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Jahn: „Überhappy“ nach Remis in Berlin

Die Regensburger haben nun 40 Punkte auf dem Konto. Für Marvin Knoll war es eine ganz besondere Partie in der Hauptstadt.
von Felix Kronawitter

Regensburgs Marvin Knoll (vorne, im Zweikampf mit Berlins Philipp Hosiner) rettete dem Jahn ein 2:2-Unentschieden. Foto: Britta Pedersen/dpa
Regensburgs Marvin Knoll (vorne, im Zweikampf mit Berlins Philipp Hosiner) rettete dem Jahn ein 2:2-Unentschieden. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin.Marvin Knoll ist bekanntlich keiner, der zum Lachen in den Keller geht. Seinen Emotionen lässt der Innenverteidiger des SSV Jahn Regensburg auf und neben dem Platz freien Lauf. Und so stand er am Samstagnachmittag in den Katakomben im „Stadion An der Alten Försterei“ in Berlin völlig euphorisiert. „Wir freuen uns über die 40 Punkte. Ich bin überhappy“, sagte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Mit einem souverän verwandelten Elfmeter hatte Knoll zuvor dafür gesorgt, dass sich die Oberpfälzer beim 1. FC Union Berlin ein 2:2 (0:1)-Unentschieden erkämpften und die magische Marke, die in den vergangenen Jahren stets für den Ligaverbleib in der 2. Fußball-Bundesliga reichte, knackten.

Als Schiedsrichter Guido Winkmann in der 89. Minute nach einem Foul von Berlins Kristian Pedersen an Benedikt Gimber auf den Punkt zeigte, schnappte sich der 27-Jährige den Ball. „Kurz vor dem Elfmeter habe ich mir kurz gedacht: Wenn ich den mache, dann haben wir die 40 Punkte“, sagte Knoll zu seiner bedeutsamen Aufgabe. Union-Keeper Daniel Mesenhöler hechtete in die falsche Ecke, Knoll verwandelte platziert links unten. „Meine ganze Familie war heute im Stadion. Mama, Papa, Oma, Opa: Alle waren da. Mein Opa hatte ein Trikot von mir an, das hat mich stolz gemacht“, erzählte der gebürtige Berliner. Lob für Knoll und seine Teamkollegen gab es nach der Partie einmal mehr reichlich von Jahn-Cheftrainer Achim Beierlorzer: Er sei brutal stolz auf seine Mannschaft, dass sie nach Rückstand erneut nicht aufsteckte: „Das ist das, was uns auszeichnet, dass wir einfach nicht aufgeben.“

Den Spielbericht lesen Sie hier: Jahn knackt magische Marke

Kroos lässt Union jubeln

Kurz vor dem Halbzeitpfiff kassierten die Regensburger den ersten Rückschlag: Knoll konnte erst noch klären, dann landete der Ball bei Felix Kroos – und der Bruder von Weltmeister Toni Kroos verwandelte trocken von der Strafraumgrenze aus zur Berliner Führung (45.). „Da ließ sich Felix Kroos nicht zweimal bitten“, sagte Philipp Pentke. Marco Grüttner haderte: „Wir hatten in der ersten Halbzeit die besseren Chancen. Das 0:1 kam wie aus dem Nichts“. Der Regensburger Kapitän (30.) und Marc Lais (32.) hatten die Jahn-Führung auf dem Fuß – verfehlten das Tor aber knapp beziehungsweise scheiterten am glänzend parierenden Union-Keeper Mesenhöler.

Dass die Regensburger noch mal ins Spiel finden sollten, verdankten sie auch den Berlinern, die nach der Pause ordentlich Dampf machten, es aber verpassten ihre Drangphase zu krönen, indem sie eine der zahlreichen Torgelegenheiten verwandeln.

Und so zeigten die Oberpfälzer einmal mehr ihre Comeback-Qualitäten: Nach Doppelpass mit Lais spitzelte Mees den Ball zu Grüttner, der aus spitzem Winkel frei zum Schuss kam und zum 1:1 verwandelte (59.). Sein elfter Saisontreffer! Doch nur vier Minuten später hatte Berlin die passende Antwort parat. Steven Skrzybsk bediente Philipp Hosiner, der sich nicht stoppen ließ und stark zum 2:1 vollendete. „Beide Gegentore waren zu einfach, aber man muss auch die Qualität bei Union Berlin sehen“, sagte Beierlorzer.

In der 67. Minute stand Knolls Treffer bei seinem satten Freistoß noch der Pfosten im Weg. Den Nachschuss von Sargis Adamyan kratzten Mesenhöler und seine Berliner Defensiv-Kollegen gerade noch von der Linie. Aus elf Metern Distanz hatte der Berliner Schlussmann dann aber das Nachsehen gegen Knoll. „Am Ende geht das Unentschieden für beide Mannschaften in Ordnung, denke ich“, resümierte Pentke.

