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DFB-Pokal: Jahn blamiert sich in Leipzig

Der SSV Jahn verlor nach Führung gegen Chemie Leipzig. Auch der Jahnbus nahm beim Auswärtsspiel Schaden.
Von Jürgen Scharf

Da ist er drin. Der Leipziger Philipp Wendt (links) trifft zum Ausgleich. Danach sollte es für den Jahn sogar noch schlimmer kommen. Foto: Gatzka
Da ist er drin. Der Leipziger Philipp Wendt (links) trifft zum Ausgleich. Danach sollte es für den Jahn sogar noch schlimmer kommen. Foto: Gatzka

Leipzig.Für den SSV Jahn Regensburg endet die Reise im DFB-Pokal in dieser Saison bereits an der ersten Station. Der Fußball-Zweitligist verliert am Sonntagnachmittag vor 4999 Zuschauern beim Oberligisten BSG Chemie Leipzig völlig überraschend mit 1:2 (1:0). Julian Derstroff hatte den Jahn zwar in der ersten Halbzeit in Führung gebracht, nach der Pause fingen sich die enttäuschenden Regensburger aber noch zwei Gegentreffer ein.

Die Pokalgeschichte des SSV Jahn ist bislang keine sehr erfolgreiche. Zumeist war sehr früh Schluss. In dieser Saison wollten es die Oberpfälzer nun eigentlich besser machen. Das Los bescherte ihnen die Reise nach Leipzig. Beim Oberligisten waren die Regensburger natürlich klarer Favorit. Eine Rolle, die Jahn-Coach Achim Beierlorzer grundsätzlich annahm, vor jeglicher Überheblichkeit vor der Partie allerdings eindringlich warnte.

Konzentrierte Regensburger zu Beginn

Seine Spieler schienen die Worte ihres Trainers zu beherzigen. Sie gingen konzentriert in die Partie und schienen sehr darauf bedacht zu sein, den Leipzigern nicht das Gefühl zu geben, dass der Gast die Aufgabe hier auf die leichte Schulter nimmt. Zu Torchancen kam der Jahn in der Anfangsphase allerdings nur über Standardsituationen. Weil bei denen nichts rauskam, starteten die Leipziger sogar eine kurze Gegenoffensive.

Albion Vrenezi (Mitte) und seine Teamkollegen fanden in Leipzig nie richtig zu ihrem Spiel. Foto: Gatzka
Albion Vrenezi (Mitte) und seine Teamkollegen fanden in Leipzig nie richtig zu ihrem Spiel. Foto: Gatzka

Alexander Bury kam in der 6. Minute im Regensburger Strafraum zum Schuss – und den schnappte sich Jahn-Keeper André Weis, der im Pokal Stammtorwart Philipp Pentke vertreten durfte.

Seine Startaufstellung hatte Beierlorzer im Vergleich zu den ersten beiden Partien in der 2. Liga ansonsten nur leicht verändert. Marc Lais rotierte raus, für ihn rückte Jonas Nietfeld ins Mittelfeld. Auf den offensiven Außenbahnen erhielten zudem Julian Derstroff und Sebastian Stolze eine Chance von Beginn an – und Derstroff nutzte diese. In der 20. Minute zeigte er ein tolles Gespür für den freien Raum und stand nach einer Flanke von Albion Vrenezi goldrichtig. Aus fünf Metern knallte er den Ball volley zum 1:0 für den Jahn ins Tor.

Für die Amateure aus Leipzig, die bis dahin noch relativ frech aufgespielt hatten, war dies eine kalte Dusche an dem heißen Augustnachmittag. Die Gastgeber waren merklich beeindruckt, wie eiskalt der Jahn seine erste richtige Torchance ausgenutzt hatte und konzentrierten sich nun noch mehr darauf, in erster Linie den eigenen Strafraum abzusichern.

Die Stimmen zum Spiel

  • Jahn-Kapitän Marco Grüttner:

    „Es ist eine absolute Blamage für uns. Wir haben kaum zwingende Chancen rausgespielt. Die Jungs von Leipzig haben das Spiel ihres Lebens gemacht und wir waren einfach bodenlos schlecht heute. Ich bin maßlos enttäuscht von uns. Wenn wir da jetzt nicht die richtigen Schlüsse draus ziehen, wird es ein böses Erwachen in der Liga geben. Wir haben uns top vorbereitet, genauso wie auf Liga-Spiele auch. Wir haben hier sogar geführt, dann darf man hier natürlich nicht mehr verlieren. Ich hoffe einfach, dass sich jeder an die eigene Nase fasst und wir da wieder rauskommen.“

  • Alexander Nandzik:

    „Es ist schwer, das direkt nach dem Spiel in Worte zu fassen. Es war einfach zu wenig, gerade gegen einen Fünftligisten. Jeder Einzelne ist vielleicht nicht bei hundert Prozent angekommen, obwohl jeder wollte. Wir müssen jetzt die Lehren rausziehen, damit so was nicht in der Liga passiert.“

  • Jahn-Geschäftsführer Christian Keller:

