MyMz
Anzeige

SSV Jahn Regensburg

Jahn-Präsident tritt zurück

Manfred Kraml hat die Grabenkämpfe beim SSV Jahn Regensburg satt und wirft hin. Als Nachfolger wird Fritz Huber gehandelt.
Von Heinz Reichenwallner, MZ

Der Jahn-Präsident Manfred Kraml ist zurückgetreten.

Regensburg. Der Fußball-Drittligist SSV Jahn Regensburg kommt nicht zur Ruhe. Seit gestern steckt der Verein in einer Führungskrise, denn der Vorstandsvorsitzende Manfred Kraml erklärte nach knapp siebenmonatiger Amtszeit seinen Rücktritt. Aus privaten und beruflichen Gründen sei es ihm nicht mehr möglich, das zeitraubende Amt länger auszuüben, begründete der 48-Jährige sein Ausscheiden.

Er habe bereits bei seinem Amtsantritt im Oktober 2009 erklärt, so Kraml, dass er die Funktion des Vorstandsvorsitzenden nur „übergangs weise“ bis zur Ausgliederung der Profiabteilung ausüben werde. Offiziell eingetragen wurde die Jahn-Kapitalgesellschaft (KG auf Aktien) am 12. April. „Lediglich die Unruhen der letzten Wochen im Verein haben mich davon abgehalten, das Vorstandsamt schon zu diesem Zeitpunkt niederzulegen“, äußerte sich Kraml und fügte hinzu, dass ihn die Grabenkämpfe innerhalb des Klubs genervt hätten, die jetzt sogar darin gipfelten, dass der SSV Jahn beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) anonym angezeigt worden sei.

Gremium veröffentlicht Protokoll

So wurde der Verein — auch in der Person seines Geschäftsführers Franz Gerber — beschuldigt, dass er gegenüber dem DFB falsche Angaben über fristgerechte Zahlungen der Spielergehälter gemacht habe. Dieser Vorwurf wurde unter anderem bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des von dem ehemaligen Jahn-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Rothammer geleiteten Fördervereins thematisiert. Von dem Gremium ging das Sitzungsprotokoll an die Öffentlichkeit.

Wer dieses Schriftstück an den DFB schickte, darüber wird noch gerätselt. Tatsache ist, dass der Vorgang wohl alle Facetten an Intrigen getoppt hat, denen der SSV Jahn bislang ausgesetzt war. Der DFB hat jedenfalls zu der Sachlage sofort eine Stellungnahme von Kraml gefordert. Durch die anonyme Anzeige ist das laufende Lizenzverfahren, in dem der Jahn bis zum 4. Juni dem Verband einen Geldmittelzufluss von rund 1,5 Millionen Euro zur Finanzierung der neuen Saison vorlegen muss, nicht einfacher geworden.

Klemens führt Gespräche

Aber der Reihe nach: Kraml geht dem Verein angeblich nicht verloren, sondern will sich um einen Sitz im Aufsichtsrat bewerben. Über seinen Nachfolger im Vorsitz des Vereins ist noch nichts Konkretes bekannt. In der Gerüchteküche wird aber Fritz Huber (Auktionshaus Huber) gehandelt, der zum Sponsorenkreis des Jahn gehört und mit dem gestern Abend „Vize“ Matthias Klemens Gespräche geführt haben soll.

Laut Satzung kann der Aufsichtsrat bis zur nächsten Mitgliederversammlung einen neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Das ursprünglich siebenköpfige Kontrollgremium ist nach diversen Rücktritten auf vier Personen geschrumpft und besteht derzeit aus Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD), dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Christian Schlegl, Rechtsanwalt Ulrich Weber und Ex-Sportchef Horst Eberl.

Die Amtsgeschäfte des Vereins führen einstweilen die zwei Vizevorstände, Klemens und Alois Kindler. Diese wollen sich zu den Vorfällen im Verein (noch) nicht äußern, aber auch den Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden nicht unkommentiert lassen. „Ich finde Kramls Rücktritt schade. Aber es ist seine freie Entscheidung“, sagte Kindler. „Es gab kein Zerwürfnis oder einen Disput“, klärte Klemens auf: „Kraml hegte schon länger Rücktrittsgedanken. Die zeitliche Belastung für dieses Amt ist ihm wohl auch zu viel geworden.“

Indes gibt es auch positive Jahn-Nachrichten. Im Lizenzverfahren komme man trotz allem „gut voran“, behauptet Geschäftsführer Franz Gerber. Und das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass gestern fristgerechte Gehaltszahlungen an die Spieler entsprechend der Lizenzierungsbedingungen an den DFB gemeldet wurden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht