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Fussball

Jahn: Regensburger Schützenfest beim HSV

Die Oberpfälzer schießen den Hamburger SV mit 5:0 ab. Jahn-Coach Achim Beierlorzer spricht von einer „Sternstunde“.
Von Felix Kronawitter

Regensburgs Sargis Adamyan (l) und Regensburgs Marco Grüttner jubeln nach Adamyans Treffer zum 3:0. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Regensburgs Sargis Adamyan (l) und Regensburgs Marco Grüttner jubeln nach Adamyans Treffer zum 3:0. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Hamburg.Bei seinem ersten Auftritt im Volksparkstadion hat der SSV Jahn am Sonntagnachmittag eine beeindruckende Visitenkarte abgegeben. Im Duell David gegen Goliath setzte sich der vermeintliche Underdog mit 5:0 (3:0) beim Hamburger SV durch und feierte damit seinen höchsten Zweitliga-Sieg überhaupt.

Wer darauf gesetzt hatte, dass die Regensburger gar mit einer 3:0-Führung in die Pause gehen, dürfte einen ordentlichen Reibach gemacht haben. Zu verdanken war das Sargis Adamyan. 44 716 Zuschauer sahen, wie der armenische Nationalspieler das Spiel seines Lebens machte. 11. Minute, 21. Minute und 35. Minute: jeder Schuss ein Treffer. Weil auch der frischgebackene Vater Marcel Correia (53.) noch traf, durften die rund 1200 mitgereisten Regensburger Fans die Partie nur noch genießen. Jann George (75.) machte den sensationellen Sieg perfekt.

„Das ist eine Sternstunde für den Jahn“, sagte Trainer Achim Beierlorzer und fügte hinzu: „Wir wissen aber auch, dass das nur eine Momentaufnahme ist, die wir jetzt genießen. Das Wichtigste sind die drei Punkte, die wir auf unser Konto bekommen.“

„Das ist eine Sternstunde für den Jahn.“

Achim Beierlorzer, Trainer des SSV Jahn Regensburg

Für den Bundesliga-Absteiger war die 0:5-Niederlage ein historisches Debakel. So hoch verlor der HSV erst dreimal zuvor vor heimischem Publikum. 1974 und 2014 gegen Bayern und einmal gegen Saint-Etienne 1980.

Mit dem zweiten Saisonsieg verschafft sich der Jahn Luft im Kampf um den Klassenerhalt. Und tankt ordentlich Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben in der 2. Fußball-Bundesliga. Am Mittwoch kommt Heidenheim nach Regensburg.

Die Spieler des SSV Jahn Regensburg konnten am Sonntagnachmittag einen historischen Sieg feiern. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Die Spieler des SSV Jahn Regensburg konnten am Sonntagnachmittag einen historischen Sieg feiern. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

In einem Pflichtspiel hatte der Jahn zuvor noch nie das Vergnügen mit dem Traditionsverein. 1951 bestritten beide Klubs ein Freundschaftsspiel, bei dem die Oberpfälzer einen 6:1-Sieg feierten. Auch für Asger Sörensen war es eine besondere Partie. Für den dänischen U21-Nationalspieler erfüllte sich ein Kindheitstraum. In jungen Jahren saß er im HSV-Trikot im Volksparkstadion. Am Sonntagnachmittag zählte aber nur seine aktuelle große Liebe, der Jahn. „Es ist unglaublich, was wir heute geleistet haben“, sagte der 22-Jährige, der nach „seinem Heimspiel“ von seiner Familie und Freunden entsprechend geherzt wurde.

Der Jahn in Hamburg: die Einzelkritik

Überraschungen in der Startelf

Mit Blick auf die Startelf hatte Beierlorzer Überraschungen parat. Correia kehrte nach muskulären Problemen in die Innenverteidigung zurück. Maximilian Thalhammer feierte seine Zweitliga-Premiere für den Jahn. Sebastian Stolze durfte auf der rechten Außenbahn ran.

