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Fussball

Die Jahn-Fans wollen es wissen

Die Klubführung des Zweitligisten steht den Anhängern Rede und Antwort – und muss viele Fragen beantworten.
Von Jürgen Scharf

Sargis Adamyan ist einer der besten Spieler des SSV Jahn in dieser Saison. Die Fans fragen sich, ob andere Vereine an ihm interessiert sind.Foto: Andreas Nickl
Sargis Adamyan ist einer der besten Spieler des SSV Jahn in dieser Saison. Die Fans fragen sich, ob andere Vereine an ihm interessiert sind.Foto: Andreas Nickl

Regensburg. Ganz am Ende gibt es noch ein dickes Lob. Ein Fan erinnert die Führungskräfte des SSV Jahn daran, wie es vor drei Jahren war: „Da habt ihr kräftig Prügel bezogen.“ Jetzt schaue die Welt aber anders aus, findet der Herr mittleren Alters. Jetzt werde ein richtig guter Job gemacht. Die mehreren Dutzend Anhänger des Regensburger Fußball-Zweitligisten, die zum Fanabend in den Dollinger-Saal des Alten Rathauses gekommen sind, applaudieren: Beim Jahn ist die Welt derzeit schwer in Ordnung.

Es ist eine feste Einrichtung geworden. Regelmäßig stellen sich Trainer, Geschäftsführer und Präsident des SSV Jahn den Fans zum direkten Austausch. Eingeführt wurden die Gesprächsabende ausgerechnet zu der Zeit, als es beim Jahn sportlich fürchterlich lief. Doch das ist vorbei. Derzeit wird die Mannschaft für ihre Leistungen gefeiert, auch bei diesem Fanabend. Nur Friede und Freude gibt es im Fußball allerdings nie. Die Jahn-Anhänger sind wissbegierig und bohren hartnäckig nach – auch dieses Mal.

Bleiben Pentke und Adamyan?

Stefan Mandl will es genau wissen: Verlässt Torwart Philipp Pentke den Klub im Sommer oder bleibt er? Der Keeper ist eine der absoluten Identifikationsfiguren für die Fans. Zuletzt wurde spekuliert, dass er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Geschäftsführer Christian Keller berichtet, dass noch nichts entschieden sei. Der Jahn wolle seinen Torwart halten. Pentke sei zuletzt aber Papa geworden und wäge ab, ob er weiter in Regensburg bleiben oder näher bei seiner Familie sein möchte.

Trainer Achim Beierlorter, Präsident Hans Rothammer, Geschäftsführer Christian Keller und Pressesprecher Martin Koch (von links) standen Rede und Antwort. Foto: Scharf
Trainer Achim Beierlorter, Präsident Hans Rothammer, Geschäftsführer Christian Keller und Pressesprecher Martin Koch (von links) standen Rede und Antwort. Foto: Scharf

Ein anderer Fan will wissen, warum Neuzugang André Dej bislang noch nicht in Fahrt gekommen ist. Trainer Achim Beierlorzer sagt dazu offen, dass es für den Spieler „keine zufriedenstellende“ Situation ist. Die Tür stehe bei entsprechenden Leistungen aber immer offen.Zudem wirbt der Coach dafür, es nicht zu dramatisch zu bewerten: „Es gibt Schlimmeres, als Fußball-Profi zu sein und nicht zu spielen.“

Ganz andere Probleme befürchten die Fans bei Sargis Adamyan. Der spielte zuletzt nämlich so gut, dass er in den Fokus anderer Klubs gerückt sein könnte. Trainer Beierlorzer gibt zumindest für die Winterpause Entwarnung. Hier habe es keine Anfragen für Adamyan gegeben. Ob diese vielleicht im Sommer kommen, könne keiner wissen, sagt er – und wenn welche kommen, wisse auch keiner, wie es ausgeht. Wenn Spieler beim Jahn toll spielen, sei es ganz normal, dass andere Klubs dies bemerken. „Wenn dann eine schönere Braut kommt, können wir es dem Spieler auch nicht verwehren“, findet er. Adamyan, der beim Jahn einen langfristigen Vertrag bis 2021 hat, kann aus diesem aber ohnehin wohl nur gegen Zahlung einer Ablösesumme herausgekauft werden.

