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Jan Koller und der Jahn-Koller

Fünf Tore: Liga wird auf Petr Stoilov aufmerksam

Von Heinz Reichenwallner, MZ

STUTTGART. Im Grunde war Peter Zeidler selbst schuld, dass die Stuttgarter Kickers zu Hause mit 1:3 (1:1) in der Fußball-Regionalliga gegen den SSV Jahn Regensburg verloren haben. Wäre der Trainer doch nur mit einem Unentschieden zufrieden gewesen! Er hätte vor der Partie nur Horst Eberl zuhören müssen. Auf die Frage, wie das Spiel wohl ausgehen werde, antwortete da der Sportchef des SSV Jahn, dass er mit einem Unentschieden hochzufrieden wäre. „Am besten ein 2:2. Insgesamt vier Tore machen die Zuschauer glücklich und mit jeweils einen Punkt haben beide Mannschaften auch was davon.“

Doch Kickers-Coach Peter Zeidler hatte dem Gespräch nicht gelauscht, er wollte mehr, und so dachte er nach der Niederlage nur noch an Revanche: „Am 8. Dezember im Rückspiel sind dann wir aber mit dem Gewinnen dran“, hoffte der symphatische Fußballlehrer, der mit seinen Teams gegen den SSV Jahn einfach nicht siegen kann.

Denn in der vergangenen Bayernliga-Saison, als er noch den 1. FC Nürnberg II betreute, gab es zwei deftige Niederlagen (1:5, 0:4). Doch auch diesmal attestierte Zeidler dem Jahn „einen völlig verdienten Erfolg“ attestiert. Das sahen neutrale Beobachter auch so. „Die Regensburger werden in der Saison das Überraschungsteam werden“, waren sich die Journalisten einig.

So gingen denn auch später die Akteure beider Mannschaft mit sehr unterschiedlichen Gefühlsregungen vom Platz. Während die Kickers-Spieler eilends und wortlos mit Tunnelblick schnurstracks den Kabinen zueilten, ließen die Jahn-Kicker noch auf dem Platz ihrer Freude freien Lauf, lagen sich in den Armen und bedankten sich bei ihren mitgereisten Fans, die sie überschwänglich feierten.

Stoilov: „Es ist ein Traum“

Derweil erfuhr Petr Stoilov, dass man sich nach einem solchen Spiel nicht einfach dann davon stehlen kann. Der Jahn-Stürmer bezahlte noch auf dem Platz seine herausragende Leistung und seinen Dreier-Pack mit unzähligen Interviews, wenngleich das sicherlich nicht unbedingt zu seinen Lieblingsdisziplinen zählt. Erst mal pustete er kräftig durch. Das gab dem bescheidenen 31-Jährigen ein wenig Zeit, sich eine passende Antwort auf die gestellte Frage zu überlegen.

Ob er, der noch nie höherklassiger als Bayernliga gespielt habe, sich solch einen Einstand in der Regionalliga mit fünf Toren in zwei Spielen denn habe vorstellen können? „Nein, es ist ein Traum“, gab der Stürmer frank und frei zu.

Dagegen war Günter Güttler vorher schon fest davon überzeugt, „dass Stoilov auch in der Regionalliga seine Tore machen wird. „Stoilov trifft aber nicht nur“, sagt der Trainer, „sondern arbeitet auch viel zum Wohle der Mannschaft“.

In der Tat, muss man dem 1,90 Meter großen Jahn-Angreifer bescheinigen, der äußerlich und auch in der Spielweise seinem tschechischen Landsmann und Nationalstürmer Jan Koller sehr ähnelt, dass er ein ungeheures Laufpensum erfüllt, nicht nur in der Offensive glänzt und Tore schießt, sondern auch in der Abwehr aushilft und dort mit seinem Kopfballspiel auch noch so manche brenzlige Situation in Stuttgart bereinigen konnte.

Dazu versteht er sich mit Jürgen Schmid, seinem Sturmpartner, beinahe blind und profitiert auch von dessen Vorlagen – wie beim Tor zum 3:1 der Regensburger gegen die Kickers im Gazi-Stadion. Schmid neidet seinem Kollegen nicht die Treffer. „Es ist egal wer bei uns die Tore schießt. Ich werde sicherlich auch bald treffen“, hofft der 25-Jährige. Letztlich seien ihm die Tore aber gar nicht so wichtig. „Wichtig ist die Mannschaft“, sagt Schmid. Indes wunderte sich Stoilov, „dass die Stuttgarter so offensiv waren. Da wurden große Lücken für uns Stürmer frei“. „Wir haben es mit der Brechstange versucht, aber auch das half nichts“, begründete Peter Zeidler die Situation. Hätte der Stuttgarter Trainer vorher nur Horst Eberl zugehört...

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