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Fussball

Jahn: Ein Punkt in letzter Minute

Die Regensburger zeigen in Sandhausen ihre Kämpferqualitäten – und sind dankbar über einen glücklichen Erfolg.
Von Jürgen Scharf

Sargis Adamyan (Mitte) erzielt beide Tore des SSV Jahn. Foto: Michael Bermel/Eibner
Sargis Adamyan (Mitte) erzielt beide Tore des SSV Jahn. Foto: Michael Bermel/Eibner

Sandhausen.Was Benedikt Saller gedacht hat, als er den Ball in der 94. Minute weit nach vorne in den Strafraum des SV Sandhausen drosch, ist unbekannt. Vielleicht hat der Außenverteidiger des SSV Jahn Regensburg dem Ball innerlich eine gute Reise samt Ankunft im Tor gewünscht – und das hätte dann auch wunderbar geklappt. Über eine Zwischenstation landete das Spielgerät nämlich bei Sargis Adamyan und der hämmerte es zum 2:2-Endstand in den Kasten.

Es gibt Phasen in Fußball-Spielen, da sind die vor der Partie erstellten Matchpläne, und seien sie noch so glänzend durchdacht, Makulatur. Eine solche Phase gab es am Sonntag in Sandhausen. Es lief bereits die vierte Minute der Nachspielzeit. Der Jahn lag mit 1:2 hinten, und da er an diesem Tag wenig zusammenbrachte, deutete wenig bis nichts darauf hin, dass er noch zum Ausgleich kommen würde. Doch dann schlug Saller den Ball nach vorn – und kurz danach lagen sich die zuvor geknickt über den Rasen schleichenden Regensburger in den Armen.

„Wir nehmen einen Punkt mit, den wir eigentlich nicht verdient haben.“

Achim Beierlorzer

Achim Beierlorzer ließ sich vom nackten Ergebnis aber nicht blenden. Der Trainer des Jahn redete nach der Partie nicht um den heißen Brei herum: „Wir nehmen einen Punkt mit, den wir eigentlich nicht verdient haben.“ Beierlorzer ließ keinen Zweifel daran, dass er mit der Leistung seiner Mannschaft im vorletzten Spiel des Jahres nicht im Geringsten zufrieden war. Insbesondere die vielen Fehlpässe, die seinen Spielern während der gesamten Partie unterliefen, ärgerten ihn: „Das kenne ich von meiner Mannschaft so nicht. Damit haben wir Sandhausen stark gemacht.“

In rasendem Tempo

Dabei war seine Mannschaft eigentlich wunderbar in das Spiel hineingekommen. In der 16. Minute dribbelte Angreifer Sargis Adamyan in rasendem Tempo auf seinen Gegenspieler Philipp Klingmann zu und ließ diesen einfach stehen. Dann zog Adamyan ab und zirkelte den Ball wunderschön ins Toreck zur Führung für den Jahn.

Lange konnten sich die Regensburger über ihren Vorsprung allerdings nicht freuen. Die Sandhäuser wirkten nach dem Gegentreffer plötzlich wacher und frischer.

In der 20. Minute hatte SV-Stürmer Andrew Wooten nach einer Flanke das bessere Timing und gewann das Kopfballduell mit Regensburgs Verteidiger Asger Sörensen. Jahn-Keeper Philipp Pentke hatte keine Chance, der Ball schlug zum Ausgleich in seinem Kasten ein. „Flanke, Kopfball, Tor, das darf es so in dieser Liga eigentlich nicht geben“, urteilte Beierlorzer über diese Szene, in der sich die Abwehr der Regensburger bei einem eigentlich simpel vorgetragenen Angriff völlig ausspielen hatte lassen.

Kurz vor der Pause kam es dann sogar noch dicker für den Jahn. Der Sandhäuser Spielmacher Philipp Förster zog aus 20 Metern ab und jagte den Ball zum 2:1 in den Torwinkel.

Der Rückstand schien die Regensburger zu lähmen. Seine Mannschaft habe nach der Pause eigentlich nun etwas tun müssen, meinte Beierlorzer, es sei aber wenig herausgekommen: „Sandhausen hat das Spiel in der Phase völlig im Griff gehabt.“ Diese Phase dauerte zudem sehr lange, eigentlich bis in die vierte Minute der Nachspielzeit hinein. Dann sorgte Sargis Adamyan aber dafür, dass die Stimmung im Mannschaftsbus bei der Heimreise letztlich doch durchaus passabel gewesen sein dürfte.

Marco Grüttner (rechts) sah die fünfte gelbe Karte. Foto: Michael Bermel/Eibner
Marco Grüttner (rechts) sah die fünfte gelbe Karte. Foto: Michael Bermel/Eibner

Auf dieser dürfte Markus Palionis das Gefühl genossen haben, sich nach langer Zeit mal wieder von einem komplett absolvierten Fußballspiel erholen zu müssen. Der 31 Jahre alte Innenverteidiger wurde von Beierlorzer als Ersatz für den gesperrten Marcel Correia in die Abwehr beordert und machte seine Sache gut.

„Mehr als glücklicher Punkt“

Seine eigene Leistung war für ihn selbst nach der Partie aber nur eine Randnotiz, wie der frühere Mannschaftskapitän in einem Interview mit Jahn-TV sagte. Ihn habe vielmehr die schlechte Gesamtleistung des Teams geärgert: „Man muss klar feststellen, dass es mehr als ein glücklicher Punkt ist.“ Der Gegner sei sehr gut drauf gewesen, analysierte Palionis, „und wir selbst haben nie zu unserem Spiel gefunden. Eigentlich verlierst du so ein Spiel“. Letztlich habe sein Team dann aber wieder einmal davon profitiert, dass es bis zur letzten Minute alles probiere: „Das ist schon Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie viele Spiele wir schon zurücklagen und dann noch einmal zurückkommen. Und heute war es ein extremes Beispiel, weil wir total unterlegen waren.“

„Das ist schon Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie viele Spiele wir schon zurücklagen und dann noch einmal zurückkommen.“

Markus Palionis

Im letzten Spiel vor der Winterpause, am kommenden Samstag in Ingolstadt, steht dann Beierlorzer zwar Correia wieder zur Verfügung, dafür muss er im Angriff mächtig umbauen. Marco Grüttner und Adamyan sahen in Sandhausen beide ihre jeweils fünfte gelbe Karte. Damit sind die beiden besten Torjäger des Jahn – beide haben in dieser Saison bislang acht Treffer erzielt – für ein Spiel gesperrt.

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