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Regensburg.

Jahn-Talent Tim Pollmann – Der bescheidene Aufsteiger

Der Abwehrspieler ist nach seinem gelungenen Drittliga-Debüt in aller Munde. Kein Grund, um abzuheben, wie er findet.

Begabt: Tim Pollmann (r.), hier noch mit den Jahn-Junioren gegen den VfB am Ball, hat inzwischen auch im Drittliga-Team Perspektiven.Foto: Nickl

Von Bernhard Völkl, MZ

Talentierten Nachwuchskräften wird oft ein Hang zur Überheblichkeit nachgesagt. Und manchmal trifft diese Aussage durchaus zu. Nicht so bei Tim Pollmann. Der Bitte um ein Treffen komme er gerne nach, nur müsse er zuvor eben mit seinen Trainern reden. Er wolle sich keinesfalls in den Mittelpunkt stellen.

Zu Beginn des Gespräches ist dem 18-jährigen Pollmann eine leichte Nervosität anzumerken. Der Abwehrspieler geht erstmals in die Defensive und hält den Ball flach. Eine Parallele zu vergangenem Samstag? Da rückte Pollmann in den Fokus der Regensburger Fußballanhänger, als er sein Debüt in der Drittliga-Elf des SSV Jahn feierte. Nach Anlaufschwierigkeiten konnte er den eigenen Anhang überzeugen.

Keine Zeit für Nervosität

„Es war ein super Tag für mich“, blickt Pollmann zurück. Sein zufriedener Gesichtsausdruck bekräftigt diese Aussage. Für Nervosität blieb übrigens gar keine Zeit: Erst in der Besprechung vor dem Spiel eröffnete ihm Thomas Kristl seinen Einsatz von Beginn an. Ehe er sich versah, war er mittendrin im Geschehen und verteidigte an der Seite von Routinier Dennis Grassow. In einem Team mit Spielern, „die ich fast ein bisschen bewundere“ und „von denen ich mir im Training viel abschauen kann“.

Normalerweise agiert Pollmann noch in der Bundesliga-Jugend. Dort berief ihn Trainer Thomas Linzmeier vor der Saison zum neuen Kapitän, da „Tim ein positiver Typ ist, der immer vorangeht“. „Ich habe mich darüber sehr gefreut“, gab Pollmann diese Ernennung wohl zusätzlichen Auftrieb. Genauso wie das frühe Reinschnuppern in den Herrenbereich im Sommer: Während der Ferien gab er seine erste Visitenkarte im Training der Profis ab und konnte erstmals auf sich aufmerksam machen. Zwar trainiert er auch in dieser Woche voll mit den Profis mit, die Vormittags-Einheiten finden allerdings ohne Pollmann statt.

Da heißt es für ihn nämlich die Schulbank drücken. Am Donau-Gymnasium in Kelheim besucht Pollmann die Abschlussklasse und absolviert im nächsten Frühjahr die Abitur-Prüfungen. Auch hier weiß er was er will: Er könne sich nach der Schulzeit vorstellen, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. „Schule und Fußball sind meine Prioritäten“, stellt Pollmann klar. Andere Aktivitäten müssen da zurückstehen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich was verpasse“, ist er mit seiner Situation zufrieden. Klar, die eine oder andere Party findet ohne ihn statt, „aber ich muss auch nicht immer raus“. Seine Freunde sind ihm wichtig und „sie haben sich daran gewöhnt“, wenn er mal keine Zeit hat.

Allüren sind nicht seine Welt

Einen Teil seines Freundeskreises kennt er, seitdem er mit dem Fußball begonnen hat. Das war in der F-Jugend des SV Saal. Als E-Jugendlicher kickte er bereits in der D-Jugend des Vereins, ehe er als Zehnjähriger zur SG Post/Süd wechselte. Der heutige Coach des Freien TuS, Günter Brandl, war auf ihn aufmerksam geworden. Nach vier Jahren in der Obhut Brandls trainierte er unter Martin Reißer, Reinhold Breu und Mario Tanzer. Da hatte er längst seine Position in der Defensive gefunden. In Saal war er noch als Stürmer aufgelaufen, Brandl hatte ihn umfunktioniert.

„Er ist sehr variabel einsetzbar und kann in der Defensive alles spielen“, sieht sein jetziger Coach Linzmeier die Vielseitigkeit Pollmanns als eine seiner großen Stärken. „Am liebsten spiele ich links hinten in der Viererkette“, hat der Spieler eine klare Lieblingsposition, auf der er auch gegen Stuttgart seinen Einstand gab. Ob weitere Einsätze im Herrenbereich oder Bundesligapartien mit seiner Jugend-Elf. „Ich will einfach nur Fußball spielen“, lässt sich Pollmann nicht verrückt machen.

Allüren sind nicht seine Welt. Wobei er einen großen Wunsch schon als kleiner Bub hegte. „Klar gab es da den Traum, Fußballprofi zu werden. Aber wenn man älter wird, merkt man, wie viel harte Arbeit dahintersteckt. Für mich ist das noch ganz weit weg.“ Erfahrungen eines 18-Jährigen, der auf dem besten Weg ist, ein guter Fußballer zu werden. Als er sich verabschiedet, ist Tim Pollmanns Schüchternheit längst passé. Die Bescheidenheit ist geblieben. Gut so.

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