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Samstag, 22. September 2018 19° 3

Fussball

Der neue Leader des SSV Jahn

Die Regensburger haben einen gestandenen Profi für die Abwehr gesucht – mit Marcel Correia haben sie ihn gefunden.
Von Jürgen Scharf

Hat das Zeug, ein Eckpfeiler in der Mannschaft des Jahn zu werden: Marcel Correia Fotos: Andreas Nickl
Hat das Zeug, ein Eckpfeiler in der Mannschaft des Jahn zu werden: Marcel Correia Fotos: Andreas Nickl

Regensburg.Irgendwann, da will sich Marcel Correia seinen Traum erfüllen. Er ist großer Basketball- und American-Football-Fan. Seit vielen Jahren verfolgt er die nordamerikanischen Top-Ligen, die NBA und die NFL, am Fernseher. Doch irgendwann, da will er live dabei sein: „Ich will definitiv mal ein Spiel in den USA sehen. Das ist ein großer Traum von mir“, sagt er. In der ganz nahen Zukunft wird es allerdings wohl eher noch nicht klappen, denn da dürfte Correia noch sehr mit Fußball-spielen beschäftigt sein – beim SSV Jahn Regensburg.

Vor drei Wochen gab es der Jahn bekannt: Correia trägt ab sofort das weiß-rote Trikot des Regensburger Zweitligisten. Bei den Farben bleibt sich der 29-jährige Innenverteidiger damit im Kern treu, zuletzt trug er nämlich ein rot-weißes Trikot, das des 1. FC Kaiserslautern. Dieses Trikot ist ihm auch sehr wichtig, er ist schließlich ein echter Bub des Betzenbergs. „Ich hab in der Kurve gestanden, ich war Balljunge, ich hab bei dem Verein jede Jugendzeit durchgemacht“, erzählt er.

„Das war schwer zu realisieren“

Mit seinem Heimatverein, dem 1. FC Kaiserslautern, erlebte Marcel Correia zuletzt eine schlimme Saison. Foto: Eibner
Mit seinem Heimatverein, dem 1. FC Kaiserslautern, erlebte Marcel Correia zuletzt eine schlimme Saison. Foto: Eibner

Er, der gebürtige Kaiserslauterner, schaffte es bis zum Profi bei seinem Herzensverein. „Das ist etwas Besonderes, da gibt es auch keine zwei Meinungen, dass es mein Verein ist“, sagt er ganz offen. Genauso direkt weist er aber darauf hin, dass es in seiner Zeit als Profi bei den „Roten Teufeln“ für den Klub nicht gut lief. Der Niedergang gipfelte nun im Abstieg in die 3. Liga. Für Correia ein Horrorszenario: „Ein Abstieg allein ist schlimm genug. Dann noch ein Teil der ersten Kaiserslauterer Mannschaft zu sein, die aus der 2. Liga absteigt, war sehr schwer zu realisieren und zu akzeptieren.“

Marcel Correia im Steckbrief

Nun wagt Correia einen neuen Anfang wagt. Dass er jetzt in Bayern die Fußballschuhe schürt, ist aber nicht nur in der Lust auf Neues oder in Fernweh begründet. Der 29-Jährige redet auch hier nicht um den heißen Brei herum: Coach Michael Frontzeck habe in Kaiserslautern nicht mehr richtig mit ihm geplant. Correia nahm es als „Zeichen, dass ich nicht zu früh in Kaiserslautern alt werden sollte“. Der junge Familienvater – Tochter Lucia ist zwei Jahre alt – brauchte also einen Klub. Und er wollte „etwas finden, wo man sich wohl fühlt, wo man eben auch in der Kabine wieder etwas findet, das Spaß macht“. Correia glaubt, dass er es gefunden hat – beim SSV Jahn.

