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Fussball

Keller: Trainer kommt Ende der Woche

Der neue Sportchef des Jahn spricht über die Suche nach einem Coach, Menschenführung, Geld und über Kritik an seinem ersten Engagement beim Jahn.
Von Heinz Reichenwallner und Jürgen Scharf, MZ

Hat mit dem Neustart in der 3. Liga eine große Aufgabe vor sich: Jahn-Sportchef Christian Keller Foto: Nickl

Herr Keller, wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Zielstrebig, ehrgeizig und rational. Was aber nicht bedeuten soll, dass ich überhaupt nicht emotional bin. Aber ich werde keine wichtige Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen.

Sie waren schon mal beim Jahn tätig. 2010 als Mitarbeiter der Beratungsfirma actori. Diese Zusammenarbeit wurde damals stark kritisiert. Außer hohen Rechnungen sei nichts rübergekommen, hieß es aus Vereinskreisen.

Das muss ich zurückweisen. Wie das damals nach außen rüberkam und was intern wirklich los war, sind zwei verschiedene paar Stiefel. Fakt ist, dass der Jahn damals kurz vor der Insolvenz stand. Diese konnte abgewendet werden, was nicht einfach und ein knallharter Job war. Letztlich haben wir damit aber den Grundstein gelegt, dass der Jahn in den drei Jahren danach auf solide Beine gestellt werden konnte. 2010 gab es aber auch einige Interessenskonflikte, die letztlich zum Ende der Zusammenarbeit von actori und Jahn geführt haben. Das war damals auch eine vernünftige Entscheidung. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen

Nun ist ein Professor Sportchef beim Jahn. Braucht der neue Trainer mindestens Hochschulreife?

Vielleicht hat er die ja. (lacht) Aber im Ernst: Das ist natürlich kein Kriterium. Wir wollen hier ja keinen Intellektuellen-Club gründen. Es geht darum, gut Fußball zu spielen.

Was soll es denn für ein Typ sein? Einer mit Erfahrung, einer der auf die Spieler herzhaft zugeht oder eher der harte Hund?

Er soll kompetent sein. Das ist das Entscheidende. Ob er jetzt viel oder wenig Erfahrung hat, ist da zweitrangig. Wir müssen von ihm überzeugt sein. Natürlich erwarte ich, dass er seinen Fußballlehrer mit einer gewissen Güte gemacht hat und dass er gute Menschenführung nachweisen kann. Möglicherweise werden wir mit unserer Entscheidung viele überraschen.

Apropos Menschenführung: Der letzte Jahn-Trainer Franz Smuda ging mit einigen Spielern öffentlich schonungslos ins Gericht. Was sagen Sie dazu?

Ich will die Arbeit vergangener Trainer nicht kommentieren. Nur so viel: Kritik an einzelnen Spielern wird nicht öffentlich geäußert, das gehört sich nicht. Ich will als Sportchef keine Verantwortung abwälzen. Wenn die Spieler oder der Trainer schlecht sind, muss ich am Ende selbst dafür gerade stehen, weil ich sie ausgesucht habe.

Wann wird der neue Trainer präsentiert?

Man muss nicht groß rumrechnen, um zu wissen, dass das einigermaßen schnell gehen muss. Am 11. Juni ist Trainingsstart. Da brauchen wir natürlich einen Trainer. Deswegen sage ich, dass wir bis Ende der Woche einen vorstellen werden. Wir werden bei dieser wichtigen Personalie aber gut überlegen, so dass der erste Schuss sitzt.

Als Kandidaten immer wieder genannt werden Ralf Loose, Günter Güttler, Dariusz Pasieka, Norbert Düwel, Norbert Schlegel und auch Marc Fascher...

...verstehen Sie bitte, dass ich keinen Namen kommentieren werde.

Sie haben am Freitag gesagt, dass es eine Top-Drei-Liste gibt.

Ja, die gibt es weiterhin. Und ich habe mit allen Kandidaten bereits persönlich gesprochen, war also das vergangene Wochenende in halb Süddeutschland unterwegs.

Vergangene Saison wurde der Assistenztrainer vorm Chef-Coach verpflichtet. Das hat am Ende nicht so ganz hingehauen.

