


Nach dem Aufstieg in die 2. Liga haben sich die Regensburger nur punktuell verstärkt – und mit Sebastian Stolze, Joshua Mees, Jonas Nietfeld, Asger Sörensen, Albion Vrenezi, Benedikt Gimber und Sargis Adamyan (Foto: Nickl) Spieler geholt, die zwar keine Zweitliga-Erfahrung vorweisen konnten, dafür aber jung und hungrig darauf sind, sich in der Liga zu etablieren. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten hat sich beispielsweise der vom VfL Wolfsburg ausgeliehene Stolze prächtig entwickelt und das Offensiv-Spiel der Regensburger belebt. Adamyan sorgte dagegen gleich von Beginn an für Wirbel. Im Sturm neben Marco Grüttner fehlte dem armenischen Nationalspieler, der vom Regionalligisten TSV Steinbach gekommen war, aber in den ersten Partien noch die Effizienz. Auf der Außenbahn bzw. im offensiven Mittelfeld fühlt sich der 24-Jährige wohler und nahm im Saisonendspurt ordentlich Fahrt auf. Bei seinen Tempodribblings werden Erinnerungen an Erik Thommy wach.

Starker Endspurt vor der Winterpause

Marvin Knoll und der Jahn nahmen im Endspurt richtig Fahrt auf. Foto: Nickl


Nach dem 0:1 in Aue, der dritten Ligapleite in Folge, rangierte der Jahn nur mehr ein Pünktchen vor dem Abstiegsrelegationsplatz. Obendrauf setzte es Ende Oktober auch noch eine 2:5-Pleite im DFB-Pokal gegen Heidenheim. Da sah die Jahn-Welt alles andere als rosig aus. Doch zur rechten Zeit zündeten die Regensburger den Turbo. 16 Punkte aus den letzten sieben Spielen: Mit dieser starken Punkteausbeute machten sich die Oberpfälzer selbst das schönste Weihnachtsgeschenk. Der Jahn überwintert mit 25 Punkten auf dem achten Tabellenplatz – so gut stand der SSV noch nie da in seiner 126-jährigen Vereinsgeschichte. „Es ist Wahnsinn, wie die Mannschaft spielt, vor allem wie wir uns defensiv stabilisiert haben“, benannte Marvin Knoll nach dem 1:0 in Darmstadt Anfang Dezember treffend einen entscheidenden Grund für die Erfolgsserie. Hinten präsentierte sich die Beierlorzer-Elf im Saisonendspurt deutlich sattelfester – und in der Offensive effizient.

Marco Grüttner: „Oldie but Goldie“

Marco Grüttner ist der Dauerbrenner beim Jahn. Foto: Nickl


„Es ist ein Traum für mich, dass ich das noch erleben darf“, hatte Marco Grüttner nach dem Aufstieg mit selbstironischem Blick auf sein „hohes Fußball-Alter“ gesagt. Zum alten Eisen gehört der 32-Jährige aber längst noch nicht. Ganz im Gengenteil! 1620 Minuten hat Grüttner (Foto: Nickl) bisher für den Jahn absolviert in der 2. Liga – und damit keine einzige verpasst. Sechs Tore, vier Vorlagen – das bedeutet Rang sieben in der Scorer-Tabelle. „Was uns auszeichnet, ist die Mentalität“, nannte Jahn-Coach Achim Beierlorzer einen Grund für den Höhenflug. Sinnbildlich dafür steht Grüttner. Denn der packt selbst bei einer 3:0-Führung wie gegen Duisburg in der Schlussphase innerhalb weniger Minuten noch drei Mal die Grätsche aus. Grüttner rackert sich in der Sturmspitze einen ab. 206,97 Kilometer in 18 Spielen bedeuten Rang drei in der Tabelle der lauffreudigsten Zweitliga-Fußballer.

40 Punkte im Visier

  • Den derzeitigen Tabellenplatz

    nehmen die Regensburger gerne mit. Viel wichtiger sind ihnen aber die 25 Zähler auf ihrem Konto. Denn für den SSV Jahn zählt nur der Klassenerhalt. Es gilt, sich nicht schon wieder nach nur einer Saison aus der 2. Liga zu verabschieden.

  • Heuer geht es

    so eng zur Sache wie lange nicht mehr im Bundesliga-Unterhaus. Den Tabellenachten aus Regensburg und den SV Darmstadt 98, der derzeit auf dem Abstiegsrelegationsplatz rangiert, trennen nur sechs magere Punkte.

  • dahinter rangiert Greuther Fürth, das sich eigentlich in ganz anderen Tabellenregionen sieht. Auch den Traditionsklub aus Kaiserslautern, mit zwölf Punkten Schlusslicht, dürfe man noch nicht abschreiben, warnt Jahn-Coach Achim Beierlorzer.

  • 37, 33, 37, 36 und 38:

    Das sind die Punktzahlen, die in den vergangenen Jahren jeweils für Platz 15 gereicht hätten. Rechenspielchen interessieren die Regensburger aber nicht. Der Jahn visiert 40 Zähler an. Fehlen also noch 15 aus den verbleibenden 16 Partien.

Konditionell ganz vorne mit dabei

Co-Trainer Andreas Gehlen

Den größten Unterschied im Vergleich zur 3. Liga sehen die Jahn-Spieler darin, dass es in der  
2. Liga nun viel schneller, viel intensiver zur Sache gehe. Kleinste Fehler würden gleich bestraft. In Sachen Fitness stehen die Oberpfälzer blendend da. Das Trainerteam um Chefcoach Achim Beierlorzer macht auch im athletischen Bereich, für den Co-Trainer Andreas Gehlen (Foto: Gatzka) verantwortlich ist, einen sehr guten Job. 2106,45 Kilometer haben die Regensburger in den 18 Saisonspielen insgesamt heruntergespult. Nur Bielefeld, Ingolstadt und Union Berlin waren bisher noch lauffreudiger.

Der Teamgeist ist intakt beim Jahn

Die Regensburger sind eine eingeschworene Truppe. Foto: Nickl


Trainer Achim Beierlorzer wird nicht müde, den Teamgeist seiner Mannschaft zu loben. Bei den Regensburgern (Foto: Nickl) sitzt keiner beleidigt auf der Ersatzbank. „Am Ende der Saison werden wir sagen, dass wir jeden Spieler gebraucht haben, das ist Fakt“, erklärt der Jahn-Trainer. Fallen wie im letzten Heimspiel 2017 gegen Bielefeld mit Marc Lais und Andy Geipl die beiden etatmäßigen Sechser verletzungsbedingt aus, dann springen eben Benedikt Gimber und Asger Sörensen in die Bresche. Zuckerl verteilt der Trainer ganz gezielt: Uwe Hesse durfte an seinem 30. Geburtstag gegen Arminia in der Schlussphase noch ran.

Und so steht der Jahn derzeit da:

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