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SSV Jahn

Jahn: Ehemalige Spieler sind sauer

Wurden Trettenbach und Kurz aussortiert, weil sie ihre Meinung vertraten? Sportchef Keller weist den Vorwurf zurück.
Von Jürgen Scharf, MZ

Die Zeit von Thomas Kurz beim SSV Jahn Regensburg ist vorbei. Er sagt, dass ihm „nicht offen und ehrlich“ erklärt worden sei, warum er zuletzt nicht mehr Teil der Mannschaft war.
Die Zeit von Thomas Kurz beim SSV Jahn Regensburg ist vorbei. Er sagt, dass ihm „nicht offen und ehrlich“ erklärt worden sei, warum er zuletzt nicht mehr Teil der Mannschaft war. Foto: Nickl

Regensburg.Fabian Trettenbach und Thomas Kurz galten noch vor wenigen Monaten als absolute Identifikationsfiguren des SSV Jahn Regensburg. In der kommenden Saison werden beide aber nicht mehr im Trikot des Drittligisten zu sehen sein, da ihre ausgelaufenen Verträge nicht verlängert wurden. Beide mutmaßen im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Vereinsführung bei dieser Entscheidung nicht nur sportliche Gesichtspunkte herangezogen habe. Trettenbach und Kurz sagen, dass es im Klub nicht gerne gesehen wurde, dass sie klar ihre Meinung geäußert haben. Jahn-Sportchef Christian Keller wies diesen Vorwurf auf Anfrage zurück. Dass Trettenbach und Kurz nicht mehr für den Jahn spielen, habe „rein sportliche Gründe“.

Fabian Trettenbach Foto: Nickl
Fabian Trettenbach Foto: Nickl

„Fabian Trettenbach ist eines der größten Talente, das der Jahn hat. Wenn er gesund bleibt, hat er eine große Zukunft im Profifußball vor sich“: Vor zwei Jahren lobte Keller den Außenverteidiger bei dessen Vertragsverlängerung noch in den höchsten Tönen. Zuletzt ging es für Trettenbach beim Jahn aber bergab. In der Rückrunde spielte er nur noch sporadisch, sein auslaufender Vertrag wurde nun auch nicht mehr verlängert.

Trettenbach glaubt, dass dies auch daran lag, dass er bei Gesprächen mit Trainer Heiko Herrlich und Sportchef Keller klare Positionen vertreten habe: „Ich habe meine Meinung zu meiner sportlichen Situation geäußert. Das kam, so hatte ich jedenfalls das Gefühl, nicht immer gut an.“ Trettenbach sagt, dass er das „sehr schade“ findet: „Im Profi-Fußball werden immer mündige Spieler gefordert. Wenn aber einer mal etwas sagt, ist er der erste, der aussortiert wird.“ Jahn-Sportchef Keller bestreitet jedoch gegenüber der MZ, dass es einen Zusammenhang zwischen den Gesprächen und Trettenbachs Zukunft beim Jahn gegeben habe: „Dass Fabian Trettenbach keinen Vertrag mehr erhalten hat, hatte rein sportliche Gründe.“

Ende nach fünf Jahren beim Jahn

Ebenfalls zu Ende ging die Zeit beim SSV Jahn für Thomas Kurz. Fünf Jahre spielte er in Regensburg, stieg mit dem Klub 2012 in die 2. Liga auf. In der Vorrunde der vergangenen Saison war er noch Stammspieler. Nach der Winterpause kam er aber kaum mehr zum Zug. Warum das so war, habe er nie wirklich erfahren sagt Kurz. „Ich fand es sehr schade, dass keiner eine klare Ansage gemacht und mir offen und ehrlich erklärt hat, warum ich nicht mehr Teil der Mannschaft bin. Nach fünf Jahren beim Jahn und als erfahrener Spieler hätte ich mir das gewünscht.“

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Kurz hatte sich – genau wie Trettenbach – kurz vor der Winterpause öffentlich klar zur Entscheidung, Trainer Christian Brand zu entlassen, geäußert. ,,Für mich persönlich war es ein Schlag ins Gesicht. Ich kann es nicht nachvollziehen“, kommentierte er damals die Trennung des Klubs von Brand. Zudem kritisierte er, dass die Mannschaft bei der Entscheidung überhaupt nicht mit eingebunden gewesen sei. Er glaubt – ähnlich wie Trettenbach –, dass seine Aussagen von der Vereinsführung negativ vermerkt worden seien: „Der Verein hat immer mündige Spieler gefordert. Dann habe ich mal was gesagt, das hat man dann aber nicht so gern gesehen.“ In der Rückrunde kam er praktisch nicht mehr zum Einsatz. „Ich wollte einfach ein Teil dieser Mannschaft sein und mit ihr aufsteigen. Am Ende hatte ich aber nicht das Gefühl, dass ich gebraucht werde“, sagt er. Im Zorn gehe er allerdings nicht. „Ich wünsche dem Verein weiter alles Gute.“ Trotz des unschönen Endes fühle er sich dem Klub noch sehr verbunden.

Jahn Sportchef Christian Keller Foto: Nickl
Jahn Sportchef Christian Keller Foto: Nickl

Keller weist auch die Vorwürfe von Kurz zurück. „Ich denke, dass Thomas einfach sehr enttäuscht ist, dass er hier keinen neuen Vertrag mehr bekommen hat und dadurch die Realitäten etwas aus den Augen verliert.“ Kurz sei von der sportlichen Leitung darüber informiert worden, dass seine sportliche Leistung nicht ausreichend ist und dass er kein neues Vertragsangebot erhalte, wenn sich diese nicht verbessert: „Sie hat sich nicht verbessert und deswegen hat er kein Vertragsangebot erhalten.“ Auch wegen seiner Stellungnahme zur Entlassung von Brand seien Kurz keine Nachteile entstanden, sagt Keller: „Damals hat sich die gesamte Mannschaft hinter den Trainer gestellt. Es hätten also alle Spieler Nachteile deswegen haben müssen. Nachteile hatte Thomas Kurz alleine aufgrund seiner sportlichen Leistung.“

Kurz spielt nun in Ingolstadt

Bei dem 24 Jahre alten Trettenbach, der aus dem Landkreis Schwandorf stammt, ist derzeit noch unklar, ob er überhaupt im Profi-Fußball bleibt. Dies werde sich in den kommenden Wochen entscheiden, sagt er. „Es gibt gewisse Optionen, es ist alles möglich.“ Er schließe nicht aus, dass er im Fußball noch einmal voll angreift, es sei aber auch möglich, dass er sich voll sein Heilpraktiker-Studium konzentrieren werde.

Der 28-jährige Kurz hat derweil bereits einen neuen Verein gefunden. Er unterschrieb einen langfristigen Vertrag bei der zweiten Mannschaft des FC Ingolstadt, die in der Regionalliga Bayern spielt. Er habe hier bei den Gesprächen von Beginn an das Gefühl gehabt, dass man voll auf ihn setze, erzählt er. Beim Nachwuchsteam der Ingolstädter will er nun seine Erfahrung an jüngere Spieler weitergeben.

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Die MZ-Sportredaktion berichtet im NewsBlog von den Entwicklungen beim SSV Jahn Regensburg:

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