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Fussball

Der SSV Jahn kämpft sich zurück

Die Regensburger geraten im Zweitligaderby gegen den FC Ingolstadt früh in Rückstand – und gewinnen dann doch noch.
Von Jürgen Scharf

Jubeltraube in der Continental-Arena: Die Jahn-Spieler feiern nach dem Abpfiff ihr furioses Comeback.Foto: Nickl
Jubeltraube in der Continental-Arena: Die Jahn-Spieler feiern nach dem Abpfiff ihr furioses Comeback.Foto: Nickl

Regensburg.Derby-Jubel in Regensburg: Der SSV Jahn erkämpft sich am Freitagabend vor 13 010 Zuschauern in der Continental-Arena gegen den FC Ingolstadt einen 3:2-Sieg. Zur Pause lagen die Oberpfälzer noch mit 0:2 hinten, drehten die Partie dann aber mit einem furiosen Endspurt.

Nach dem Spiel in Nürnberg am vergangenen Dienstag war es das zweite bayerische Zweitligaderby für den Jahn innerhalb weniger Tage – und der Andrang darauf war riesig. Noch kurz vor dem Anpfiff stauten sich auf den Straßen rund um das Stadion die Autos. Wer deswegen ein paar Minuten zu spät auf seinen Sitzplatz gelangte, hatte bereits das erste Tor verpasst. Die Ingolstädter legten nämlich einen Blitzstart hin.

Die Ingolstädter Hauke Wahl (links) und Farina Leczano drehen nach dem 0:2 jubelnd ab. Jahn-Keeper Philipp Pentke ist bedient. Foto: Nickl
Die Ingolstädter Hauke Wahl (links) und Farina Leczano drehen nach dem 0:2 jubelnd ab. Jahn-Keeper Philipp Pentke ist bedient. Foto: Nickl

Keine zwei Minuten waren gespielt, als es den ersten Freistoß für die Gäste gab. Alfredo Morales legte sich den Ball zurecht und zirkelte ihn schließlich punktgenau auf den Kopf von Thomas Pledl. Der verlängerte den Schuss gekonnt zum 0:1.

Diese frühe, eiskalte Dusche schmeckte den Regensburgern natürlich überhaupt nicht. Sie brauchten ein paar Minuten, um den Schock zu verdauen und sich auf die neue Situation einzustellen. Fast vom Anpfiff weg mussten sie nun einem Rückstand hinterherlaufen.

Stimmen zum Spiel

  • Sargis Adamyan (SSV Jahn):

    „Die Mentalität hat es zum Schluss gemacht. Die erste Halbzeit war nicht so gut. Das müssen wir uns auch ankreiden lassen. Da haben wir nicht gut gespielt, viele Fehler, viele leichte Bälle verloren. In der zweiten Halbzeit sind wir mit einem bisschen Glück zurück gekommen. Das 2:1 durch ein Eigentor. Aber wir haben es auch erzwungen. Wir haben alles dafür getan und zum Schluss wurden wir dann auch belohnt.“

  • Jonas Nietfeld (SSV Jahn):

    „Pure Emotion am Ende! Die erste Halbzeit war nicht so gut. Auch dem frühen Gegentor geschuldet, sind wir nicht so gut reingekommen und natürlich hat das Spiel von Dienstag noch in den Knochen gesteckt. Aber als ich eingewechselt wurde, ist ja grad das 1:2 gefallen, da hab ich gewusst, mit der Truppe die wir haben, mit der Mentalität geht auf jeden Fall noch was. Das macht auch der Mannschaft am meisten Spaß, wenn das Stadion so voll ist und dann so ein Spiel! Natürlich hat man es auch mal gern ruhiger, so ein 4:0 wie gegen Duisburg, aber im Endeffekt ist das das Geilste was dir als Fußballer passieren kann.“

  • Philipp Pentke (SSV Jahn):

    „1. Halbzeit pfui, 2. Halbzeit hui! Frühes Gegentor, eiskalt erwischt. Das hat uns ziemlich aus dem Konzept gebracht und danach haben wir uns auch von unseren Emotionen etwas leiten lassen. Dann sind wir von unserem Weg abgekommen und das hat uns ziemlich zurückgeworfen. Dann haben wir uns in der Halbzeit nochmal geschüttelt. Wir haben uns alle um 180 Grad drehen müssen, das wurde auch klar und deutlich angesprochen. Wir waren auch selber auf uns sauer, dass wir so gespielt haben gegen so einen Gegner. Wir hatten natürlich etwas Glück beim 1:2, aber das braucht man halt um wieder zurück zu kommen. Was danach passiert ist, war schon wirklich ein Spektakel.

