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Fussball

Der Jahn macht eine neue Rechnung auf

Sicher ist sicher: 43 Punkte sind nun das Ziel. Beim Derby in Fürth treffen die Regensburger auf einen Gegner im Aufwind.
Von Heinz Gläser

Zurück nach abgesessener Gelbsperre: Jahn-Kapitän Marco Grüttner (links; hier im Hinspiel am 4. November gegen Fürths Marco Caligiuri) Foto: Nickl
Zurück nach abgesessener Gelbsperre: Jahn-Kapitän Marco Grüttner (links; hier im Hinspiel am 4. November gegen Fürths Marco Caligiuri) Foto: Nickl

Regensburg.Achim Beierlorzer ist studierter Mathematiker, beruflich hat es ihn jedoch auf ein Feld verschlagen, das eigentlich jedem logisch denkenden Menschen ein Graus sein muss. Der Fußball schlägt Kapriolen, er ist einfach unberechenbar – speziell in dieser Saison und ganz besonders in der zweiten Liga. Galten im Verlauf der Spielzeit die angestrebten 40 Punkte lange als sanftes Ruhekissen, so hat die Tabellensituation den Klubs dieses Ruhekissen unsanft unter dem Kopf weggezogen. Die Marke ist mittlerweile nach gängiger Auffassung obsolet.

Keine Punktlandung

„Wenn man 43 Punkte hat, dann passiert einem gar nichts mehr“, macht Beierlorzer am Donnerstagmittag eine neue Rechnung auf. Eine Punktlandung können der SSV Jahn und sein Trainer mithin im Derby an diesem Freitag (18.30 Uhr) bei der SpVgg Greuther Fürth nicht hinlegen. Siegen die Regensburger beim mittelfränkischen Altmeister, schießen sie mit den 44 Zählern auf dem Konto über dieses Ziel hinaus. Bescheiden sie sich mit einem Unentschieden, fehlt noch ein Punkt zu dieser neuen Traummarke.

Die „rein mathematische Betrachtung“ führt laut Beierlorzer angesichts einer Tabelle, in der Mannschaften regelrecht aneinanderkleben, nicht weiter. „Zu viele Variablen“ weise die Rechnung auf. „Ich wage überhaupt keine Prognose mehr“, sagt der 50-Jährige. Beierlorzer lässt sich lieber überraschen. „Ich bin total gespannt, wie viele Punkte der Drittletzte am 34. Spieltag haben wird“, fügt er hinzu. Weniger als 43 sollten es auf jeden Fall sein.

Verrückte Zweitliga-Welt: Der Blick des Tabellenfünften richtet sich mit 41 Punkten nicht nur nach unten und auf den 16. Platz, den aktuell Heidenheim (34) innehat. Die Perspektive nach oben ist ja auch noch nicht verstellt, zumal Düsseldorf, Nürnberg, Kiel und Ingolstadt an den verbleibenden fünf Spieltagen fleißig in direkten Duellen die Klingen kreuzen und sich gegenseitig Punkte abspenstig machen.

In dieser Gemengelage gilt eine alte Fußballerweisheit, die Beierlorzer schon seit langem gerne bemüht: immer von Spiel zu Spiel denken. „Der Fokus auf die nächste Partie und den nächsten Gegner ist das alles Entscheidende“, sagt Beierlorzer, „alles andere liegt nicht in unserer Hand“.

So sieht es derzeit in der Tabelle aus:

Der nächste Gegner heißt Fürth, und am Ronhof hat Beierlorzer sieben Jahre als Spieler und vier Jahre als Juniorencoach gewirkt. Klar, dass er von einer „besonderen Rückkehr“ spricht. Beim 3:2-Sieg der Regensburger in der Hinrunde entschied ein Eigentor des Fürthers Richard Magyar in der Continental-Arena einen packenden Kampf auf Biegen und Brechen. Die SpVgg versank damals immer tiefer im Abstiegssumpf, hat sich jedoch inzwischen deutlich berappelt. „Fürth ist sehr, sehr gut in die Spur gekommen, die Mannschaft ist richtig gut unterwegs“, kommentiert Beierlorzer die starke Bilanz des Gegners in den vergangenen acht Spielen: Fünf Siege und zwei Unentschieden bei lediglich einer Niederlage heimste das Kleeblatt mit Coach Damir Buric ein. Trotzdem steht Fürth als Tabellen-14. mit drei Punkten Vorsprung auf Heidenheim weiterhin enorm unter Druck. „Es ist für uns natürlich blöd, wenn die anderen immer ihre Punkte holen“, zitieren die „Fürther Nachrichten“ Maximilian Wittek. So ähnlich wie der Fürther Linksverteidiger sehen es in dieser irren Saison die meisten in der zweiten Liga. Je mehr sich die Mannschaften abstrampeln, desto enger rücken sie tabellarisch zusammen.

Die Jahn-Pressekonferenz vor dem Fürth-Spiel:

Der SSV Jahn Regensburg muss in Fürth ran

Wittek war einer der Namen, den Beierlorzer bei der Beschreibung der Stärken des Gegners aufzählte. Daneben nannte er Levent Aycicek, Julian Green und Khaled Narey. Fürths Coach Buric plagt sich derweil mit Personalsorgen herum. Beim schmerzlich vermissten Marco Caligiuri (Kahnbeinbruch) sind die Einsatzchancen gering, die Innenverteidiger Mario Maloca und Magyar sind zudem angeschlagen. Möglich, dass Lukas Gugganig hinten aushelfen muss und Routinier Adam Pinter im Mittelfeld zum Zug kommt.

Beierlorzer warnt eindringlich vor den Qualitäten des Kleeblatts im Mittelfeldpressing und im Umschaltspiel: „Da müssen wir Acht geben, dass wir sehr gut gestaffelt stehen.“ Ansonsten weckt das Duell in ihm große Vorfreude: „Der Ronhof, die neue Haupttribüne, tolle Stimmung.“ Ihren Teil zur Derby-Atmosphäre beitragen werden am Freitagabend die mitgereisten Fans aus der Oberpfalz. Mehr als 1700 Tickets für den Gästeblock gingen bereits im Vorverkauf weg, an der Tageskasse sind nur mehr rund 300 Sitzplatzkarten für den Gästebereich erhältlich. „Klasse! Die Unterstützung unserer Fans ist unbezahlbar“, merkt Beierlorzer an.

Gimber fehlt gelbgesperrt

Bis auf den gelbgesperrten Benedikt Gimber und den Ex-Fürther Sebastian Freis (Baumuskelzerrung) hat der Jahn alle Mann an Bord – auch die zuletzt angeschlagenen Andy Geipl und Sebastian Nachreiner. Während Geipl den Platz von Gimber im defensiven Mittelfeld einnehmen könnte, wird Routinier Nachreiner nach seinem Kahnbeinbruch wohl zunächst auf der Bank Platz nehmen und Asger Sörensen wie in Kaiserslautern in der Jahn-Innenverteidigung beginnen. Im Sturm der Regensburger ist Kapitän Marco Grüttner nach abgesessener Gelbsperre natürlich eine feste Größe.

Fehlt dem SSV Jahn eigentlich nur noch das von Beierlorzer am Donnerstag mehrfach zitierte „Quäntchen Matchglück“. Um eine mathematische Größe handelt es sich dabei aber nicht.

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