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SSV Jahn

Jahn: „Dürfen nicht in Panik verfallen“

Den Regensburgern droht der Absturz auf die Abstiegsplätze. Der Coach warnt jedoch davor, nun alles in Frage zu stellen.
Von Jürgen Scharf, MZ

Zuletzt musste Torwart Philipp Pentke den Ball zu oft aus dem Netz holen. Foto: Nickl
Zuletzt musste Torwart Philipp Pentke den Ball zu oft aus dem Netz holen. Foto: Nickl

Regensburg.Es gab Zeiten, da spielten der 1. FC Kaiserslautern und der SSV Jahn in völlig verschiedenen Fußball-Welten. Und die sind noch gar nicht so lange her. Während in den Neunziger Jahren in Kaiserslautern deutsche Meisterschaften gewonnen und in der Champions League mitgespielt wurde, krebsten die Regensburger teilweise in der Landesliga herum. Seit dieser Saison spielen beide Vereine nun aber nicht nur gemeinsam in einer Liga, sie sind dort sogar quasi Nachbarn – im Tabellenkeller. Den wollen beide natürlich so schnell wie möglich verlassen. Am Samstag spielen sie in Regensburg gegeneinander.

Jahn-Coach Achim Beierlorzer Foto: Eibner
Jahn-Coach Achim Beierlorzer Foto: Eibner

Dass es nach den beiden Partien in der Saison 2012/2013 überhaupt erst das dritte Aufeinandertreffen der beiden Klubs in einem Ligaspiel ist, dürfte den Regensburger Spielern wieder einmal verdeutlichen, welchen Sprung sie mit dem Aufstieg im Sommer gemacht haben. In die Vorfreude auf das Duell mit dem international bekannten Traditionsklub aus Rheinland-Pfalz mischt sich aber auch Sorge: die Sorge, mit einer Pleite endgültig und ganz tief im Abstiegskampf zu versinken.

Drei Niederlagen in der Liga am Stück, und dann auch noch die deutliche 2:5-Pleite im Pokal gegen Heidenheim am vergangenen Mittwoch. Für den SSV Jahn lief es schon mal besser, das weiß auch Trainer Achim Beierlorzer. „Die Gesamtsituation ist uns bewusst“, sagt er. Und die von ihm angesprochene Gesamtsituation ist schnell zusammengefasst: Der Jahn hat zuletzt unter seinen Möglichkeiten gespielt und deswegen in Serie verloren. Nun soll diese durchbrochen werden. Und danach starte der Jahn am besten gleich eine neue Serie, in positiver Richtung, meint Beierlorzer. Dass dafür bereits am Samstag alles passen muss, ist ihm bewusst: „Gut alleine reicht nicht“, sagt er – es brauche eine Top-Leistung, um gegen Kaiserslautern zu bestehen.

„Noch prekärere Situation“

Dass die Gäste ihrerseits große Probleme haben und „in einer noch prekäreren Situation“ sind, hat Beierlorzer registriert. Der stolze 1. FC Kaiserslautern ziert mit nur sechs Pünktchen aus elf Spielen das Tabellenende der 2. Liga. Regensburgs Coach warnt aber eindringlich davor, nach dem Motto „Hey, da kommt doch nur der Letzte“ zu verfahren. Wer mit einer lässigen Haltung an diese Aufgabe rangehe, werde scheitern. Er spricht ganz im Gegenteil von einer „großen Herausforderung“.

Kapitän Marco Grüttner wird den Gegner sicher nicht unterschätzen. Er hatte bereits am Mittwoch, direkt nach der Pokalpleite gegen Heidenheim, den Fokus auf die nächste Ligapartie gerichtet: „Am Samstag ist das wichtigere Spiel, da müssen wir schauen, dass wir einfach drei Punkte holen.“ Die könnten in der Tat Gold wert sein. Mit einem Sieg würde der Jahn vermutlich den Anschluss ans untere Mittelfeld der Tabelle schaffen. Andersrum könnte bei einer Niederlage die Lücke zum Niemandsland der Liga noch größer werden. Beierlorzer will die Partie gegen Kaiserslautern dennoch nicht zum Schicksalsspiel küren: „Wir haben morgen den zwölften Spieltag“, blickte er am Freitag voraus – und rechnete vor: „Danach kommen noch 22 Spieltage.“

Joshua Mees (links) fällt mehrere Wochen aus. Foto: Nickl
Joshua Mees (links) fällt mehrere Wochen aus. Foto: Nickl

Will heißen: Punkte gibt es in dieser Saison noch massenhaft zu gewinnen, ganz egal, wie es gegen Kaiserslautern ausgeht. Überhaupt appellierte der Coach daran, trotz der zuletzt deprimierenden Ergebnisse nicht den Überblick zu verlieren. „Wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen, dürfen uns nicht gegenseitig zerreißen und die Schuld zuweisen von vorne nach hinten, Ersatzspieler auf Spieler und umgekehrt.“ Das bringe die Mannschaft nicht weiter, sondern wirke kontraproduktiv. Bislang habe er ohnehin „keinerlei Anzeichen“ registriert, dass es im Teamgefüge Risse gebe. Offensichtlich war es ihm aber ein Anliegen, präventiv darauf hinzuweisen, dass der Jahn nur Erfolg haben werde, wenn er eng zusammensteht.

„Wir werden unsere Chancen kriegen und dieses Mal werden wir sie nutzen.“

Trainer Achim Beierlorzer

Der Zusammenhalt der Mannschaft scheint umso nötiger, da nun auch der zweite Flügelspieler ausfällt. Jann George muss wegen eines Zehenbruchs sowieso pausieren, nun hat sich auch noch Joshua Mees am Knie verletzt. Wegen einer Außenbandzerrung wird er drei bis vier Wochen fehlen. Ein Kandidat, ihn in der Startelf zu ersetzen, dürfte Sebastian Freis sein. Der hatte bislang einmal, gegen Union Berlin, beginnen dürfen. Da erwischte er einen rabenschwarzen Tag und wurde bereits in der ersten Halbzeit wieder ausgewechselt. Nun sei Freis, der im Sommer lange verletzt war, aber „natürlich weiter“, sagt Beierlorzer. In der Abwehr kann sich der Coach über einen Rückkehrer freuen. Asger Sörensen, der gegen Heidenheim wegen leichter Kniebeschwerden geschont wurde, ist wieder fit.

Keine kurzfristigen Noteinkäufe

Kurzfristige Noteinkäufe werde es trotz der Ausfälle von Mees und George nicht geben, sagt Beierlorzer. Auch an dieser Front gelte es, Ruhe zu bewahren, findet er. Erst in der Winterpause werde es eine Analyse geben und dann entschieden, ob neue Spieler geholt werden. Aber auch da werde es keine „Harakiri-Aktionen“ geben, kündigt der Trainer an.

Beierlorzer hatte seine Spieler zuletzt öffentlich in die Pflicht genommen. Tenor: Damit ein Verein wie der Jahn den Klassenerhalt schaffen kann, müsse sich jeder so oft wie möglich im Bereich seiner eigenen Top-Leistung bewegen. Zuletzt war das nicht der Fall. Nun ist der Coach betont zuversichtlich, dass es am Samstag gegen Kaiserslautern anders wird: „Wir werden unsere Chancen kriegen und dieses Mal werden wir sie nutzen.“

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