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Knallharter Verteidiger ist Jahn-Spieler aus Liebe

Wegen seiner Frau zog Mersad Selimbegovic nach Bayern / Verwirrung um den Ex-Verein

Von Claus Gehr, MZ

REGENSBURG. Für seine Freunde in der Heimat warf der Blick auf die Homepage des SSV Jahn Regensburg doch einige Fragen auf. Irgendwie konnten sie es nicht ganz fassen. Eigentlich war beim Spielersteckbrief ihres früheren Mitspielers Mersad Selimbegovic alles richtig, nur mit dem Unterpunkt „letzter Verein“ waren sie nicht so ganz einverstanden. Das dieser der FC Sarajevo gewesen sein soll, sorgte doch für einige Verwunderung in Bosnien. Immerhin spielte der 24-Jährige in den vergangenen sechs Jahren nicht beim FC, sondern beim Stadtrivalen Zeljeznicar Sarajevo. „Das ist ungefähr so, als würde man den FC Bayern München mit 1860 verwechseln – nur viel schlimmer“, erklärt Selimbegovic schmunzelnd. Doch es kostete ihn schon etwas Mühe, den Verdacht des „Hochverrats“ wieder auszuräumen.

Die Wogen in seiner Heimat Bosnien sind also wieder geglättet und auch so geht es dem neuen Jahn-Verteidiger in Regensburg rundum gut – nur der Tabellenplatz des SSV Jahn könnte für seinen Geschmack ein bisschen besser sein: „Das wird sich aber noch ändern. Unsere Mannschaft ist wirklich gut.“ Und obwohl er mit seinem Wechsel aus der bosnischen Premier League in die Niederungen der Bayernliga nicht nur seinen Berater zur Verzweiflung gebracht hat, ist Selimbegovic sehr froh, diesen Schritt getan zu haben. Immerhin diente er ja auch der Familienzusammenführung.

Der Grund für seinen Wechsel nach Deutschland heißt Aldiana und ist seit vergangenem Jahr seine Ehefrau. Noch wohnt sie in Passau, wo sie auch aufgewachsen ist. Mersad lernte sie vor sechs Jahren beim Urlaub in Tesanj kennen. Der Verteidiger war damals als junger Profi für kurze Zeit von Zeljeznicar an den dortigen Zweitligisten TOSK ausgeliehen worden und spielte mit einem ihrer Verwandten in einer Mannschaft. Nach sechs Jahren Fernbeziehung führte ihn schließlich die Sehnsucht nach Bayern. Und wenn Aldiana im Oktober beruflich nach Regensburg versetzt wird, dann können sie endlich auch zusammenziehen.

Auf die Umstellung freut sich der Bosnier jetzt schon, den wahrscheinlich ist sie die leichteste von allen, die auf den 24-Jährigen seit seinem Wechsel nach Deutschland zugekommen sind. Mit der Verständigung klappt trotz minimalster Sprach-Kenntnisse nach drei Monaten schon überraschend gut, nur auf dem Spielfeld tut sich der knüppelharte Verteidiger noch etwas schwer. Weil die Fußball-Sprache sowieso international ist, ist die Verständigung auf dem Feld dabei noch das geringste Problem.

Ein wenig Sorge bereitet Selimbegovic nämlich etwas anderes. „In Bosnien wird viel härter gespielt. Ich habe schon in der Jugend gelernt, dass man beim Kopfball-Zweikampf den Arm hochnehmen muss, um das Gesicht zu schützen. In Bosnien ist das ganz normal, aber hier in Deutschland wird so etwas als Foul gepfiffen. Das ist schwer für mich, sich daran zu gewöhnen“, räumt der 24-Jährige ein. Beleg für die unterschiedliche Härte in Bosnien und Deutschland ist seine persönliche Karten-Statistik. Denn in sechs Jahren Profi-Fußball in seiner Heimat musste Selimbegovic trotz seiner kompromisslosen Art zu spielen nur einmal mit Rot vom Platz. Beim Jahn ist er nach der Vorbereitung froh, dass es in den bisherigen neun Saisonspielen nur drei gelbe Karten für ihn gab. Trotzdem wird es noch ein bisschen dauern, bis der Jahn-Neuzugang sich nicht nur in Regensburg, sondern auch in der deutschen Spielweise zuhause fühlt.

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