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2. Liga

Das perfekte Jahn-Drehbuch

Gegen St. Pauli feiern die Regensburger das nächste Fußballfest – und die Fans Rückkehrer Oliver Hein.
von Felix Kronawitter und Thomas Gottschling

Oliver Hein (links) feierte gegen St. Pauli ein emotionales Comeback. Foto: Nickl
Oliver Hein (links) feierte gegen St. Pauli ein emotionales Comeback. Foto: Nickl

Regensburg.Die neun verbliebenen Hamburger auf dem Rasen hatten die Hoffnung bereits aufgegeben, das Spiel noch zu drehen. Auch der Gäste-Fanblock war verstummt. Die Anhänger des SSV Jahn Regensburg hatten aber noch nicht genug. Sie wollten unbedingt noch ihren Liebling sehen. Und als Oliver Hein in der 88. Minute aufs Feld lief, kannte der Jubel in der mit 15 210 Zuschauern ausverkauften Continental-Arena keine Grenzen mehr.

Lesen Sie hier: Choreo der Fans rührt Hein zu Tränen

Beim überzeugenden 3:1 (2:0)-Heimsieg in der 2. Liga gegen den FC St. Pauli feierte das Jahn-Urgestein nach langer Leidenszeit sein Comeback. Das war das Happy-End am Samstagnachmittag, an dem die Oberpfälzer das nächste Fußballfest feierten. Vor dem Anpfiff hatten die Jahn-Fans auf der Hans-Jakob-Tribüne Transparente präsentiert: „Egal ob Liga zwei oder vier – einer blieb immer hier. Danke Oliver Hein! Willkommen zurück“. Zudem gab es ein Riesen-Plakat, auf dem Hein in Jubelpose abgebildet war.

„Ich habe schon ein paar Tränen in den Augen gehabt, wie wir rausmaschiert sind. Ich habe mit dem überhaupt nicht gerechnet“, berichtete Hein von seiner emotionalen Rückkehr und fügte in gewohnt bescheidener Manier hinzu: „Es ist mir irgendwie auch ein bisschen unangenehm, weil ja doch die Mannschaft im Fokus stehen soll. Nichtsdestotrotz freut es mich unheimlich. Die Höhen und Tiefen, die wir da durchgegangen sind, da erinnert man sich wieder dran.“

„Ich habe schon ein paar Tränen in den Augen gehabt, wie wir rausmaschiert sind.“

Oliver Hein

Es sei ein unbeschreibliches Gefühl gewesen, endlich wieder auf dem Platz zu stehen, sagte Hein, der sich für seinen Kurzeinsatz nur eins vorgenommen hatte: „Ich wollte das Spiel einfach nur genießen, weil mein letzter Einsatz schon so lange her war. Mehr als 400 Tage.“ Mit der Einwechslung wollte Coach Achim Beierlorzer ein Zeichen setzen: „Das, was die Fans heute vor dem Spiel gemacht haben, ihm da ganz großartige Unterstützung zu teil kommen zu lassen, das wollte ich mit der Einwechslung auch noch mal unterstützen. Oli hat sich das jetzt einfach verdient.“

Palionis erlebt ein Déjà-vu

Auch Markus Palionis kennt die Zeiten noch, in denen sich die Regensburger mit weniger namhaften Teams als dem Kultklub aus Hamburg duellierten. Gegen St. Pauli erlebte der Litauer ein Déjà-vu. Weil Sebastian Nachreiner wegen Knieproblemen runter musste, sprang Palionis erneut in die Bresche. „Wie er sofort seine Erfahrung ins Spiel bringt – größtes Lob“, adelte Beierlorzer die tadellose Leistung. Der Jahn-Innenverteidiger war nur zwei Minuten auf dem Platz, da durfte er mit seinen Teamkollegen gleich einen Treffer bejubeln. Jann George passte zielgenau auf den Kopf von Sargis Adamyan, der zum 2:0 einnickte (20.). „Steht auf, wenn ihr Jahn-Fans seid“, schallte es durch das Stadion. Mit seinem zwölften Saisontreffer hatte Marco Grüttner den so furios aufspielenden Aufsteiger bereits in der 10. Minute in Führung gebracht. Philipp Ziereis, der aus Schwarzhofen im Landkreis Schwandorf stammt, konnte nur unzureichend klären. Der Jahn-Kapitän war zur Stelle und drosch den Ball per Dropkick in die Maschen. „Die erste Halbzeit haben wir zwar mit 2:0 geführt, aber St. Pauli hatte da schon auch Spielanteile und Chancen“, analysierte Andre Weis treffend. Der vom 1. FC Kaiserslautern ausgeliehene Keeper vertrat Philipp Pentke, der sich im Abschlusstraining einen Rippenbruch zugezogen hatte. Gegen Jan-Philipp Kalla (12.) und Dimitrios Diamantakos (13.) zeigte Weis, dass trotz wenig Spielpraxis Verlass auf ihn ist. „Ich muss Andre ein ganz großes Kompliment machen: Rein in die Mannschaft und sofort 100 Prozent Leistung abrufen – das hat er ganz toll gemacht“, lobte Beierlorzer.

Und so bewertet die MZ die Leistung der Regensburger:

Die Jahn-Spieler in der Einzelkritik

Pauli sieht zwei Mal Rot

Weil Sami Allagui (45. +2) Grüttner an den Hals gefasst hatte, standen nach Wiederanpfiff nur mehr zehn Paulianer auf dem Platz. In der 48. Minute kassierten die abstiegsbedrohten Hamburger den nächsten Rückschlag. Joshua Mees schlenzte den Ball zum 3:0 ins lange Eck. Das 1:3 durch Johannes Flum diente nur als Ergebniskosmetik (53.). Der Jahn trat mit breiter Brust auf gegen die Gäste, die sich durch Cenk Sahin (75.) erneut selbst dezimierten – und hätte durch Grüttner (71./85.) den Sieg noch höher gestalten können.

Gespannt werden die Regensburger nun am Montagabend das Spitzenspiel zwischen Kiel und Nürnberg verfolgen. Denn der Jahn ist bis auf zwei Punkte an den Tabellendritten aus dem hohen Norden herangerückt. Der historische Durchmarsch von der vierten in die erste Liga ist weiter möglich. Das Wort Aufstieg nimmt aber keiner in den Mund. Geschäftsführer Christian Keller sagte immerhin nach dem schon erreichten Ziel Klassenerhalt: „Wenn noch eine Zugabe kommen sollte, sagen wir nicht nein!“

Hein formulierte die Jahn-Devise für die verbleibenden drei Partien so: „Wir werden die Spiele einfach so genießen wie heute.“ Oder muss der Jahn doch noch fünf Mal ran? Eins ist jetzt schon gewiss: Passende Choreos hätten die Jahn-Anhänger sicher parat.

Und so sieht es derzeit in der Tabelle aus:

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