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Fußball

Der SSV Jahn ärgert den HSV wieder

Ein 2:2 ist der Lohn für eine starke Leistung gegen den Tabellenzweiten. Der eingewechselte Albers rettet den Punkt.
Von Claus-Dieter Wotruba

In der 84. Minute rettet Andreas Albers den Punkt. Mit einem 2:2 geht der Jahn am Samstag aus dem Spiel gegen den HSV. Foto: Andreas Nickl
In der 84. Minute rettet Andreas Albers den Punkt. Mit einem 2:2 geht der Jahn am Samstag aus dem Spiel gegen den HSV. Foto: Andreas Nickl

Regensburg.Es bleibt dabei: Der Hamburger SV kann gegen den SSV Jahn Regensburg nicht gewinnen. Nach einer engagierten Leistung sahen 15 210 Zuschauer in der ausverkauften Conti-Arena, wie der überschaubaren Historie der Vergleiche der beiden Teams in der 2. Fußball-Bundesliga mit dem 2:2 (1:0) ein erstes Unentschieden hinzugefügt wurde. Mit dem achten Punkt der Saison kommt das Team von Trainer Mersad Selimbegovic zwar in der Tabelle nicht vorwärts, doch für das nächste Auswärtsspiel am 6. Oktober bei Holstein Kiel gibt das Ergebnis zweifelsfrei Auftrieb.

HSV-Trainer Dieter Hecking gab sich hinterher gönnerhaft. „Du musst es als HSV auch mal akzeptieren, wenn du hier mit einem Punkt wegfährst. Der Aufstieg wird kein Selbstläufer. Wie hat ein noch älterer Kollege als ich gesagt: Jeder Punkt hilft.“ Dem stimmte auch Selimbegovic zu und sagte: „Unser Ausgleich war verdient. Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind und wird uns bald mit einem Dreier belohnen werden.“

SSV Jahn

Auch Benedikt Gimber rieb sich die Augen

Das legendäre 5:0 beim Jahn-Samstagsgast Hamburger SV erlebte er am Fernsehschirm. Der Rückkehrer ist bisher meist Zuschauer.

Diesmal stimmte die Spekulation über die Aufstellung und Federico Palacios nahm den Sturmplatz von Erik Wekesser in der Startelf ein. Freilich rückte Sebastian Stolze neben Marco Grüttner ganz vorne und Palacios übernahm Stolzes Außenposition. Auch Benedikt Saller kehrte wie vermutet auf seine zuletzt angestammte Position des Rechtsverteidigers zurück. Neu war, dass Jahn-Dauerbrenner Andreas Geipl im defensiven Zentrum Platz machen musste, weil Benedikt Gimber zu seinem Debüt in der Anfangsformation kam.

Frechheit Programm der ersten Halbzeit

Bekommt der HSV ein Jahn-Trauma oder führt das dritte Duell der beiden Klubs zurück in die Normalität, in der die beiden Vereine in so unterschiedlichen Fußballwelten zuhause sind? Das war die Frage. Die ersten Sekunden waren schon Programm. Es war noch keine Minute vorbei, da versuchte es Grüttner aus der Drehung direkt und hätte fast HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes überrascht. Der Ball ging an die Latte.

Die Frechheit der ersten Aktion sollte das Programm der gesamten ersten Halbzeit werden. Die Hamburger von Trainer Dieter Hecking wirkten überrascht, mit welch breiter Brust die Hausherren agierten. Denn der SSV Jahn versuchte, den Ton anzugeben, nahm Ballverteiler Adrian Fein geschickt aus dem Spiel. „Die Rückkehr hierher war nicht so geil. Ich hätte schon gerne gewonnen“, brummelte der Ex-Jahnler.

Der Jahn gegen Hamburg: Die Einzelkritik

Die Jahn-Devise war bei Ballgewinn im Überrumpelungsstil schnell nach vorne zu spielen. Das hätte in der 12. Minute fast zu einem Elfmeter geführt, als Grüttner Stolze losschickte und der sich von Heuer Fernandes zu Fall gebracht fühlte. Schiedsrichter Tobias Welz sah das auch nach Rücksprache mit den Videoassistenten anders. „Das sind alles so kleine Aktionen, die dem Gegner Auftrieb geben und zeigen, es könnte was gehen. Wir waren nicht so souverän, wie wir das in den vergangenen Wochen gespielt haben“, befand Hecking. Noch so eine Aktion: Nach 20 Minuten hielt wieder die Latte her, wohin Grüttner nach einer Besuschkow-Ecke den Ball köpfte. Doch wegen Foulspiels war zuvor abgepfiffen.

