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SSV Jahn

Jahn: Brand ist der Feuerwehrmann

Der frühere Bundesligaprofi Christian Brand wird Chefcoach beim Jahn. Am Dienstag leitete er bereits das erste Training.
Von Heinz Reichenwallner und Jürgen Scharf, MZ

  • Er soll den Jahn aus der Misere führen: Christian Brand Foto: Lex
  • Christian Brand (vorne) zu seiner aktiven Zeit als Bundesligaprofi beim FC Hansa Rostock: Brand tritt beim SSV Jan die Nachfolge von Trainer Alexander Schmidt an. Foto: dpa/Archiv

Regensburg.Der SSV Jahn Regensburg setzt im Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga auf einen Trainer-Neuling im Profifußball. Nach dem vergangene Woche beurlaubten Alexander Schmidt soll nun der 42 Jahre alte, ehemalige Bundesligaspieler Christian Brand die Rot-Weißen, die mit zwölf Punkten nach 17 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz stehen, vor dem drohenden Abstieg retten. „Ich bedanke mich bei allen Verantwortlichen dafür, dass sie mir in dieser schwierigen Situation das Vertrauen schenken. Es wird sehr arbeitsreich und intensiv und nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen und dahinter stehen“, sagte Brand, der am Dienstagvormittag offiziell vorgestellt wurde und anschließend sogleich das erste Training leitete.

Für eine positive Grundstimmung sorgen, den Jungs wieder Ordnung sowie Sicherheit vermitteln, damit Freude und Selbstvertrauen zurückkommen – so beschreibt Brand seine dringlichsten Aufgaben in seinem neuen Amt. Von einem „Himmelfahrtskommando“ wollte der Trainer, der die Uefa-Pro-Lizenz besitzt, nichts wissen. „Fünf Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz bedeutet nicht total abgeschlagen“, sagte der Coach, der sich locker aber zugleich bestimmt gab. „Der Jahn in seiner schwierigen Situation ist eine große Herausforderung. Es ist ein spannender Job.“

Die U21 des FC Luzern gecoacht

Brand erhält einen Kontrakt bis zum Sommer 2015, der sich im Erfolgsfall, sprich Klassenerhalt, automatisch um ein weiteres Jahr verlängert. Als seine Assistenten werden wie auch unter Schmidt Co-Trainer Harry Gfreiter, Jugendkoordinator Markus Jahn und Torwarttrainer Oliver Karl fungieren. Als Coach war Brand bislang nur in der Schweiz aktiv, wo er auch seine Karriere als Spieler beendete. In der Bundesliga war er zuvor in 108 Spielen für Werder Bremen, den VfL Wolfsburg und Hansa Rostock als technisch beschlagener Mittelfeldspieler bekannt. Zuletzt coachte er die U21 des FC Luzern, bei dem er vorher schon die U18 betreut hat.

Seine Trainerlaufbahn hatte der gebürtige Quakenbrücker (Niedersachsen) 2007 in der Schweiz beim FC Thun als Assistent des Niederländers René van Eck begonnen. In Luzern übernahm er nach der Entlassung des ehemaligen Schweizer Nationaltrainers Ralf Fringer in der Saison 2010/11 für fünf Spiele interimistisch das Amt des Chefcoach. Auf die Frage, was er von seinen ehemaligen Trainern, zu denen auch Friedhelm Funkel und Armin Veh gehörten, abgeschaut habe, antwortete Brand: „Man nimmt von jedem Coach was mit. Es bleiben immer Dinge haften.“

Keller: „Gute Kontakte zum Schweizer Fußballer“

Mit Brand habe man sich auch diesmal wieder für einen jungen Trainer entschieden, erklärte Christian Keller. „Wir denken, dass er die Mannschaft erreichen wird.“ Der Sportchef wies einmal mehr auf die schwierige sportliche Lage des Vereins hin. „Der Jahn steht mit dem Rücken zur Wand, und von dort gibt es nur die Möglichkeit, nach vorne zu gehen.“ Bereits Anfang vergangener Woche habe er mit Brand telefoniert, berichtete Keller, der eigener Aussage zufolge „gute Kontakte zum Schweizer Fußball“ hat. Dann kam es zu einem Treffen in Regensburg, dem ein zweites folgte. Spätestens hier gehörte Brand zu den drei Kandidaten, denen Chancen auf die Nachfolge Schmidts eingeräumt wurden.

Entscheidung gemeinsam getroffen

Am Montag wurde das Bewerbertrio von 12 bis 19.30 Uhr nochmals persönlich unter die Lupe genommen. „Dann wurde die Entscheidung getroffen, von der wir denken, dass sie richtig ist“, betonte Vorstandsboss Hans Rothammer. Der hatte bei der Eröffnung der Pressekonferenz überraschend deutlich darauf hingewiesen, dass Keller zwar die Vorarbeit zu dem Thema geleistet habe, der Entschluss mit Brand zusammenzuarbeiten, jedoch auf breiter Basis mit Stimmen aus der Vorstandsetage und aus dem Aufsichtsrat gefallen sei. Bislang ging die Öffentlichkeit davon aus, dass Keller im sportlichen Bereich – im Rahmen des Etats – bei Personalentscheidungen federführend sei. Auf MZ-Nachfrage wollte Keller von einer Entmachtung aber nichts wissen: „Das ist Unsinn. Wir haben Personalentscheidungen beim Jahn schon immer gemeinsam getroffen.“

„Klare Führung und Ansage“

Derweil sagte Brand in Bezug auf seine neue Mannschaft, dass er jedes Spiel der bisherigen Saison von ihr gesehen habe. Klar sei für ihn, dass der junge Kader „klare Führung und Ansage braucht“. Gleichzeitig bringt der neue Jahn-Trainer Überzeugung mit. Er habe keine Bedenken, sagte er, dass die Mannschaft am Samstag (14 Uhr) im Heimspiel gegen Arminia Bielefeld so eingestellt sein werde, dass sie dem Tabellendritten Paroli biete und die drei Punkte behalte.

Der Coach kann zudem spätestens zur Winterpause auf einen neuen Stürmer hoffen. Vielleicht komme auch noch ein offensiver Mittelfeldspieler, hört man von den Verantwortlichen. „Die Mittel für Verstärkungen sind vorhanden“, bestätigen auf Nachfrage unisono der Sportchef Keller und Vereinschef Rothammer. Letzterer hatte vor fünf Wochen noch Brands Vorgänger Schmidt den Rücken gestärkt und gesagt, dass man das Geld, die eine Trainerentlassung koste, lieber in neue Spieler investiere. Nun ist ein Trainer entlassen und ein neuer geholt worden: „Es stehen aber immer noch die notwendigen finanziellen Mittel für eine Verstärkung des Kaders zur Verfügung“, sagte Rothammer am Dienstag.

Kommentar

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