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Fussball

Der „Masterplan“ des SSV Jahn

„Sportlich etablieren, wirtschaftlich die nächsten Schritte gehen“: So lautet die Devise. Ein Thema trübt die Jahn-Laune.

Am Dienstagabend diskutierten Evi Reiter und Josef Pöllmann (beide MZ) mit Jahn-Geschäftsführer Dr. Christian Keller (2.v.li.), Sportökonom Prof. Dr. Tobias Haupt (Mitte) und dem Jahn-Vorstandsvorsitzenden Hans Rothammer (2. v. re.). Foto: altrofoto.de
Am Dienstagabend diskutierten Evi Reiter und Josef Pöllmann (beide MZ) mit Jahn-Geschäftsführer Dr. Christian Keller (2.v.li.), Sportökonom Prof. Dr. Tobias Haupt (Mitte) und dem Jahn-Vorstandsvorsitzenden Hans Rothammer (2. v. re.). Foto: altrofoto.de

Regensburg.Wenn Christian Keller über seine Visionen für den SSV Jahn spricht, dann benutzt der Geschäftsführer der Regensburger gerne Metaphern. Die wirtschaftliche Entwicklung des Fußball-Zweitligisten vergleicht Keller mit einem Marathonlauf. „Anfangs waren wir nicht lauffähig. Dann haben wir es geschafft, mitlaufen zu dürfen. Jetzt sind wir maximal bei der Hälfte des Marathons angelangt. Wir haben uns konsolidiert, unsere Verbindlichkeiten abgebaut und sind in der Lage, erste Investitionen aus eigener Kraft zu tätigen. Wir müssen aber noch einen ganz weiten Schritt gehen.“

Fahrstuhl-Klub oder etablierter Zweitligist? Wohin geht die Reise des SSV Jahn? – Darüber diskutierten am Dienstagabend in der Continental-Arena Evi Reiter und Josef Pöllmann (beide MZ) mit Jahn-Geschäftsführer Dr. Christian Keller, Sportökonom Prof. Dr. Tobias Haupt und dem Jahn-Vorstandsvorsitzenden Hans Rothammer.

Gut situierte Konkurrenz

Warum es für die Regensburger kein anderes Ziel als den Klassenerhalt geben kann, erläuterte Keller anhand zweier Zahlenbeispiele. Der Jahn plant für die kommende Saison mit einem Gesamtumsatz zwischen 17 und 18 Millionen Euro. Laut Keller hatte in der Saison 2015/2016 ein Zweitligist im Durchschnitt einen Umsatz von 35 Millionen. „Also das Doppelte, das wir 2018/2019 generieren möchten.“ Geld schieße zwar keine Tore, es sei aber trotzdem so, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit die Wahrscheinlichkeit auf sportlichen Erfolg positiv beeinflusse. „Diese Lücke müssen wir Schritt für Schritt schließen.“

„Ein Aufstieg wäre für die Gesamtentwicklung des Klubs nicht zu früh gekommen.“

Christian Keller

Sportlich etablieren in der 2. Bundesliga und wirtschaftlich die nächsten Schritte gehen: Das ist der „Jahn-Masterplan“. „Wenn wir fünf Jahre in der 2. Bundesliga bleiben sollten, was eine Riesen-Aufgabe ist, dann können wir vielleicht über andere Dinge reden“, erklärte Keller. Die Fernsehgelder-Verteilung (zuletzt kassierte der Jahn rund 6,5 Millionen Euro) ist nach einem Fünf-Jahres-Modell getaktet. Etablierte Klubs machen enorme finanzielle Sprünge.

Die vergangene Spielzeit beendeten die Regensburger auf dem fünften Platz. So gut stand der Jahn noch nie. Der SSV hatte sogar die Chance, den historischen Durchmarsch von der vierten in die erste Liga zu schaffen. „Ein Aufstieg wäre für die Gesamtentwicklung des Klubs nicht zu früh gekommen“, sagte Keller mit Blick auf die üppigen TV-Töpfe in der Bundesliga.

Hier sehen Sie die Veranstaltung in voller Länge:

SSV Jahn: Fahrstuhl-Club oder etablierter 2. Ligis

Haupt, der er als stellvertretender Direktor des Instituts für Fußballmanagement in Ismaning fungiert, ist zuversichtlich, dass es in Regensburg noch länger Zweitliga-Fußball zu sehen gibt. „Das Team ist absolut konkurrenzfähig. Der Jahn steigt nicht ab.“ Was der Verein vielen anderen Klubs voraushabe, sei ein klarer Plan, der seit Jahren konsequent umgesetzt werde.

