MyMz
Anzeige

Fussball

Jahn: Vorfreude auf den Hexenkessel

Die Atmosphäre im Kult-Stadion vom FC St. Pauli werde sein Team zusätzlich motivieren, glaubt der Regensburger Coach.
Von Jürgen Scharf, MZ

1200 Fans des SSV Jahn werden am Sonntag beim Spiel der Regensburger (hier im Bild Alexander Nandzik) in Hamburg dabei sein. Foto: Nickl
1200 Fans des SSV Jahn werden am Sonntag beim Spiel der Regensburger (hier im Bild Alexander Nandzik) in Hamburg dabei sein. Foto: Nickl

Regensburg.Nur zwei sind übrig geblieben. Oliver Hein und Sebastian Nachreiner sind die einzigen Spieler aus der aktuellen Mannschaft, die schon vor knapp fünf Jahren für den SSV Jahn aufliefen: am 8. März 2013, als die Regensburger zum ersten Mal überhaupt in ihrer Vereinsgeschichte im legendären Millerntor-Stadion des FC St. Pauli antraten. Damals gab es eine bittere 2:3-Pleite. Und da die Oberpfälzer die 2. Liga nach der Saison als Absteiger sofort wieder verlassen mussten, sollte es lange dauern, bis der Jahn wieder nach Hamburg reisen darf. Nun ist es soweit.

Am Sonntag fordert die Mannschaft von Trainer Achim Beierlorzer den norddeutschen Kult-Klub auf dessen Platz heraus. Dabei muss der Jahn auch wieder mit der ganz besonderen Stimmung, für die die fanatischen Pauli-Anhänger sorgen, klarkommen. Doch das wird kein Problem, glaubt der Coach: „Ich habe die Mannschaft so kennengelernt, dass sie das eher puscht und motiviert, vor so einem tollen Publikum zu spielen.“

1200 Jahn-Fans sind mit dabei

Ohnehin ist es nicht so, dass die Spieler des Jahn allein gelassen werden. Die Regensburger Fans haben Klubsprecher Martin Koch zufolge das vom FC St. Pauli zur Verfügung gestellte Kontingent an Karten komplett abgeräumt. 1200 Anhänger werden aus der Oberpfalz anreisen, um ihre Lieblinge zum Sieg zu schreien.

2013 waren ebenfalls viele Jahn-Fans dabei. Damals sah es kurz vor Schluss noch so aus, als ob ihre Mannschaft ein Lebenszeichen im Abstiegskampf senden könnte. Verteidiger Wilson Kamavuaka hatte in der 89. Minute zum 2:2 getroffen. Aus Hamburg einen Punkt mitzunehmen, hätte zumindest die Moral der seit Wochen arg gebeutelten Regensburger gestärkt. Doch selbst daraus wurde nichts. Florian Bruns traf in der 90. Minute zum Sieg für die Gastgeber. Der Jahn blieb abgeschlagener Letzter der 2. Liga und sollte den Tabellenkeller nicht mehr verlassen.

Sebastian Nachreiner war auch vor fünf Jahren schon für den Jahn auf St. Pauli dabei. Foto: Eibner
Sebastian Nachreiner war auch vor fünf Jahren schon für den Jahn auf St. Pauli dabei. Foto: Eibner

Im Hier und Jetzt sind die Vorzeichen ganz anders. Der SSV Jahn ist zwar auch in diese Saison als Aufsteiger gestartet, die Rolle des Prügelknaben, der am Ende immer verliert, will er aber partout nicht annehmen. Ganz im Gegenteil haben die Regensburger insbesondere zuletzt fleißig Punkte gesammelt. Die Heimsiege gegen Kaiserslautern und Greuther Fürth waren besonders wichtig, da es zuvor eine Durststrecke von drei Spielen ohne Punkgewinn gegeben hatte. Mit insgesamt 15 Zählern sind die Regensburger bei ihrer Mission, am Ende der Saison mindestens drei Teams hinter sich zu lassen, jetzt wieder voll auf Kurs.

Beierlorzer erinnert sich natürlich gerne an die zwei Heimsiege vor der Länderspielpause. Die seien nicht zuletzt „vom Glauben an sich selbst extrem wichtig“ gewesen. Weil seine Mannschaft sich diese Erfolge nicht erduselt, sondern die Spiele verdient gewonnen habe. Nun gelte es, in der Spur zu bleiben: „Wir wollen eine Serie starten und auch auf St. Pauli unseren Mann stehen.“

Asger Sörensen fällt aus

Drei Männer werden dabei allerdings nicht mithelfen können. Verteidiger Asger Sörensen kam von der Niederlage der dänischen U21 in Polen verletzt zurück. Er zog sich eine Zerrung im Oberschenkel zu. Beierlorzer sagt, dass Sörensen deswegen zwar nicht wirklich lange ausfallen werde, bis Sonntag werde er aber keinesfalls fit.

Sagen Sie uns Ihre Meinung: Schafft der Jahn den Klassenerhalt?

Neben dem Dänen fehlen auch Flügelstürmer Joshua Mees und Oliver Hein. Mees kuriert noch eine Außenbandzerrung im Knie aus. Hein hat ebenfalls eine Knieverletzung und fehlt deswegen seit Monaten, ist nun aber zumindest ins Lauftraining zurückgekehrt. Der dienstälteste Profi des Jahn-Kaders – seit 2007 spielt Hein für die Regensburger – plant, nach der Winterpause voll angreifen zu können. Dann könnte er beim Heimspiel gegen St. Pauli auf dem Platz stehen. Genauso wie am 28. September 2012. Im Hinspiel hatten die Regensburger damals noch groß aufgetrumpft und die Hamburger mit 3:0 geschlagen.

„Ich habe die Mannschaft so kennengelernt, dass sie das eher puscht und motiviert, vor so einem tollen Publikum zu spielen.“

Jahn-Trainer Achim Beierlorzer

Vor fünf Jahren stand im Kader der Oberpfälzer übrigens ein Spieler, der nun für St. Pauli kickt: Philipp Ziereis. Der aus Schwarzhofen im Landkreis Schwandorf stammende Außenverteidiger wechselte 2013 zu den Hamburgern und lief seitdem mehr als 60 Mal für sie auf. Derzeit ist er allerdings außen vor, weil er sich im Sommer eine Muskelsehne im Oberschenkel riss und sich gerade erst wieder er ans Team herankämpft.

„Dabei und fit und willig“

Bei den Regensburgern, die am Samstag mit dem Zug nach Hamburg reisen werden, sind derweil außer Sörensen, Mees und Hein alle Spieler „dabei und fit und willig“, wie Beierlorzer sagt. Volle Motivation und Konzentration dürften auf St. Pauli auch vonnöten sein, seine Truppe treffe schließlich auf einen „spielerisch extrem starken“ Gegner. In Ehrfurcht vor dem großen Namen FC St. Pauli zu erstarren bräuchten seine Schützlinge allerdings nicht, meint der Coach. Nicht zuletzt, weil bei den Hamburgern zuletzt nicht alles rund lief: „Sie liegen, wie ich denke, hinter ihren eigenen Erwartungen etwas zurück.“ Insbesondere die Heimspielbilanz sei „nicht so bewegend für St. Pauli, da sind sie bestimmt nicht zufrieden“. Nun liegt es an dem Jahn, dafür zu sorgen, dass diese auch nicht sofort besser wird.

Alle aktuellen Nachrichten zum SSV Jahn gibt es in unserem Newsblog:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht