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Jahn: Gespenstische Atmosphäre droht

Für die Regensburger wird das zweite Geisterspiel ihrer Historie eine spezielle Erfahrung. Selimbegovic: „Kein Alibi!“
Von Heinz Gläser

Fußball vor leeren Rängen: Am 28. Januar 2017 spielte der SSV Jahn (hier Jann George beim Kopfball, rechts Marco Grüttner) in Rostock unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Foto: Eibner-Pressefoto
Fußball vor leeren Rängen: Am 28. Januar 2017 spielte der SSV Jahn (hier Jann George beim Kopfball, rechts Marco Grüttner) in Rostock unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Foto: Eibner-Pressefoto

Regensburg.Für den SSV Jahn wird es keine ganz neue Erfahrung sein: Denn das Geisterspiel an diesem Samstag (13 Uhr) gegen Holstein Kiel ist bereits das zweite in der jüngeren Geschichte des Regensburger Fußball-Zweitligisten. Am 28. Januar 2017 herrschte beim Drittliga-Auftritt des SSV Jahn Totenstille auf den Rängen des Rostocker Ostseestadions. Eine gespenstische Atmosphäre machte sich breit.

Die Plätze blieben unbesetzt: So trist sah es am 28. Januar 2017 im Rostocker Ostseestadion aus. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Die Plätze blieben unbesetzt: So trist sah es am 28. Januar 2017 im Rostocker Ostseestadion aus. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Nach wiederholten Verstößen gegen Bewährungsauflagen sowie Zuschauerausschreitungen in insgesamt acht Spielen hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Hansa Rostock im Dezember 2016 unter anderem zu einem Geisterspiel unter vollständigem Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt.

„Null Zuschauer, null Tore“, so titelte die Mittelbayerische seinerzeit. Das 0:0 am Ende eines recht trostlosen Spiels war für die Regensburger ein Mosaikstein auf dem Weg zum triumphalen Zweitliga-Aufstieg in der Relegation gegen den TSV 1860 München. In der Mannschaft des damaligen Trainers Heiko Herrlich standen mit Oliver Hein, Sebastian Nachreiner, Marc Lais, Andreas Geipl, Jann-Christopher George, Benedikt Saller und Marco Grüttner insgesamt sieben Akteure, die auch im aktuellen Jahn-Kader stehen.

Das Beste daraus machen

Mersad Selimbegovic fügt sich derweil in das Unvermeidbare. „Es ist schade, ohne Fans zu spielen. Aber es ist nun mal so, und das müssen wir leider akzeptieren“, sagte der Trainer des SSV Jahn am Donnerstag in der turnusgemäßen Pressekonferenz zum Spieltag. Der Trainingsbetrieb läuft in Zeiten der Corona-Krise wie gewohnt ab. Speziell wird allerdings die Einstimmung auf die voraussichtlich beklemmende Atmosphäre in der fast leeren Arena sein. „Wir probieren, das Beste draus zu machen. Wir versuchen, soweit es geht, alles auszublenden, uns normal vorzubereiten. Gestern hat man auch gesehen, wie schrecklich es ist, ohne Fans im Stadion zu spielen“, blickte Selimbegovic auf das Geschehen auf Europas Fußballplätzen am Mittwochabend zurück.

Kölns Trainer Markus Gisdol hatte im Nachholspiel bei Borussia Mönchengladbach eine besonders gereizte Stimmung am Spielfeldrand wahrgenommen. Er führte diese auf die Tatsache zurück, dass sämtliche Rufe und Kommandos für alle Beteiligten vernehmbar waren. Ansonsten übertönt ja die Geräuschkulisse in den Stadien den verbalen Austausch der Spieler und Trainer. „Du hörst mehr, was die gegnerische Bank und was die Schiedsrichter auch untereinander kommunizieren“, so Gisdol.

Team steht in der Pflicht

Selimbegovic nimmt‘s mit Humor: „Ich hoffe, dass die Spieler nun endlich mal hören, was ich sage. Es kann keiner mehr sagen, ich hab das nicht mitbekommen.“ Ansonsten lässt er die spezielle Erfahrung auf sich zukommen. „Ich kann jetzt im Moment nicht sagen, wie sich das am Samstag anfühlen wird. Es ist schon 100 Prozent was anderes“, sagte der 37-Jährige.

Lässt sich in der aktuellen Situation seinen Humor nicht nehmen: Jahn-Coach Mersad Selimbegovic hofft, dass seine Spieler in der speziellen Atmosphäre wenigstens alle Kommandos hören. Foto: Andreas Nickl
Lässt sich in der aktuellen Situation seinen Humor nicht nehmen: Jahn-Coach Mersad Selimbegovic hofft, dass seine Spieler in der speziellen Atmosphäre wenigstens alle Kommandos hören. Foto: Andreas Nickl

Nach fünf Niederlagen in den vergangenen sechs Spielen nimmt der Jahn-Coach sein Team in die Pflicht, trotz der besonderen Umstände. Diese dürften „kein Alibi“ sein, betonte Selimbegovic im Einklang mit der Jahn-Vereinsspitze. Wichtig sei, das Spiel gegen den früheren Angstgegner und aktuellen Tabellensiebten aus Kiel „richtig anzunehmen, um die Punkte hier in Regensburg zu lassen“.

Dass die lautstarke Untersützung der Anhänger von den Rängen fehlen wird, wertet Selimbegovic personell als „größten Ausfall“. Er fügt hinzu: „Aber wir können nicht sagen: Jetzt fehlen unsere Fans, jetzt können wir kein Gas geben. Im Gegenteil: Wir sehen uns noch mehr in der Pflicht, dieses Spiel zu gewinnen!“

Sache der „Instanzen“

Unterdessen mehren sich die Stimmen, die nach den Geisterspielen am Wochenende eine komplette Absage der Restspielzeit in der 2. Liga befürchten. Helge Leonhardt, Präsident des sächsischen Zweitligisten Erzgebirge Aue, hatte sich am Mittwochabend entsprechend geäußert: „Ich gehe davon aus, dass die Saison nicht zu Ende gespielt werden kann.“

Auf solche Spekulationen angesprochen, verwies Selimbegovic am Donnerstag auf die „Instanzen, die darüber entscheiden. Und die werden das vernünftig entscheiden, auch zum Wohl der Spieler und der ganzen Gesellschaft“. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will am Montag auf einer Sondersitzung in Frankfurt/Main über das weitere Vorgehen beraten.

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