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2. Liga

Jahn: Gute Laune ja, Euphorie nein

Beierlorzer sieht vor Ingolstadt-Spiel keinen Anlass, vom Saisonziel Klassenerhalt auch nur einen Millimeter abzurücken.
Von Heinz Gläser

Freude über die ersten Punkte in Liga zwei: Jahn-Coach Achim Beierlorzer (r.) und Kapitän Marco Grüttner nach dem 4:2 im Hinspiel in Ingolstadt Foto: Nickl
Freude über die ersten Punkte in Liga zwei: Jahn-Coach Achim Beierlorzer (r.) und Kapitän Marco Grüttner nach dem 4:2 im Hinspiel in Ingolstadt Foto: Nickl

Regensburg.Die zweite Liga und der gesamte deutsche Fußball stehen unter dem Eindruck des Spielabbruchs in Darmstadt, und auch Achim Beierlorzer zeigte sich am Donnerstag betroffen von den gesundheitlichen Problemen seines Lauterer Trainerkollegen Jeff Strasser. Der dramatische Zwischenfall ruft der Branche in Erinnerung, welche Folgen der permanente Stress, der ungeheure Erfolgsdruck und die ständige Terminhatz haben können.

Riesige Nachfrage

Aber in diesem Rhythmus geht es weiter. Exakt 70 Stunden nach dem Anpfiff in Nürnberg steht für den SSV Jahn Regensburg und Coach Beierlorzer an diesem Freitag (18.30 Uhr) das nächste bayerische Derby auf dem Programm, und wieder geht es gegen einen Ex-Bundesligisten und heißen Aufstiegsaspiranten. Entsprechend riesig ist die Kartennachfrage vor dem Heimduell mit dem FC Ingolstadt 04. Knapp 12 000 Tickets waren am Donnerstagmittag bereits weg, 1800 davon sicherten sich die Fans der Oberbayern, die für einen vollen Gästeblock sorgen. Auf der Hans-Jakob-Tribüne stehen für Jahn-Anhänger nur noch Restplätze zur Verfügung.

„Die Vorfreude ist riesig“, stimmte Beierlorzer in die allgemeine Erwartungshaltung vor dem ersten Jahn-Auftritt des Jahres in der Continental-Arena ein. Das 2:2 und die starke Leistung im Gastspiel beim Club am Dienstag heizen diese Vorfreude noch an.

Der 4:2-Sieg der Regensburger im Hinspiel Mitte August in Ingolstadt war das erste Erfolgserlebnis des Aufsteigers in der neuen Spielklasse. Es sei, wie fast immer im Fußball-Unterhaus, ein „Spiel auf des Messers Schneide“ gewesen, blickte Beierlorzer zurück. Wichtig sei gewesen, dass sich das Team mit Punkten belohnt habe, nachdem es in den beiden Partien zuvor zwar Lob und Anerkennung, aber nichts Zählbares eingeheimst hatte.

Eine beachtliche Laufleistung von insgesamt 124 Kilometern haben die Jahn-Akteure am Dienstagabend in der Noris abgespult. Beierlorzer registrierte eine „deutliche Erschöpfung“ – was wohl mit ein Grund dafür war, dass auf der kurzen Heimfahrt nach Regensburg zwar gute Laune, aber beileibe keine Partystimmung geherrscht habe.

„Absolut hanebüchen“

Von Euphorie hält der 50-Jährige vor dem Aufeinandertreffen des Tabellenachten SSV Jahn mit dem viertplatzierten FC 04 überhaupt nichts, wie er am Donnerstag verdeutlichte. Dass im notorisch schnell erregbaren Regensburger Umfeld vor dem 20. Spieltag vage Träume von erneuten Relegationsspielen um den Aufstieg blühen, erklärte Beierlorzer für „absolut hanebüchen“. Er schob unmissverständlich diese Botschaft hinterher: „Wir haben 26 Punkte. Mit 26 Punkten steigen wir sang- und klanglos ab.“ Sollte einer seiner Spieler dennoch laut über höhere Saisonziele als den Nichtabstieg nachdenken, müsste er sich äußerst warm anziehen. „Dann könnte ich schon mal aus mir rausgehen“, deutete Achim Beierlorzer die Möglichkeit eines negativen Gefühlsausbruchs an.

Ein Video von der Jahn-Pressekonferenz sehen Sie hier:

Die Pressekonferenz vor dem Derby

Im Fall eines Jahn-Sieges wären die Oberpfälzer und die Oberbayern punktgleich. Doch das Ingolstädter Team ist schwer mit jenem zu vergleichen, das einen kapitalen Fehlstart in diese Spielzeit hingelegt hatte. Seit dem Trainerwechsel von Maik Walpurgis zu Stefan Leitl arbeitet sich der FC in der Tabelle beharrlich nach oben. „Eine sehr spielstarke Mannschaft“ erwartet Beierlorzer an diesem Freitag. Mit Dario Lezcano oder Stefan Kutschke im Sturm sowie Sonny Kittel hinter den Spitzen biete Ingolstadt geballte Offensivpower auf. Zur prominenten Mittelfeld-Besetzung mit Christian Träsch, Almug Cohen und Alfredo Morales merkte der Jahn-Trainer an: „Dazu muss man gar nicht groß was sagen.“ Die Namen sprechen mithin für sich.

Solche klangvollen Namen sind für Beierlorzers Schützlinge stets auch ein Anreiz, das Optimum aus sich herauszukitzeln. Das hat sich im Saisonverlauf mehr als einmal erwiesen. Bangemachen gilt also nicht, zumal der Jahn personell wenig Sorgen hat. Andreas Geipl trainiert bereits voll mit, Oliver Hein steigt in der kommenden Woche ein. Jonas Nietfeld hat seine Schambeinentzündung so weit überwunden, dass er nur noch Trainingsrückstand hat. Seine Gelbsperre abgesessen hat Sargis Adamyan, was Beierlorzer eine weitere Alternative eröffnet. Ein Gewinner der Vorbereitung und des Spiels in Nürnberg ist derweil Albion Vrenezi. „Albi war einer der Spieler, die die Gunst der Stunde genutzt haben“, spendierte Beierlorzer ein seltenes Lob.

„Wichtigstes Spiel“

In Ingolstadt attestiert Coach Leitl der Begegnung in Regensburg eine überragende Bedeutung. „Das ist für uns im Verein das wichtigste Spiel im Jahr“, unterstrich Leitl. „Wir wissen, dass wir den Fans nach dem Hinspiel etwas schulden“, assistierte Innenverteidiger Hauke Wahl. Im heimischen Sportpark kam der FC 04 mit dem 0:0 gegen Sandhausen nach der kurzen Winterpause nicht richtig aus den Startlöchern. „Zum Glück haben auch die anderen nicht gewonnen“, sagte Torwart Ørjan Nyland mit Blick auf die Konkurrenten Kiel und Nürnberg. Beim Versuch, den Fünf-Punkte-Rückstand auf die Aufstiegsränge zu reduzieren, bekommen es die Ingolstädter nicht nur mit einer selbstbewussten Jahn-Elf zu tun. Sie müssen auch gegen die „sensationelle Unterstützung“ (Beierlorzer) der Regensburger Fans anrennen.

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