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Trainer-Diskussion

Jahn steht „aus Überzeugung“ zu Schmidt

Der Trainer darf trotz der sportlichen Talfahrt weiterarbeiten. In der Kritik steht er aber weiterhin – genauso wie Sportchef Christian Keller.
Von Heinz Reichenwallner, MZ

Hat beim Jahn an der Seitenlinie weiter das Kommando: Trainer Alexander Schmidt. Foto: Eibner

Regensburg.Der große Knall ist also ausgeblieben. Obwohl die sportliche Bilanz schlichtweg grausam ist, bleibt Alexander Schmidt, der Trainer des SSV Jahn, im Amt. Man halte nicht aus finanziellen Gründen am Coach fest, sondern aus Überzeugung, widersprach Christian Keller, der Sportchef des Regensburger Fußball-Drittligisten, diversen Mutmaßungen im Umfeld des Vereins.

Dabei schien Schmidt bereits schwer angezählt, stand im Fadenkreuz der Kritik und hat aufgrund der Resultate eigentlich wenig Argumente, die für seinen Verbleib sprechen. Unter seiner Leitung hat die Mannschaft bislang neun von 13 Saisonpartien verloren, davon die letzten fünf Spiele zu Null und ist außerdem im Landespokal vorzeitig ausgeschieden. Mit erst acht Punkten steht der Jahn auf dem letzten Platz, sein Torverhältnis von 13:28 ergibt eine Differenz von minus 15, die zusätzlich dazu beiträgt, dass die Rot-Weißen nach einem Saisondrittel ziemlich weit von dem Strich entfernt sind, der sie vom unteren Mittelfeld trennt.

Keine Spielkultur in Sicht

Als man beim Jahn seinerzeit den auslaufenden Einjahresvertrag von Thomas Stratos nicht verlängert hat, ist damit gleichzeitig die Messlatte für Alexander Schmidt ziemlich hochgelegt worden. Denn Stratos hatte der Mannschaft ein klares System eingeimpft und ließ sie attraktiven Fußball spielen. Sein Nachfolger bekundete zum Amtsantritt, dass auch er großen Wert auf Spielkultur lege. Vier Monate später ist davon nichts zu sehen. Für was das Spiel der Jahn-Mannschaft gilt – Ballbesitz-Fußball oder Spiel gegen den Ball – ist schwer feststellbar. Sicher ist, dass den Rot-Weißen unter Schmidt derzeit die Opferrolle in der Liga gehört. Herrschte bei seinem Amtsantritt noch Aufbruchstimmung – schon wegen des neuen Stadions, das in der Saison 2015/16 bezogen wird –, so ist davon nicht mehr viel übrig geblieben.

Der 45-jährige Fußballlehrer, ein Fleißarbeiter vor dem Herrn, konnte trotz allem bislang die Leistung der Mannschaft nicht stabilisieren und ihr quasi damit auch noch kein Gesicht geben. Schuld daran tragen seine ständigen Personal- und Positionswechsel. Dazu greift das taktische Konzept des Trainers nicht. Bei seinen Umwechslungen ist inzwischen aber ein Ende erreicht, nachdem bereits alle 22 Feldspieler zum Einsatz gekommen sind.

Plan ging nur für ein Spiel auf

Die Situation stellt sich so dar: Hier also Schmidt, der bislang glücklose Coach, da Christian Keller, der in dieser Saison, „wenn auch unter Vorbehalt“, wie er sagt, einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel ausgegeben hat. Der Sportchef hielt das durchaus für machbar. Sein Plan ging aber eigentlich nur für ein Spiel auf. Zum Saisonstart gegen den MSV Duisburg gab es einen 3:1-Erfolg. und Keller musste bereits die Euphorie im Umfeld bremsen – zu Recht. Denn darauf folgten drei Niederlagen in Serie, ein Unentschieden und ein 2:1- Zittersieg gegen den VfB Stuttgart II. Danach ist jedem immer klarer geworden, dass diese Jahn-Mannschaft hinten stets für ein dummes Gegentor gut ist und vorne meist zu schwach im Abschluss ist.

Bei der Zusammensetzung des Kaders hat Keller mit Ausnahme von Keeper Stephan Loboué (33) meist junge Zugänge aus unteren Klassen präsentiert, angekündigt zum Beispiel als „Ostbayerns größtes Talent“ (Sven Kopp) oder als „absoluten Wunschspieler“ (Daniel Steininger, Leihgabe vom Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth). Um Sturmtalent Noah Michel sollen sich Keller zufolge „sogar Bundesligavereine bemüht haben“. Weil kaum eines der jungen Talente bisher den Durchbruch geschafft hat, kaum eine Verpflichtung sich sichtbar weiterentwickelt oder nur bedingt imstande ist, schon Verantwortung auf dem Platz zu übernehmen, gilt der Sportchef aufgrund seiner Kaderzusammenstellung bei den Zuschauern und ganz besonders in den Fangruppierungen neben Trainer Schmidt als Verantwortlicher der Krise. Natürlich gehe ihm die Kritik persönliche nahe, meint Keller und fügt hinzu: „Ich verstehe die Fans und alle, die Angst vor dem Abstieg und um den Verein haben.“ Coach Schmidt hat sich derweil bis jetzt immer schützend vor die Mannschaft gestellt, doch zurückgezahlt hat sie ihm diese Geste bisher selten. Seite 15

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