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Jahn

Hein: Tafelsilber mit Ausstiegsklausel

Der junge Verteidiger soll und will das Gesicht des SSV Jahn in den kommenden Jahren sein. Ein Hintertürchen nach oben lässt er sich aber offen.
Von Jürgen Scharf, MZ

Jung, dynamisch – und was in der Birne: Oliver Hein (links) jubelt mit Teamkollege Jim-Patrick Müller über ein Tor des SSV Jahn. Foto: Nickl

Regensburg.Vor neun Monaten, nach dem letzten Spiel in der 2. Liga gegen Dynamo Dresden, brach es aus Oliver Hein heraus: „Ich bin froh, dass die Saison vorbei ist. Wenn es keinen Spaß macht, dann wird es zur Qual“, sagte er mit eingefrorener Miene. Heute sitzt der 23 Jahre alte Defensiv-Allrounder mit einem breiten Lächeln da und sagt: „Das habe ich damals auch so gefühlt, das stimmt. Aber der Spaß ist jetzt zurück. Definitiv!“

Das vergangene Jahr hat Hein geprägt. Bis dahin ging es für ihn immer bergauf. 2007 war der gebürtige Straubinger vom FC Dingolfing zum Jahn gewechselt. Bereits als 18-Jähriger wurde er in die erste Mannschaft hochgezogen. Seit drei Jahren ist er Stammspieler. Er lernte die Fußballwelt von ihrer schönen Seite kennen. Eine Welt, in der Fußball spielen nicht nur zum Geld verdienen da ist, sondern auch Spaß macht. Dann kam die Rückrunde in der 2. Liga mit dem Hauen und Stechen und dem Abstieg als Tiefpunkt. „Das war die erste richtig schwierige Zeit, die ich im Fußball erlebt habe“, erzählt er. Hein bekannte zum Ende der Saison offen, dass er über einen Wechsel nachdenkt: „Es gibt auch Angebote“, verriet er damals. Doch er schlug sie aus, blieb beim Jahn – und hat neun Monate später wieder richtig Spaß am Fußball.

In Herz und Kopf stimmt es

Eine alte Fußballerweisheit besagt, dass dem, der im normalen Leben keine Ordnung hat, diese auch auf dem Platz abgeht. In diesem Sinne scheint das präzise Spiel von Hein kein Zufall. Auch abseits des Platzes ist er strukturiert – und konstant. „Ja, da ist alles noch beim alten“, beantwortet lächelnd die Frage, ob er mit seiner Freundin Katharina noch zusammen sei. Und weil es nicht nur im Herz sondern auch im Kopf stimmen muss, tut Hein auch was für die Birne. Seit drei Jahren studiert er Mathematik mit Nebenfach Betriebswirtschaftslehre. Als der Jahn in die 2. Liga aufstieg, musste er zwar auf ein Fernstudium umsteigen – aber er blieb dran. „Ich bin in meinem Zeitplan“, sagt er. So in zwei Jahren, glaubt er, werde er die Bachelor-Prüfungen machen.

Ob er dann auch noch beim Jahn Fußball spielen wird, ist eine andere Frage. Hein gilt als das Tafelsilber des Klubs. Wenn einer eine satte Ablösesumme einbringen könnte, dann er. Auch für Hein selbst könnte ein Wechsel verlockend sein. Er ist 23 Jahre alt, jetzt beginnen die besten Jahre als Fußballer. Und 2. Liga würde er sich zutrauen: „Ich habe da letztes Jahr, denke ich, mithalten können und gute Leistungen gebracht.“ Nur: Unter Zeitdruck setze er sich nicht.

Sich individuell verbessern

Dass der Neuaufbau beim Jahn etwas dauern könne, sei ihm bekannt: „Meine persönlichen Ziele stimmen zu weiten Teilen mit denen des Vereins überein“, sagt er. Und alleine in den Kategorien Bundesliga, 2. oder 3. Liga denke er sowieso nicht. Das, was er beeinflussen könne, sei, sich persönlich zu verbessern. Da habe er sich individuelle Ziele gesetzt, im Fußball wie im Studium, und die wolle er erreichen.

Wenn eines seiner Ziele gelautet hat, flexibel einsetzbar zu sein, dann kann er dieses bereits abhaken. Jahn-Trainer Thomas Stratos verschob ihn während der Saison vom defensiven Mittelfeld auf den Posten des rechten Außenverteidigers. Der Coach wollte ihn da haben, um über die Seite mehr Druck zu machen. Hein tat, wie ihm geheißen, und macht seitdem Druck. Große Probleme, sich in der neuen Rolle zurecht zu finden, habe er nicht gehabt, erzählt er. Einzig die Seitenlinie als neuer, ständiger Nachbar seit etwas gewöhnungsbedürftig: „Im Zentrum bist du dagegen nach allen Richtungen offen, das ist eben so.“

Wie offen Hein bei Gesprächen mit anderen Klubs wäre, bleibt ein heißes Thema in der Fußball-Gerüchteküche. Schnell, jung, zweitligaerfahren, variabel einsetzbar und zudem etwas in der Birne – er dürfte ein gefragter Mann sein. Das Heft des Handelns hätte er selbst in der Hand. Bei Anfragen von höherklassigen Vereinen hat er eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag. „Ja, die gibt es“, bestätigt er – und wiegelt dann gleich wieder ab. Die Klausel sei nicht entscheidend, „und das ist wirklich so“. Die Vorstellung, in den kommenden vier fünf Jahren das Gesicht des SSV zu sein, finde er nämlich „schön“. Und im Hier und Jetzt, „da zählt für mich sowieso nur der Jahn“.

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