  • Zur Stimmung:

    „Wenn man zuhause spielt und einen Anschlusstreffer erzielt, dann wissen wir, was hier los ist. Was die Fans hier abgerissen haben - à la bonne heure! Die haben uns immer wieder nach vorne gepeitscht. Die Jungs sind ab der 80. Minute auf dem Zahnfleisch gelaufen und noch drüber hinaus. Das spricht einfach für unsere Mentalität, dass uns Rückschläge nicht umhauen.“

  • Marcel Gaus (FC Ingolstadt):

    „Wir stehen nach dem 2:1 zweimal alleine vor dem Tor, da müssen wir natürlich ein Tor machen, das 3:1, und dann ziehst du denen den Stachel, dann war’s das. Aber das haben wir nicht geschafft. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen, dass wir es hier vergeigt haben. Nach so einem Spiel brauchst du nicht mehr vom Aufstieg sprechen, da hast du nichts mit dem Aufstieg zu tun.“

Es waren dann schon etwas über 20 Minuten gespielt, als es den ersten spektakulären Angriff der Regensburger gab. Sargis Adamyan drosch den Ball mit einem Seitfallzieher aufs Ingolstädter Tor, FC-Keeper Örjan Nyland konnte aber parieren. Und nur kurz danach war es wieder Adamyan, der für ein Raunen der Zuschauer im Stadion sorgte. Sein Kopfball strich allerdings um ein paar Zentimeter am Tor der Gäste vorbei.

Leczano verwandelt Elfer

Die Druckphase der Regensburger war dann jedoch schnell wieder vorbei, Es entwickelte sich ein Kampfspiel, in dem die Ingolstädter kurz vor der Halbzeit plötzlich zum zweiten Mal jubeln konnten. Robert Leipertz war von seinen Mitspielern geschickt freigespielt worden. Am Ende lief er frei auf Jahn-Keeper Philipp Pentke zu – und der brachte ihn zu Fall. Den fälligen Elfmeter verwandelte Dario Leczano völlig sicher zum 0:2 (37. Minute).

In der letzten Minute der ersten Halbzeit hatte Morales sogar noch eine dicke Chance zum dritten Treffer der Ingolstädter. Er schoss allerdings weit vorbei. Doch auch so schlichen die Regensburger niedergeschlagen in die Kabine. Sie hatten an sich gut mitgespielt, waren bei den zwei Toren aber zu unachtsam gewesen. Nun dürfte es schwer werden, noch ein Unentschieden oder gar einen Sieg zu erreichen.

Die Jahn-Spieler in der Einzelkritik:

Einzelkritik Jahn gegen Ingolstadt

Jahn-Coach Achim Beierlorzer wechselte in der Pause aus. Joshua Mees kam für Jann George und sollte für etwas mehr Dampf auf dem Flügel sorgen. So richtig wollte der Angriffsmotor des Jahn an diesem Abend aber nicht auf Touren kommen. Die Ingolstädter standen dafür in der Abwehr einfach zu sicher und verwalteten ihre Führung gekonnt.

Es schien auf einen sicheren Sieg der Ingolstädter hinauszulaufen – bis auf einmal ausgerechnet ein Spieler der Gäste den Jahn wach küsste. Hauke Wahl lenkte eine Hereingabe von Sebastian Stolze unglücklich ins eigene Tor ab. Nun witterte der Jahn Morgenluft. „Da werden auf einmal Kräfte frei“, meinte Trainer Beierlorzer später. Allerdings musste sein Team auf die gefährlichen Konter der Ingolstädter aufpassen. Sonny Kittel lief dabei eine Viertelstunde vor Schluss frei auf Pentke zu, der konnte den Schuss mit einer tollen Reaktion aber parieren.

Thomas Pledl (FC Ingolstadt 04) im Zweikampf gegen Marvin Knoll. Foto: Nickl
Thomas Pledl (FC Ingolstadt 04) im Zweikampf gegen Marvin Knoll. Foto: Nickl

Nietfeld trifft zum Sieg

Nun war mächtig Pfeffer in der Partie – und der Jahn schaffte den Ausgleich. Stolze zimmerte den Ball zwölf Minuten vor dem Ende technisch stark zum 2:2 ins Netz. Und es sollte sogar noch besser kommen. Der eingewechselte Jonas Nietfeld traf in der 88. Minute zum 3:2 – der Rest war Jubel. „Wir sind mit ein bisschen Glück zurückgekommen, haben es aber auch erzwungen“, brachte Jahn-Stürmer Sargis Adamyan den Spielverlauf nach dem Abpfiff treffend auf den Punkt.

Alles zum SSV Jahn finden Sie hier!

Hier können Sie den Live-Ticker zum Spiel nachlesen:

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