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Horrorhalbzeit kostet Jahn die Punkte

Der Tiefschlaf in der ersten Hälfte gegen Dresden sorgt für den nächsten Tiefschlag. „Unterirdisch“, urteilt der Jahn-Kapitän.
Von Jürgen Scharf und Heinz Reichenwallner, MZ

Nicht zu fassen: Dresdens Justin Eilers (Mitte) entwischt Aias Aosman (links) und Gregory Lorenzi
Nicht zu fassen: Dresdens Justin Eilers (Mitte) entwischt Aias Aosman (links) und Gregory Lorenzi Foto: Nickl

Regensburg.Vor einer Woche redete Markus Palionis Klartext. Das hart erarbeitete zarte Pflänzchen Hoffnung auf den Klassenerhalt habe die Mannschaft in Cottbus selbst zertrampelt, meinte der Jahn-Kapitän. Am Samstag, in der ersten Halbzeit gegen Dynamo Dresden, trampelte der Jahn auf diesem Pflänzchen nicht mehr nur herum, er grub gleich den ganzen Boden um. Nach drei haarsträubenden Abwehrfehlern stand es zur Pause 0:3. Danach kämpften die Regensburger zwar erfolgreich um ihre Ehre und schossen noch zwei Tore – an der desaströsen Vorstellung der ersten 45 Minuten konnte dies aber nichts mehr ändern.

In den ersten drei Spielen nach der Winterpause ging es für den Jahn gegen drei direkte Konkurrenten im Abstiegskampf der 3. Liga. Die Regensburger schlugen sich bravourös und holten sieben Punkte. Nun stand in zwei Duellen gegen Aufstiegskandidaten sozusagen die Reifeprüfung für das neu formierte Team an – und die versiebte der Jahn. In Cottbus gab es vier Gegentore, gegen Dresden nun drei.

„Große individuelle Fehler“

Gerade die erste Halbzeit gegen Dynamo – vor der tollen Kulisse von fast 9000 Zuschauern – dürfte Jahn-Trainer Christian Brand noch viel Kopfzerbrechen bereiten. „Wir haben da in drei Situationen geschlafen und dabei große individuelle Fehler gemacht“, meinte er. Von den Spielern brachte es Kapitän Palionis wieder einmal schonungslos auf den Punkt: „Die erste Hälfte war unterirdisch.“

Dabei waren die Regensburger mit großen Hoffnungen in die „Partie mit existenzieller Bedeutung“, wie Brand vorher sagte, gegangen. Vielleicht hatte man im Jahn-Lager auch ein bisschen darauf spekuliert, dass die Dresdner das Spiel nicht ganz so konzentriert angehen würden, weil für Dynamo am Dienstag das Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund ansteht. Davon war auf dem Platz aber nichts zu sehen. Die Gäste wollten offensichtlich vielmehr ihre jüngste Pleitenserie in der Liga von vier Niederlagen am Stück beenden und waren hellwach. Geschludert wurde nur von einem Team: dem SSV Jahn.

Die Dresdner hatten den Ball in der achten Spielminute eigentlich nur zaghaft nach vorne geschlagen, Jahn-Verteidiger Gregory Lorenzi brachte diesen aber einfach nicht aus dem Strafraum heraus. Dynamo-Torjäger Justin Eilers sagte Danke und schob die Kugel zum 0:1 ins Tor. Zwar sorgte danach Thomas Kurz, der für den verletzten Michael Königs als Mittelstürmer für den Jahn auflief, auch für etwas Betrieb im Dynamo-Strafraum – einmal traf er die Latte (9.), einmal zielte er knapp daneben (25.) –, diese vorsichtigen Angriffsversuche waren aber natürlich zu wenig, um die Fehler in der Abwehr auszugleichen.

Herzel geht ungeschickt zu Werke

Wie ein Rückfall in schlimmste Zeiten der Vorrunde wirkte das, was die Jahn-Defensive bot. Zunächst durfte Eilers völlig frei durchlaufen und locker zum 0:2 vollstrecken (26.). Danach stellte sich Stani Herzel in einem Zweikampf mit Sinan Tekerci äußerst ungeschickt an – und das noch dazu im Strafraum. Tekerci ging zu Boden, der Schiri pfiff Elfer und Eilers ließ sich die Chance zu seinem dritten Treffer nicht entgehen (30.).

Nach einer halben Stunde war das Spiel quasi schon entschieden. Die Regensburger Fans waren völlig bedient und mucksmäuschenstill. Im Lager der Dynamo-Fans, knapp 3000 waren angereist, herrschte dagegen natürlich prächtige Stimmung. Fast hätten die in der 39. Minute sogar das vierte Tor ihrer Mannschaft bejubeln können, Tekerci schoss aber knapp daneben.

Brand dürfte seinen Jungs in der Halbzeit gehörig die Leviten gelesen haben. Diese kamen jedenfalls mit neuer Kraft aus der Kabine und prompt zum Anschlusstor. Nach Vorarbeit von Kolja Pusch traf Uwe Hesse zum 1:3 (53.). Nun lag wieder ein Fünkchen Hoffnung in der Luft. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Der Jahn versuchte verzweifelt, irgendwie noch ein Tor nachzulegen, was sogar gelang. Pusch drosch den Ball aus 14 Metern ins Netz (73.).

Der Einsatz war den Jahn-Spielern nun ohnehin nicht mehr abzusprechen. Bis zur letzten Minute pressten sie alles aus sich heraus. Die vielen Angriffsversuche endeten aber zu oft im Nirgendwo. Am Ende blieb es beim 3:2 für Dresden. Die berüchtigten Dynamo-Fans feierten den Sieg euphorisch – aber friedlich, wie die Regensburger Polizei nach der Partie bekannt gab.

Da begann bei den Regensburgern umgehend die Analyse. „Unser Problem war die erste Halbzeit“, meinte Pusch. Uwe Hesse versuchte, sich irgendwie am Positiven hochzuziehen: „In der zweiten Hälfte sah man, was für ein Potenzial wir haben.“ Coach Brand stieß in dasselbe Horn: „Die zweite Halbzeit war ein Spiel auf ein Tor. Die Mannschaft hat eine Supermoral bewiesen und Dynamo an den Rand des Unentschiedens gedrängt.“

„Wir geben uns nicht auf“

Für den Klassenerhalt braucht der Jahn aber keine Teilerfolge, er braucht Punkte. „Wir geben uns nicht auf“, kündigten Marvin Knoll und Thomas Kurz unisono an. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Es kann daher nur vorwärts gehen“, ergänzte Youngster Daniel Steininger. Der Coach gab sich ohnehin kämpferisch: „Wir werden den Weg weitergehen, wohin er auch führen wird.“ Geografisch führt er den Jahn am kommenden Samstag nach Münster. Das ist wieder ein harter Brocken. Doch Bangemachen gilt für Brand nicht, er wechselte rhetorisch in die Tennis-Welt: Seine Mannschaft brauche jetzt einmal ein „Break“, einen Auswärtserfolg: „Wir müssen uns endlich einmal belohnen.“

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