„Wir fahren nicht nach Hamburg, um einen schönen Ausflug zu machen“, hatte Beierlorzer vor dem Spiel klargestellt, dass sich die Regensburger sehr wohl etwas ausrechnen in Hamburg. Und so präsentierte sich seine Mannschaft gewohnt bissig in den Zweikämpfen. Nach Balleroberungen schnell umschalten, das war auch die Jahn-Devise in der Hansestadt. Elf Minuten mussten sich die Zuschauer gedulden, bevor sie den ersten Torschuss sahen. Und der war gleich drin! Ein kurioses Ding! Adamyan luchste HSV-Keeper Julian Pollersbeck den Ball ab und hämmerte die Kugel unter dem großen Jubel der Jahn-Fans zur Führung ins Tor. „In den letzten Spielen habe ich Hundertprozentige vergeben. Das hat mich geärgert. Heute habe ich mich endlich mal belohnt – beziehungsweise wir uns als Mannschaft“, sagte Adamyan in gewohnt bescheidener Manier zu seinem Dreierpack.

Nach der Führung zogen sich die Regensburger zurück und attackierten die Hamburger erst ab der Mittellinie. Das Quäntchen Glück, das den Oberpfälzern zuletzt gefehlt hatte, hatten sie am Sonntagnachmittag. Zehn Minuten nach seinem ersten Treffer legte Adamyan sein zweites Saisontor nach. Mustergültig bedient von Andreas Geipl zog der armenische Nationalspieler ab – und Hamburgs Leo Lacroix fälschte noch ab. Für Benedikt Saller, der am Tag zuvor seinen 26. Geburtstag gefeiert hatte, war der Arbeitstag dann schon beendet. Der Rechtsverteidiger musste gelbrotgefährdet runter. Für ihn kam Marc Lais ins Spiel.

Orel Mangala (27.) und Tatsuya Ito (32.) verpassten es, den HSV wieder zurück ins Spiel zu bringen. Und dann schlug erneut Adamyan zu. Nach einem Geipl-Freistoß verlängerte Sörensen per Kopf – und der Armenier stand wieder goldrichtig (35.).

Er kann es nicht glauben. Hamburgs Aaron Hunt (rechts) hält sich nach einem verschossenen 11-Meter die Hände vor sein Gesicht. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Er kann es nicht glauben. Hamburgs Aaron Hunt (rechts) hält sich nach einem verschossenen 11-Meter die Hände vor sein Gesicht. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Dass der HSV ohne einen Treffer in die Kabine ging, lag daran, dass Kapitän Aaron Hunt per schwach getretenem Strafstoß an Philipp Pentke scheiterte (39.) und knapp vorbeischoss (42.). Die HSV-Fans quittierten die magere Darbietung der Gastgeber zur Pause mit Pfiffen. Beierlorzer betonte nach der Partie, dass es aber schon etwas glücklich gewesen sei, dass die Null hinten stand beim Jahn zur Pause.

Adamyan trifft den Pfosten

In der 48. Minute riss Adamyans Serie. Seinem vierten Treffer stand der HSV-Pfosten im Weg.

An einem Tag, an dem den Regensburgern nahezu alles gelang, zerstörte Correia die ohnehin nur noch kleinen Hamburger Hoffnungen, doch nicht leer auszugehen. Nach einer Freistoßflanke von Geipl war der Innenverteidiger zur Stelle und erhöhte auf 4:0. Die HSV-Fans waren verstummt – kollektiver Jubel herrschte dagegen im Jahn-Fanblock.

Jann George bejubelt seinen Treffer zum 5:0. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Jann George bejubelt seinen Treffer zum 5:0. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Der Torhunger der Gäste war noch nicht gestillt. Bei einem Kopfball von George zeichnete sich aber Pollersbeck ausnahmsweise mal aus (58.). Eine Viertelstunde vor Schluss machte der Jahn-Offensivmann das Regensburger Schützenfest perfekt. Grüttner hätte eine Minute später sogar noch auf 6:0 erhöhen können. „Einer geht noch, einer geht noch rein!“, skandierten die Jahn-Fans. Zehn Minuten vor Schluss debütierte noch Bayern-Leihgabe Adrian Fein – und feierte gemeinsam mit seinen Teamkollegen einen historischen Jahn-Sieg.

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