„Ich fand das sehr beeindruckend, wie wir zu Hause von Jahn Regensburg in der ersten halben Stunde regelrecht aufgefressen wurden.“

Marcel Correia über seine Eindrücke vom Spiel gegen den Jahn

Einen großen Teil seiner Meinung über seinen neuen Klub hat sich Correia bereits im vergangenen Frühjahr gebildet, damals noch im Trikot des Gegners. „Ich fand das sehr beeindruckend, wie wir zu Hause von Jahn Regensburg in der ersten halben Stunde regelrecht aufgefressen wurden.“ Dies sei bei ihm hängengeblieben. Die Power und der Teamgeist des Jahn habe er richtiggehend spüren können. Er habe die tollen Leistungen der Regensburger ohnehin die gesamte Saison über verfolgt. Im direkten Duell habe er dann ganz intensiv gespürt, welchen Hunger das Team des Aufsteigers hat – „und nun habe ich Spaß daran, selbst zu fressen“, sagt er mit einem Lachen.

Marcel Correia im Steckbrief

  • Familienstand:

    Verheiratet, ein Kind. Mit seiner Frau Carla erwartet Correia im Oktober das zweite Mal Nachwuchs.
    Innenverteidiger
    29
    1,86 Meter
    80 Kilo
    FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig
    Francesinha (portugiesische Spezialität)
    Familie, Basketball- und American-Football-Fan
    Rui Costa, Allesandro Nesta
    „Mein Spielaufbau ist mehr als ordentlich, ich antizipiere gut, beide Füße sind nicht so schlecht und mit der Zeit bekommt man auch mehr Ruhe auf dem Platz.“
    „In der Offensive muss ich mehr Gefahr bei Standards ausstrahlen. In meiner Profizeit habe ich bislang ein Tor erzielt – das ist definitiv zu wenig.“

Correia will sich in Regensburg wieder neu beweisen. Dass er Fußball spielen kann, ist unbestritten. Sechs Jahre, den größten Teil seiner Profizeit, verbrachte er bei Eintracht Braunschweig und kickte dort sogar in der 1. Liga. In der höchsten Spielklasse dabei zu sein, verbindet er im Rückblick „eigentlich nur mit positiven Erfahrungen“. Es sei „alles wesentlich intensiver“ gewesen, erzählt er, es habe einfach richtig viel Spaß gemacht.

Von der großen Erfahrung des Innenverteidigers soll nun die Abwehr des Jahn profitieren. Correia gilt als Königstransfer des Klubs in diesem Sommer. Ihm könnte es gelingen, die Lücke zu füllen, die Teamleader Marvin Knoll durch seinen Wechsel zum FC St. Pauli hinterlassen hat. Jahn-Coach Achim Beierlorzer ist von Correia jedenfalls sehr angetan: „Er ist ein charakterstarker Mensch. Man merkt sofort, dass er Familienvater ist und voll im Leben steht.“

„Ich fühl mich als Portugiese“

Correia ist zwar in Deutschland geboren, hat aber einen portugiesischen Pass. Und er fühle sich auch ganz klar als Portugiese, sagt er. Bei ihm im Elternhaus sei portugiesisch gesprochen worden, auch seine Tochter wachse nun zweisprachig auf. Familie ist überhaupt ein ganz wichtiges Thema für Correia. Die Zeit alleine im Hotel will er in Regensburg aufs Minimum beschränken. Die Wohnungssuche läuft auf Hochtouren, damit Frau und Tochter schnell nachkommen können.

Beim Jahn will Correia sich nun durchsetzen und Erfolg haben. Bei den Mitspielern scheint er gut anzukommen. „Er ist ein bodenständiger, ein ganz, ganz netter Typ. Er hat schon ein bisschen was erlebt in seiner Karriere und dementsprechend viel zu erzählen. Von ihm kann ich – auch mit meinen 26 Jahren – noch was lernen“, sagt etwa André Dej über ihn.

Marcel Correia im Video-Kurzportrait:

Kurzportrait: Das ist Jahn-Neuzugang Marcel Correi

Vom hochgelobten Teamgeist seiner neuen Mannschaft hat Correia übrigens bereits einige Tage vor seinem ersten Arbeitstag in Regensburg einen Eindruck bekommen. Da habe er nämlich einige Nachrichten von den neuen Mitspielern auf dem Handy gehabt. So etwas habe er in der Form noch nie erlebt, sagt er. Wie kamen die Jahn-Spieler eigentlich an seine Nummer? Correia überlegt – und muss dann mit einem Lächeln einräumen: „Das weiß ich auch nicht.“

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