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Fussball

Jahn-Coach: „Wir haben keine Angst“

Achim Beierlorzer hat mit seinem Team die 2. Liga gerockt – und damit große Erwartungen geweckt. Wie geht er damit um?
Von Jürgen Scharf

Achim Beierlorzer geht beim Jahn in sein zweites Jahr. Foto: Nickl
Achim Beierlorzer geht beim Jahn in sein zweites Jahr. Foto: Nickl

Regensburg.Herr Beierlorzer, wie war der Urlaub?

Der war grandios. Mit der Familie war ich zwei Wochen weg, das war Erholung pur, auch wenn Christian (Jahn-Geschäftsführer Christian Keller, Anm. d. Red.) und ich zwischendurch viel telefoniert und am Kader geschraubt haben. Nach meiner Rückkehr haben wir dann hier in Regensburg direkt wieder Spielergespräche geführt, aber auch da war ich noch nicht wieder in diesem Hamsterrad, in dem es schon frühmorgens losgeht und man bis abends alles abarbeitet, drin.

Haben Sie viel WM geschaut?

Ich schau’ alles, was ich schauen kann. Aber es ist nicht so, dass ich meinen Tag komplett danach ausrichte. Familiäre Termine gehen in der freien Zeit zum Beispiel ganz klar vor. Die großen Spiele, etwa Spanien gegen Portugal, die haben wir aber ohnehin gemeinsam in der Familie angeschaut.

Ihr Eindruck vom Turnier bisher?

Man merkt, wie eng die Leistungsbandbreite zusammenrückt, das ist für mich ganz deutlich zu spüren. Es gibt ganz wenige Mannschaften, die da problemlos durchlaufen.

Schauen Sie sich da auch für die eigene Arbeit etwas ab?

Natürlich. Speziell die Arbeit gegen den Ball, die verschiedenen Spielstile, das ist natürlich etwas, das mich immer interessiert.

Vom deutschen Team sehr enttäuscht?

Ja, ich hätte sie schon gerne länger im Turnier gesehen und hätte auch gedacht, dass sie weiterkommen.

Glauben Sie, dass der deutsche Fußball insgesamt im Sinkflug ist?

Das ist völliger Quatsch. Wir sind als Weltmeister reingegangen, haben letztes Jahr den Confed-Cup gewonnen und sind U21-Europameister geworden. Alles kann da also nicht falsch gewesen sein in den letzten Jahren, da muss man sich keine Sorgen machen.

Früher in Fürth gespielt

  • Karriere:

    Achim Beierlorzer ist eigentlich Gymnasiallehrer für Sport und Mathematik. Der 50-Jährige, der acht Geschwister hat, stammt aus Franken und spielte früher für die SpVgg Fürth. Beierlorzer ist verheiratet und hat drei Kinder,

  • Geheimtipp:

    Dass der SSV Jahn in diesem Sommer derart früh viele Spieler verpflicht hat, führt Beierlorzer auch darauf zurück, dass wir „als Verein schon attraktiver geworden, denke ich. Das liegt sicher mit daran, dass wir eine gute Saison gespielt haben – und dass es auch Spieler gab, die das gut fanden und deswegen gern zu uns gekommen oder hier geblieben sind“.

  • Ziel:

    Auf die Frage, welchen Wunsch er hätte, wenn er einen für die kommende Saison des SSV Jahn frei hätte, antwortet Beierlorzer übrigens postwendend: „Den Klassenerhalt.“

Ganz klar im Aufwind war in den vergangenen Jahren der SSV Jahn. Wie blicken Sie mit etwas Abstand auf Ihre erste Saison in Regensburg zurück?

Das war einfach eine herausragende Saison. Wir hatten eine kleine kritische Phase (nach drei Niederlagen in der Liga am Stück in der Vorrunde, Anm. der Red.) zu überstehen, ansonsten war das Jahr für mich persönlich einfach geprägt von einer tollen Zusammenarbeit zwischen Trainer und Mannschaft, von Trainer und Verein und auch innerhalb des Trainerteams. Es war ein rundum gelungenes und tolles Jahr, das auch viele Rückschlüsse zulässt, wie man weiterarbeiten soll.

Welche denn?

Wenn etwas funktioniert, dann überlegt man sich natürlich, warum es funktioniert hat und versucht, das beizubehalten.

Ist dann das Motto für die kommende Saison: laufen lassen?

Oh, nein! Laufen lassen ist im Fußball immer etwas ganz Gefährliches, denn das heißt, dass man in einen Trott verfällt. Das dürfen wir auf keinen Fall. Ich meine Dinge, wie dass die Mannschaft letztes Jahr immer ehrgeizig geblieben ist, dass sie immer auf höchstem Level weitergearbeitet hat. Das war gut und diese Motivation müssen wir jetzt weiter Tag für Tag herauskitzeln.