Bangen nach dem ersten Treffer

Trainer Mersad Selimbegovic hatte im Vorfeld gewarnt, dass der HSV angesichts der Klasse seiner Offensivkräfte nicht viele Chancen brauchen würde. Fast hätte der bislang beste HSV-Schütze Sony Kittel das unterstrichen, zielte aber in der 27. Minute doch vorbei.

Jahn-Kapitän Marco Grüttner liefert sich einen Zweikampf mit Hamburgs Rick van Drongelen. Foto: Andreas Nickl
Jahn-Kapitän Marco Grüttner liefert sich einen Zweikampf mit Hamburgs Rick van Drongelen. Foto: Andreas Nickl

Dann kam eine lange Minute, als das Führungstor fiel. Stolze hatte nach einem Abpraller und Fehler von Heuer Fernandes den Abpraller genutzt. Es folgte eine bange Wartezeit: Schiedsrichter Welt erkannte den Treffer erst doch nicht an, hielt Rücksprache, sah sich die Bilder selbst an und entschied dann doch, dass Grüttners Position nicht als Abseits zu werten war.

Der HSV hatte seine zweite gute Szene, als Aaron Hunt nach Kittels Vorarbeit frei über das Tor schoss (35.). Doch die Regensburger Pausenführung war durchaus verdient. Geipl kam für den früh verwarnten Gimber aus der Kabine – und der HSV tat jetzt mehr, hatte mehr vom Spiel. Bei Gideon Jung hatte der Jahn schon gerade noch ein Abwehrbein dazwischen (55.). Als Alexander Meyer eine Flanke unterlief, brauchte es noch eine Portion mehr Glück, als Martin Harnik an den Pfosten köpfte (62.). „Wir haben mit hohem Risiko gespielt, das wir in der Form normal nicht wollen. Aber heute mussten wir das gehen“, analysierte Hecking. „Wenn der Jahn in der Phase den einen oder anderen Konter besser ausgespielt hätte, hätten wir gar keinen Punkt mitgenommen.“

Grätsche ins eigene Tor

Inzwischen war auch Erik Wekesser für Palacios, von dem Trainer Selimbegovic gesagt hatte, dass die Kraft noch nicht für ein ganzes Spiel reicht, auf dem Feld. Das Spiel wogte hin und her. In der 69. Minute hatte der SSV Jahn seine beste Gelegenheit zum 2:0, als nach einer Kombination über Marcel Correia und Wekesser Grüttner knapp am Ball vorbeigrätschte. „Wenn du das 2:0 machst, ist esvorbei in dem Spiel, glaube ich“, sagte Selimbegovic. Drei Minuten später stand es dann doch 1:1: Sebastian Nachreiner grätschte eine Hereingabe von Lukas Hinterseer ins eigene Tor. „Wastl war gut positioniert, der Ball rutscht über den Spann, aber das kann passieren“, schildert Selimbegovic seine Sichtweise. Und noch einmal drei Minuten später hatte der HSV die Partie gedreht: Ein abgeprallter Ball landete vor den Füßen von Hunt, der aus 18 Metern auf das Tor vor der HSV-Kurve zum dort umjubelten 2:1 traf. „Das ist eben auch die Qualität des Gegners, die brauchen nicht viele Chancen. Aber wir haben ihnen auch nicht viele gegeben.“

Jetzt war die Frage: Aller Aufwand umsonst? Wieder eine lange gute, sogar sehr gute Leistung, aber kein Lohn und kein Punkt? Doch, weil der in der 70. Minute für Jann George eingewechselte Andreas Albers auf Vorlage des starken Kapitäns Marco Grüttner die Regensburger in der 84. Minute mit dem 2:2 belohnte. „Das ist besser zu verteidigen“, sagte Hecking, „aber wie gesagt, den Punkte nehme ich gerne mit. Vergangenes Jahr haben wir gar keinen geholt, also alles gut.“

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