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Jahn

Jahn-Boss Weber macht einen Rückzieher

Zuerst sagte der Vorstandschef, dass er weitermacht – nun hört er auf. Dafür könnte einer aufrücken, der einst beim Klub schon seinen Abschied nahm.
Von Heinz Reichenwallner und Jürgen Scharf, MZ

Ulrich Weber (links) zieht sich zurück und packt als Vereinschef des SSV Jahn seine Sachen. Foto: Nickl

Regensburg.Der SSV Jahn Regensburg bekommt einen neuen Vereinsboss. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Ulrich Weber bestätigte der MZ nun, dass er nach drei Jahren als Vorstandsvorsitzender nicht mehr weitermachen wird. „Dieses Amt ist sehr zeitintensiv. Die Familie kam immer etwas zu kurz, das will ich jetzt ändern“, begründete der 43 Jahre alte Rechtsanwalt seine Entscheidung. Webers Rückzug ist zumindest öffentlich aber eher ein Rückzieher. Vor sechs Wochen sagte er im Rahmen des letzten Saisonspiels gegen Osnabrück der MZ, dass er auf jeden Fall als Jahn-Präsident weitermachen wolle – und setzte hinzu, dass er bereits Signale vom Aufsichtsrat erhalten habe, dass er wieder vorgeschlagen werde. Nun ist alles anders. Weber sagte der MZ, dass er zuletzt nicht ganz offen über seine eigentlichen Absichten reden konnte. Zuerst hätte ein passender Nachfolger gefunden werden müssen. Bereits im Frühjahr habe er verschiedenen Aufsichtsratsmitgliedern mitgeteilt, dass es ganz in seinem Sinne sei, wenn es in diesem Sommer einen Wechsel an der Jahn-Spitze geben würde. „Und ich bin sehr froh, dass man hier offensichtlich auf dem Weg ist, jemanden zu finden, der diesen Verein sehr gut weiterführen wird.“

Entscheidung am Sonntagabend?

Jetzt könnte alles ganz schnell gehen. Die Verantwortlichen des Vereins kommen nach MZ-Informationen am kommenden Sonntagabend zusammen. Bei der Sitzung soll es in erster Linie um die Besetzung der frei werdenden Position des Vereinsvorsitzenden gehen. Webers Amtszeit endet am 30. Juni. Dem Vernehmen nach soll eine schnelle Lösung in der Nachfolgefrage anvisiert sein. Der Wunschkandidat von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der den Jahn nicht zuletzt wegen des Stadionneubaus zur Chefsache erklärt hat, ist nach Informationen unserer Zeitung der 61 Jahre alte Regensburger Steuerberater Hans Rothammer, der von 2009 bis 2010 schon Vorsitzender des Aufsichtsrats des SSV Jahn Regensburg e.V. war. Eben dieses Kontrollgremium des Vereins kann durch sein Votum den neuen Vorstandsvorsitzenden ins Amt berufen. Deswegen kann eine definitive Entscheidung erst am Sonntag bei der Sitzung fallen. Rothammer war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Als gesichert gilt jedoch schon jetzt, dass die Vereinsführung verschlankt werden und so eventuell das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden, das derzeit mit Thomas Hufsky besetzt ist, wegfallen soll. Damit setzt sich die Jahn-Führungsriege vor der Berufung des neuen Vereinschefs mit Christian Keller (Vorstand Nachwuchsfußball) und Johannes Baumeister (Vorstand Finanzen) aus zwei Personen zusammen. Beide fungieren gleichzeitig als Geschäftsführer der Jahn GmbH & Co. KGaA., die für die Belange der Jahn-Profis, der -U23 und der -U19 verantwortlich zeichnet und einen eigenen Aufsichtsrat hat.

Weitere Änderungen möglich

Wahrscheinlich wird sich auch im Gremium des Vereins etwas verändern. Angeblich will Christian Schlegl aus beruflichen Gründen den Vorsitz im Aufsichtsrat abgeben, aber weiter Mitglied dieses Gremiums bleiben. Dessen künftiger Vorsitzender soll angeblich OB Wolbergs werden, während der bisherige Vorstandsvorsitzende Weber als Stellvertreter vorgesehen ist. Dazu passt, dass dieser der MZ sagte, entsprechende Gerüchte, dass er von Wolbergs oder anderen Aufsichtsratsmitgliedern zum Rückzug gedrängt wurde, „komplett falsch“ seien. Es habe zwar mehrere Einzelgespräche gegeben, auch mit Wolbergs und Schlegl, die Entwicklung der vergangenen Wochen sei aber ganz in seinem Sinne und schließlich auch von ihm selbst initiiert worden.

Was den designierten Jahn-Boss Hans Rothammer betrifft, so gehörte er in seiner Zeit als Aufsichtsratsvorsitzender zu den kritischen Geistern des Vereins, was letztlich zu etlichen öffentlichen Auseinandersetzungen führte. Der damalige Vorstand, Matthias Klemens, wollte ihm deswegen im Herbst 2010 sogar die Mitgliedschaft entziehen, was allerdings gescheitert ist. Rothammer hatte erfolgreich auch gegen Ex-Sportchef Franz Gerber prozessiert, der ihm vereinsschädigendes Verhalten vorgeworfen hatte. Bereits vorher, im April 2010, hatte Rothammer sein Amt deshalb damals niedergelegt, weil „es gegen Teile des Vorstands und der Kommanditisten leider nicht möglich ist, meine Vorstellung von der Führung und der Organisation des Jahn, die ich für richtig und notwendig halte, umzusetzen“.

Wiedersehen mit actori-Leuten

Von den alten Widersachern ist nun ohnehin schon lange keiner mehr im Amt. Klemens trat 2011 zurück, Gerber wurde 2013 entlassen. Rothammer würde beim Jahn vielmehr auf alte Bekannte treffen. Wie es heißt, hatte er zu seiner Zeit als Aufsichtsrat maßgeblich darauf hingewirkt, dass für kurze Zeit die Beratungsfirma actori engagiert wurde. Deren für den Jahn zuständiger Mitarbeiter war damals Christian Keller – der seit einem Jahr nun Jahn-Sportchef ist. Auch Finanzchef Johannes Baumeister arbeitete einst für actori.

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