Der Jahn hat erstmals die 2. Liga gehalten – und das gleich auf Platz fünf. Ist damit nicht schon alles erreicht?

Nein. Jetzt beginnt es von Neuem, mit dem Ziel, wieder den Klassenerhalt zu schaffen. Es heißt ja, dass das zweite Jahr immer viel schwerer ist. Dagegen müssen wir uns jetzt stemmen. Das Ziel bleibt natürlich absolut das identische: der Klassenerhalt.

„Es wird wohl so sein, dass ich aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden werde.“

Achim Beierlorzer ist Gymnasiallehrer. Seine Beurlaubung kann ab 2019 aber nicht mehr verlängert werden.

Im Fußball gibt es oft aber auch die Zielsetzung, immer zumindest einen Schritt nach vorn zu machen. Der Jahn wurde Fünfter, das würde dann mindestens Vierter als Ziel bedeuten.

Es ist klar, dass jetzt solche Rechnungen immer wieder kommen. Doch das ist uns egal. Wir haben mit dem Klassenerhalt etwas Historisches geschafft, dürfen uns davon aber nicht blenden lassen. Der Gradmesser ist nicht der fünfte Platz. Das haben wir jetzt mit einer außergewöhnlichen Saison einmal erreicht. Als Ziel können wir uns realistisch aber wieder nur den Klassenerhalt setzen. Alles andere wäre mit Blick auf die Möglichkeiten der Konkurrenz vermessen.

Haben Sie dann sogar etwas Angst vorm verflixten zweiten Jahr?

Nein, wir haben keine Angst vorm Versagen. Es ist im Gegenteil eine tolle Herausforderung, die sogar einen zusätzlichen Kick bringt. Einmal etwas erreicht zu haben, ist das eine. Etwas zu bestätigen, das ist aber die große Kunst. Zu bestätigen heißt bei uns, dass wir auch in der übernächsten Saison wieder in der 2. Liga spielen wollen.

Für Sie selbst ist es auch zuletzt schon sehr gut gelaufen. Ihr Vertrag wurde vorzeitig um drei weitere Jahre, nun bis zum Jahr 2022, verlängert. Freuen Sie sich über den riesigen Vertrauensvorschuss durch den Verein? Das ist im Fußball ja nicht so normal?

Die Gespräche haben mich natürlich gefreut. Und dabei haben wir dann auch über meinen Beamtenstatus gesprochen. Hier steht schließlich 2019 eine Entscheidung an.

Genau, Sie sind Lehrer und ließen sich für den Fußball mehrmals nacheinander beurlauben. 2019 müssen Sie sich aber endgültig entscheiden. Der Fußball scheint gewonnen zu haben?

(lacht) Ja, meine Entscheidung habe ich grundsätzlich schon getroffen. Und das hängt natürlich damit zusammen, dass mir der Jahn einen langfristigen Vertrag angeboten hat. Es wird also wohl so sein, dass ich aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden werde.

Vier Jahre sind im Fußball eine lange Zeit. Glauben Sie, dass Sie 2022 noch beim Jahn sind?

Das kann keiner sagen. Wir haben jetzt diese klare Aussage, dass beide Seiten sich gut vorstellen können, langfristig miteinander zu arbeiten. Wie es am Ende dann wirklich kommt, das weiß doch keiner mit Sicherheit. Ich fühle mich in Regensburg und beim Jahn jedenfalls sehr wohl. Es macht aber keinen Sinn, jetzt Garantien für das auszusprechen, was vielleicht in einem Jahr ist. Für mich geht es um das Hier und Jetzt.

Haben Sie eine Ausstiegsklausel?

Zu Vertragsinhalten wird es von mir, wie schon bisher, definitiv keine Aussage geben.

Im Sommer wurde sogar spekuliert, dass Sie von einem Bundesliga-Klub umworben werden. Gab es Anfragen?

Auch dazu werde ich mich nicht äußern.

Einige Spieler haben den Klub verlassen, noch mehr sind aber gekommen. Der Kader ist im Großen und Ganzen bereits komplett. Gut für Sie, oder?

Es sind natürlich optimale Voraussetzungen, wenn du bereits beim Trainingsstart praktisch alle beisammen hast und nicht mehr zwingend etwas machen musst. Wenn wir in den sechs Wochen Vorbereitung schon mit allen an den Prozessen innerhalb des Teams feilen können.

Ist die Mannschaft unterm Strich stärker geworden?

Ich glaube, dass wir in der Breite in der Tat stärker geworden sind, dass wir im nächsten Jahr also eine vom Leistungsniveau her noch homogenere Mannschaft haben werden. Was aber wie gesagt nicht zu dem Schluss führen sollte, dass wir automatisch auf einem ähnlichen oder gar besseren Platz landen. Diese Logik gibt es im Fußball nicht. Ich kauf’ mir gute Spieler und bin dann auf jeden Fall besser – so einfach läuft das nicht.

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