Jahn-Geschäftsführer Keller ist glücklich, dass ihm andere Klubs nicht nach Heiko Herrlich mit Achim Beierlorzer gleich den nächsten Erfolgscoach, dessen Name mit seinem Ex-Klub RB Leipzig in Verbindung gebracht worden war, wegschnappten. Der Trainer hat seinen Vertrag sogar vorzeitig bis 2022 verlängert, wollte die Spekulationen um seine Person aber nicht kommentieren. „Ich habe mit voller Überzeugung für vier Jahre verlängert beim Jahn“, sagte Beierlorzer, der mit im Publikum war.

„Ich habe mit voller Überzeugung für vier Jahre verlängert beim Jahn.“

Achim Beierlorzer

Mit Marvin Knoll haben die Regensburger dagegen einen wichtigen Mann zum FC St. Pauli ziehen lassen müssen. Dem Publikumsliebling legte der Jahn-Geschäftsführer keine Steine in den Weg. Der Jahn sei natürlich auch in gewisser Hinsicht ein Sprungbrett für Spieler und Trainer, weiß Keller. Am liebsten sei es ihm aber dabei, wenn sie gemeinsam mit dem Jahn springen. Und das habe zuletzt sehr gut geklappt. Auf die Frage eines Zuschauers, wie er persönlich denn mit einer Offerte eines Bundesligisten umgehen würde, antwortete Keller mit einem Lächeln: „Da müsste erst mal jemand anrufen“ und fügte hinzu: „Grundsätzlich habe ich die Devise, dass ich meine Verträge einhalte. Ich habe bis 2020 Vertrag und so lange bin ich auch hier.“

„So lange die Arena aber nicht immer voll ist, sind wir auch da nicht am Ziel.“

Hans Rothammer

Jahn-Präsident Hans Rothammer und Philipp Hausner, Leiter Vermarktung Geschäftskunden und Prokurist des SSV Jahn, der auch im Publikum anwesend war, skizzierten derweil die Entwicklung in Sachen Sponsoring: „Aktuell haben wir rund 300 Sponsoren, vor eineinhalb Jahren waren bei 200, vor fünf Jahren hatten wir um die 50.“ Die Erlöse aus Sponsorengeldern werden Rothammer zufolge in der kommenden Saison bei rund bei fünfeinhalb Millionen Euro liegen. Da gebe es ebenso Luft nach oben wie bei den Zuschauerzahlen. 11080 Zuschauer haben in der vergangenen Saison im Schnitt die Jahn-Heimspiele verfolgt. „Da sind wir sehr stolz drauf“, sagte Rothammer. „So lange die Arena aber nicht immer voll ist, sind wir auch da nicht am Ziel.“

Lesen Sie hier: Sargis Adamyan bleibt dem Jahn erhalten

Korruptionsaffäre

  • Verhandlung:

    Ab September wird die Regensburger Korruptionsaffäre vor Gericht aufgearbeitet. Für den Themenkomplex Jahn Regensburg sind neun Verhandlungstage reserviert.

  • Zeugen:

    Hans Rothammer und Christian Keller sind beide als Zeugen geladen. „Ich bin überzeugt davon, dass am Jahn keinerlei strafrechtlich relevante Vorwürfe hängenbleiben werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Regensburger Zweitligisten.

Rothammer wird deutlich

Wer die Jahn-Anhänger künftig bewirtet ist noch unklar. Ein neuer Vertrag für die Verpflegung ist nach wie vor nicht unter Dach und Fach. Der bisherige Caterer „Party-Engel“, mit dem der Jahn nicht zufrieden ist, darf erst einmal weitermachen – zumindest bis Anfang September. „Wir möchten auch selbst bestimmen, weil wir es letztlich auch selbst verantworten, wem wir im Jahr mehr als eine halbe Million überweisen (Anm. d. Red. für den Business-Bereich) und wem wir die Möglichkeit geben, siebenstellige Summen im Jahr mit unseren Kunden zu verdienen. Das ist ein ganz legitimes Interesse“, sagte Rothammer und fügte hinzu: „Bei aller sonst konstruktiver Zusammenarbeit kann es nicht sein, dass sechs städtische Bedienteste oder Bedienstete der Tochterunternehmen mehrheitlich gegen zwei Stimmen von uns zu entscheiden haben. Das werden wir so nicht akzeptieren“, sagte Rothammer, der darauf verwies, dass der Jahn mit Stadion-Miete, Gebwerbesteuer und Lohnsteuer mehr als zwei Millionen Euro jährlich in die städtischen Kassen spüle.

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