Stimmen zum Remis in Berlin

  • Philipp Pentke:

    Wir haben ganz gut angefangen in der ersten Halbzeit. Da hatten wir ein, zwei richtige gute Chancen. Der Gegentreffer kurz vor der Pause war bitter. Da ließ sich Felix Kroos nicht zweimal bitten. Dann kommen wir super zurück und bekommen wieder ein unglückliches Gegentor. Dann haben wir erneut auf den Ausgleich gedrückt. Am Ende geht das Unentschieden für beide Mannschaften in Ordnung, denke ich.

  • Ich hatte meine Multifunktionsunterwäsche an, dann geht das schon. In so einem Stadion steht man aber sowieso immer unter Strom, dann passt das schon. (zu den frostigen Temperaturen)
    Jetzt heißt es in der Länderspielpause letzte Kraft für den Endspurt zu tanken - und dann greifen wir weiter an. Wir schauen weiter von Spiel zu Spiel - und genießen es, 2. Liga spielen zu dürfen. Wenn wir uns dann alle in die Geschichtsbücher einschreiben können, ist das doch schön.

  • Marco Grüttner:

    Es heißt ja immer, dass 40 Punkte reichen. Aber wer uns uns kennt, weiß auch, dass das nicht die letzten Punkte sind, die wir holen werden.
    Wir fliegen jetzt aber nicht nach Mallorca und freuen uns. Wir werden jetzt noch so viele Punkte wie möglich sammeln - und dann schauen wir, wohin der Weg uns führt. Wir freuen uns jetzt auf die Länderspielpause, dass wir auch mal durchschnaufen können.
    Insgesamt war es ein verdienter Punkt. Wir hatten in der ersten Halbzeit die besseren Chancen. Das 0:1 kam wie aus dem Nichts. Nach dem Ausgleich sind wir leider gleich wieder in Rückstand geraten. Dann haben wir alles probiert. Dann hatte Union Konterchancen auf das 3:1. Dass wir dann einen Elfmeter kurz vor Schluss bekommen haben, ist dann schon glücklich - aber das haben wir uns heute auch verdient.

  • Marvin Knoll:

    Wir freuen uns über die 40 Punkte. Ich bin überhappy, das war unser Ziel. Wahnsinn! Nächstes Wochenende haben wir frei. Das werden die meisten von uns dazu nutzen, etwas mit der Familie zu machen und einfach mal abzuschalten. Ich mache vielleicht ein bisschen Wellness mit meiner Familie.

  • Meine ganze Familie war heute im Stadion. Mama, Papa, Oma, Opa: Alle waren da. Es war schön, alle mal wiederzusehen, weil das leider nicht so oft klappt. Mein Opa war da und hatte ein Trikot von mir an, das hat mich stolz gemacht. Es war super hier.

  • Kurz vor dem Elfmeter habe ich mir kurz gedacht: Wenn ich den mache, dann haben wir die 40 Punkte. Das gibt jetzt eine schöne Rückfahrt: Ein bisschen Karten spielen, ein bisschen lachen. Jetzt freue ich mich auf die restlichen Spiele, weil jetzt auch der Druck ein bisschen abgefallen ist. Vor der Saison hat es noch geheißen: „Ach der Kern der Mannschaft ist ja noch aus der Regionalliga... bla bla bla!“ Wir haben es allen gezeigt. Wir haben schönen Fußball gezeigt und wollen so weitermachen. Ich bin richtig heiß auf die letzten Spiele.

  • Dann hätten wir ja wieder weniger Urlaub. Jedes Jahr habe ich weniger Urlaub (lacht) Ich freue mich jetzt einfach nur über die 40 Punkte. (weitere Relegation?)

„Fliegen nicht nach Mallorca“

Weil es heuer in der 2. Liga so eng zur Sache geht, wollten sich die Regensburger noch nicht so recht zum Klassenerhalt gratulieren lassen. „Wir fliegen jetzt nicht nach Mallorca“, sagte Grüttner. Sicherheitshalber wollen die Regensburger nach der Länderspielpause noch zügig den einen oder anderen Zähler sammeln, um damit endgültig den Deckel draufzumachen – und damit Historisches vollbringen.

„Wir haben jetzt 40 Punkte. Das ist toll. Das war ein Etappenziel von uns. Jetzt haben wir noch sieben Spiele und da wollen wir noch so viele Punkte holen wie wir können, weil wir nicht sicher sein können, ob 40 Punkte wirklich reichen für den Klassenerhalt. Denn der ist und bleibt unser großes Ziel“, sagte Beierlorzer, der trotz Tabellenplatz vier und lediglich vier Punkten Rückstand auf Kiel nichts wissen will von einer Zielkorrektur.

Wir schauen von Spiel zu Spiel, lautet weiter die Jahn-Devise. „Ich bin richtig heiß auf die letzten Spiele“, sagte Knoll, der auf der Heimreise im Mannschaftsbus für beste Laune gesorgt haben dürfte: „Das gibt jetzt eine schöne Rückfahrt: Ein bisschen Karten spielen, ein bisschen lachen“, sagte er und verabschiedete sich von den Reportern mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

So bewertet die MZ die Leistungen der Regensburger:

Jahn-Spieler in der Einzelkritik

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