Ja, und das wird es auch nicht mehr geben. Wir haben einen klaren Fahrplan. Zuerst kommt der Cheftrainer, dann wird dessen Team zusammengestellt und dann reden wir mit Spielern. Das schließt jedoch nicht aus, dass bereits fortgeschrittene Verhandlungen zeitnah zu einem Abschluss gebracht werden könnten.

Die Verträge von 15 Spielern gelten auch in der 3. Liga. Hat der Jahn bei dem vergleichsweise minimalen Spieler-Etat von 1,5 Millionen Euro überhaupt noch Geld übrig für Neuzugänge?

Etwas Spielraum ist noch da.

Wo braucht der Jahn Verstärkung?

Wir müssen ganz sicher hinten links noch was machen und neben Francky Sembolo brauchen wir auch noch einen zweiten echten Stürmer. Das sind die dringendsten Baustellen.

Was werden Sie besser machen als Ihr Vorgänger Franz Gerber?

Für mich ist das keine Frage Keller oder Gerber. Es ist die Frage, was hilft dem Jahn.

Okay, was hilft dem Jahn?

Wir wollen ein durchlässiges System von der Jugend bis zur Profi-Mannschaft schaffen. Wir wollen ein echtes Scouting-System, damit uns keine Talente aus der Region durch die Lappen gehen. Das hat es beim Jahn bislang doch nicht gegeben. Und wir wollen in den kommenden Wochen eine Spiel-Philosophie fixieren, die von den Junioren-Mannschaften bis in den Profi-Bereich umgesetzt wird.

Spiel-Philosophie! Was heißt das?

Ich bezeichne es als Spiel-Prinzipien, die wir letztlich aber erst zusammen mit dem neuen Trainer endgültig festlegen können.

Aber für was stehen Sie?

Persönlich glaube ich, dass wir beispielsweise auf aggressives Verteidigen Wert legen müssen. Und auf Variabilität in der Offensive. Spieler müssen Positionen wechseln können und entsprechend ausgebildet werden.

Herr Keller, Sie haben bislang als Professor gearbeitet Machen Sie da beim Jahn im Vergleich eigentlich finanzielle Abstriche ?

Ja.

Warum machen Sie es dann?

Weil ich in der Praxis arbeiten will, im Fußball direkt.

Ist der Jahn dann aber für Sie vielleicht nur ein Sprungbrett zum großen Geld in der Bundesliga?

Ich habe einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Das alleine zeigt doch, dass ich hier was aufbauen will. Aber um hier nicht rumzureden: Was später einmal ist, kann niemand sagen, und wer sich im Berufsleben keine Ziele setzt, hat keinen Ehrgeiz.

Gibt es etwas dass sie aus Ihrer Arbeit an der Hochschule für den Jahn mitnehmen können?

Nicht zuletzt habe ich mittlerweile sehr gute Kontakte zu vielen exzellenten Studenten oder wissenschaftlichen Mitarbeitern im Sportmanagement-Bereich. Das ist ein Pool, aus dem auch der eine oder andere kommende Mitarbeiter für den Jahn resultieren könnte.

Mit Verlaub: Der Jahn hat bekanntlich nicht so viel Geld. Wer soll diese neuen Mitarbeiter bezahlen?

Das kann auch mal ein Praktikum sein. Aber letztlich hoffe ich natürlich, dass sich der Jahn wirtschaftlich entsprechend entwickeln wird.

Sie sind nun in der Tat in der Praxis angekommen. Wie wollen Sie einen Jahn-Fan davon überzeugen, dass Sie das wirklich können: Spieler auswählen, eine gute Mannschaft zusammenzustellen?

Da gibt es nur eine Lösung: Die Mannschaft muss im Sinne unserer Philosophie gut spielen. Ansonsten, das ist mir klar, werde ich auch die Kritik abbekommen.

Was ist denn Ihr sportliches Ziel für die kommende Saison?

Wir wollen ein gutes Team formen und im Mittelfeld landen, also mit dem Abstieg nichts zu tun haben. In der Saison 2014/2015 muss oberes Mittelfeld unser Ziel sein und auf lange Sicht, nicht zuletzt mit dem neuen Stadion, wollen wir den Jahn dauerhaft in der 2. Liga etablieren.

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