    „Glückwunsch an Leipzig zum Sieg. Wir haben es uns natürlich anders vorgestellt, waren aber von Anfang an nicht so im Spiel, wie wir es uns gewünscht hätten. Wir haben insgesamt viel zu wenig Fußball gespielt und viel zu wenig Torchancen rausgespielt. Irgendwann war es nur noch Kampf und Leipzig hat sich da dann reingebissen. In Summe war es von uns einfach zu wenig. Es lag heute nicht am Wollen, es lag, auch wenn sich das hart anhört, am Können. Das muss man so gnadenlos sagen.“

  • Jahn-Trainer Achim Beierlorzer:

    „Für uns ist es eine bodenlose Enttäuschung. Wir wussten, wie schwer es hier werden wird. Wir haben es verpasst, unsere Stärken ins Spiel zu bringen und zu wenig Torchancen kreiert. Das ist brutal für uns, das ist enttäuschend.“

  • Chemie-Trainer Dietmar Demuth:

    „Ich glaube, dieser Sieg ist nicht ganz unverdient. Mitte der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel offener gestalten können und kräftemäßig nicht nachgelassen. Wir haben immer dran geglaubt, dass wir das Ding ziehen können.“

Den Regensburgern dürfte dies ganz recht gewesen sein. Sie konnten das Spiel nun endgültig voll in die Hände nehmen. Andy Geipl zog im Mittelfeld die Fäden, auf den Außenbahnen versuchten Stolze und Derstroff Druck zu machen. In einen wirklichen Spielfluss kam der Jahn trotz der Überlegenheit aber nicht. Bis zum Strafraum der Leipziger hatte er alles im Griff. Den Abwehrriegel, den die Leipziger direkt vor ihrem Tor aufgebaut hatten, konnten die Regensburger jedoch nur selten knacken. So gab es kaum weitere Torchancen, die knappe Führung zur Halbzeit hatte sich der Jahn dennoch durchaus verdient.

Nach der Pause änderte sich zunächst nichts. Die Regensburger dominierten in den ersten Minuten nach Wiederanpfiff weiter die Partie, kamen aber nur selten zum Abschluss. Die Leipziger hielten ihrerseits weiter gut mit, trauten sich aber noch wenig zu. Für den großen Kampfgeist, den sie zeigten, erhielten sie von den Zuschauern dennoch immer wieder Applaus – und der beflügelte sie. Je länger das Spiel dauerte, desto frecher wurden die Gastgeber. Der Jahn verwaltete nur noch seine knappe Führung und baute die Leipziger damit auf. Das sollte sich rächen. Der kurz zuvor eingewechselte Philipp Wendt zog auf und davon und traf in der 69. Minute zum Ausgleich.

Ein entscheidender Konter

Die Regensburger waren nun genau in der Situation, die sie eigentlich unbedingt vermeiden wollten. Sie mussten gegen eine Blamage ankämpfen, während die Leipziger spürten, dass eine Sensation möglich ist und von ihren Fans bei jedem gewonnenen Zweikampf gefeiert wurden. Der Jahn griff nun wütend an – und rannte dabei in der Nachspielzeit in den entscheidenden Konter. Kai Druschky jagte den Ball in der 91. Minute mit einem traumhaften Schuss zum 2:1-Siegtor für die Leipziger ins Tor.

MZ-Reporter Jürgen Scharf schätzt die Leistungs des SSV Jahns beim Ausscheiden im DFB-Pokal ein:

Jahn-Coach Beierlorzer sprach nach der Partie von einer „bodenlosen Enttäuschung“. Seine Mannschaft habe zwar „ganz gut angefangen“, unterm Strich über die gesamte Zeit aber zu wenig Torchancen herausgespielt. An mangelndem Kampfgeist habe es seiner Meinung nach nicht gelegen, spielerisch habe sein Team aber deutlich zu wenig gezeigt. Sein Leipziger Trainerkollege Dietmar Demuth war dagegen überglücklich und hochzufrieden mit dem Auftritt seiner Spieler. Letztlich habe die BSG „auch nicht unverdient gewonnen“, meinte er.

Unschöne Geste der Leipziger Fans

Der Jahnbus wurde in Leipzig beschmiert. Foto: Instagram/Robert_klp
Der Jahnbus wurde in Leipzig beschmiert. Foto: Instagram/Robert_klp

Die Fans von Chemie Leipzig feierten nach dem Spiel die Sensation. Eine Nacht davor leisteten sie sich eine unschöne Geste: Der Bus der Jahnmannschaft wurde Opfer einer Schmier-Attacke von Chemie-Fans. Das zeigt ein Foto auf der Social-Media-Plattform Instagram. „Vor dem Hotel der Regensburger wurden Front- und Seitenscheiben mit grüner Farbe besprüht“, teilte ein Sprecher der Polizei in Leipzig mit. Zudem seien mehrere Aufkleber an der Vorderscheibe angebracht worden. Die Täter sind noch unbekannt, die Kriminalpolizei ermittelt.

Hier finden Sie den Liveticker zum Spiel noch mal zum Nachlesen:

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