So läuft es beim Jahn in der Vorbereitung

Weniger an den Stars der aktuellen Mannschaft, sondern an möglichen Stars von morgen, ist Sepp Pretzl aus Lappersdorf interessiert. Er will wissen, ob es der eine oder andere aus der eigenen Jugend ins Profi-Team schaffen könnte. Beierlorzer antwortet ihm, dass es aus seiner Sicht derzeit keinen Nachwuchsspieler beim Jahn gibt, der kurzfristig für den Sprung in die 2. Liga bereit sei. Die U21 des Jahn spiele in der Bayernliga – der Schritt in die 2. Liga sei da „einfach riesig“, führt der Coach aus.

Wenn dann eine schönere Braut kommt, können wir es dem Spieler auch nicht verwehren.“

Jahn-Coach Achim Beierlorzer -Coach zum Fußball-Geschäft

In der Bayernliga schlagen sich die Youngster des Jahn allerdings so gut, dass sogar ein Aufstieg in die Regionalliga nicht ausgeschlossen scheint. Geschäftsführer Keller wird gefragt, ob die Kosten für eine zweite Mannschaft in der vierten Liga nicht sehr hoch wären. Keller meint, dass dies im Fall der Fälle kein großes Problem wäre, weil der Jahn seine U21 auch in der Regionalliga ähnlich wie jetzt aufstellen würde. Ein paar Nachbesserungen, etwa der Bau einer Flutlichtanlage, wären allerdings auf dem Platz für die Heimspiele am Kaulbachweg nötig.

Der Dollinger-Saal war gut gefüllt. Foto: Scharf
Der Dollinger-Saal war gut gefüllt. Foto: Scharf

Mehr als zwei Stunden lang debattiert die Führung des Jahn mit den Anhängern – zu den unterschiedlichste Themen. Ludwig Wittmann etwa bricht eine Lanze für die Mannschaft. Die spiele einfach begeisternd, findet er. Deswegen würde er es gut finden, wenn das Team vor Heimspielen schon auf dem Parkplatz von den eigenen Fans empfangen und hier durch ein Spalier gehen würde. Diese Anregung wird direkt an den im Publikum sitzenden Stefan Reiprich, der als Vertreter der Fans im Aufsichtsrat des Jahn tätig ist, weitergegeben.

Kritik an Akustik im Stadion

Stefan Neubert bohrt derweil in punkto Stadion nach. Er kritisiert die Steuerung der Lautsprecheranlage bei den Heimspielen, den Stadionsprecher verstehe er kaum. Martin Koch, Leiter der Medienabteilung des Jahn, sichert ihm zu, dass dies noch einmal untersucht werde, weist aber auch darauf hin, dass die Akustik in einem großen Stadion ein „extrem schwieriges Thema“ sei. Ein Fan rechnet dann noch vor, dass der Jahn Geld gespart habe, weil er in der Winterpause nicht in ein Trainingslager geflogen ist. Ob das Geld nun für andere Sachen frei ist, will er wissen – etwa, damit die Mannschaft mal zu einem Auswärtsspiel fliegen kann. Keller antwortet ihm, dass solche Dinge beim Jahn „nicht gegeneinander aufgerechnet werden“. Wenn es nötig sei, wie etwa zum Spiel in Kiel, fliege die Mannschaft sowieso, ganz egal, ob es vorher ein Trainingslager gegeben hat oder nicht.

Eine kurze Debatte entzündet sich dann noch beim Thema Eintrittspreise. Sowohl bei den Spielen in der 2. Liga wie auch bei Testspielen verlange der Jahn viel Geld, findet ein Fan. Hans Rothammer, Vorstandsvorsitzender des Klubs, antwortet ihm, dass der Jahn bei den Preisen seiner Meinung nach in einem vertretbaren Rahmen liege. Alleine angesichts des großen Aufwands den der Klub für jedes Heimspiel – etwa bei den Sicherheitskräften – betreibe, müsse der Klub auch einen gewissen Betrag verlangen, sonst bleibe zu wenig übrig, findet er.

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