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2. Liga

Marvin Knoll denkt über Wechsel nach

Der Jahn-Innenverteidiger und „Spieler der Saison 2017/18“ steht vor einer schweren Entscheidung. Sein Herz sagt: Regensburg.
Von Heinz Gläser

Identifikationsfigur und Sympathieträger beim SSV Jahn: Marvin Knoll steht bei den Fans ganz hoch im Kurs. Foto: Andreas Nickl
Identifikationsfigur und Sympathieträger beim SSV Jahn: Marvin Knoll steht bei den Fans ganz hoch im Kurs. Foto: Andreas Nickl

Regensburg.Herr Knoll, Sie haben mit Ihrem Mannschaftskapitän eine Wette laufen. Trifft Marco Grüttner bei einem Jahn-Sieg doppelt, kommt Ihr Bart ab. Am Sonntag hätte Grüttner locker für die Rasur sorgen können, ja müssen, oder?

(lacht) Hätten wir alle Möglichkeiten genutzt, hätten meine Haare wohl gleich mit dran glauben müssen.

Beim 0:3 gegen Darmstadt überbot sich der Jahn im Auslassen bester Torchancen. Warum?

Mein Gott, so Spiele gibt’s halt. Marco hat schon so viele entscheidende Tore für uns gemacht. Wenn man sich die Statistik anschaut, hatten wir 27 zu sechs Torschüsse. Dann zu verlieren ist bitter. Aber wir wissen die Niederlage einzuschätzen. Das Glück, das wir gegen Darmstadt nicht hatten, hatten wir vielleicht davor in anderen Spielen. Und Gott sei Dank sind wir in einer Situation, in der das 0:3 zwar ärgerlich, aber nicht mehr so gravierend ist.

Fällt es jetzt schwer, noch die Motivation für das letzte Saisonspiel in Bochum aufzubringen?

Nee, das ist kein Problem. So schätze ich auch die ganze Mannschaft ein. Wir versuchen, in jedem Spiel Gas zu geben. Das ist unsere Mentalität. Wir sind sehr, sehr stolz auf diese Saison und darauf, in der 2. Bundesliga spielen zu dürfen. Deswegen wird Bochum noch mal ein Highlight-Spiel für uns. Ich hab richtig Bock drauf – und die Mannschaft auch! Wir möchten dort drei Punkte holen.

In der Wahl der Mittelbayerischen Zeitung sind Sie zum „Spieler der Saison“ gekürt worden. Hatten Sie diese Auszeichnung erwartet oder zumindest erhofft?

Erhofft irgendwie schon. Letztes Jahr war ich ja schon nah dran, als ich Zweiter hinter Erik Thommy wurde. Es ist eine sehr große Ehre für mich, zumal die Konkurrenz so riesig war. Ich würde mit Blick auf unsere Saison sogar sagen, jeder andere in der Mannschaft hätte diese Auszeichnung auch verdient gehabt. Ich werde zu Hause die Trophäe über den Fernseher stellen.

Waren Sie vor Saisonbeginn sicher, in der zweiten Liga so gut mithalten zu können?

Bammel hatte ich keinen. Ich hatte das nötige Selbstvertrauen, ich hatte das Vertrauen des Vereins, das Vertrauen des Trainers. Ich hatte ja in meiner Laufbahn schon Spiele, in denen ich ansatzweise zeigen konnte, dass ich zweite Liga kann. Jetzt bin ich eben wieder dort angelangt – auf einer anderen Position, die ich mittlerweile als meine Traumposition bezeichnen würde. Ich fühle mich in der Innenverteidigung sehr, sehr wohl, und ich denke, ich mach’s auch sehr gut. Ich wusste, dass ich’s packen kann. Trotzdem musst du hart dafür arbeiten.

Stichwort Traumposition: Früher waren Sie mal der Sechser im defensiven Mittelfeld.

Ja, und noch früher mal Stürmer. (lacht) Ob Sechser oder Innenverteidiger: Es nimmt sich nicht so viel von den Positionen. Man tut viel für den Spielaufbau, muss viel organisieren, muss auch mal laut werden.

Sie wirkten am Sonntag richtig ergriffen, als Sie vor der Hans-Jakob-Tribüne standen und mit den Fans gefeiert haben. Ging Ihnen die Situation so nahe?

Unsere Fans liegen mir einfach am Herzen! Sie haben so viel für uns getan, standen in den vergangenen Jahren immer hinter uns. Es war unser letztes Heimspiel der Saison. Wir haben zwar 0:3 verloren. Aber wenn man sieht, was wir gemeinsam erreicht haben! Klar, das hat mich schon tief berührt. Würde ich was anderes sagen, würde ich lügen. Ich war ja noch im Block drin, hab’ Autogramme gegeben, Fotos schießen lassen. Mir ging am Sonntag durch den Kopf, wie schön es hier ist.

Sind Sie ein Spieler, der solche „Nestwärme“ mehr braucht als andere?

Das würde ich nicht sagen. Jeder weiß, was für ein Spielertyp ich bin. Und das akzeptieren die Fans. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihnen, kenne viele auch persönlich. Das hat schon was.

Trotzdem stehen Sie aktuell im Zentrum von Wechselgerüchten. Es fallen Namen wie der VfB Stuttgart, Union Berlin, Hertha ...

Gehört hab’ ich schon so viele Namen. Zu einzelnen Klubs möchte ich nichts sagen, das gehört sich nicht. Was ich bestätigen kann: Es gibt Anfragen von mehreren Vereinen. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mich damit erst beschäftigen werde, wenn der letzte Spieltag vorbei ist. Wir haben beim Jahn auch einen so ehrlichen Austausch, dass wir offen über das Thema reden.

Und der Stand der Dinge?

Es ist noch nichts entschieden! Was da für Geschichten rumschwirren, ich hätte schon woanders unterschrieben, meine Wohnung gekündigt: Das stimmt alles definitiv nicht! Eines will ich auch noch sagen: Dass es das Interesse anderer Vereine gibt, ist einfach auch eine Reaktion auf unsere Supersaison.

Torschütze und Toreverhinderer

  • Marvin Knoll

    (geboren am 5. Dezember 1990 in Berlin) kam 2015 vom SV Sandhausen nach Regensburg. In dieser Saison ist der Innenverteidiger mit insgesamt sieben Treffern (davon drei verwandelte Elfmeter) gemeinsam mit Jann George zweitbester Jahn-Torschütze.

  • Insgesamt 31 Saisonspiele

    (eine Auswechslung) bestritt Knoll, zweimal musste er wegen Gelbsperren pausieren. Beim Fachmagazin „Kicker“ führt er mit einem Notendurchschnitt von 2,85 aktuell die Liste der besten Abwehrspieler der zweiten Liga an.

Sie sind 27 Jahre alt. Zeit für eine Weichenstellung in der Karriere?

Na klar, ich bin im besten Fußballalter, fühle mich körperlich und auch vom Kopf her topfit und bereit. Das ist eine weitreichende Entscheidung für meine Karriere und für mein Leben. Die werde ich deshalb auch nicht alleine treffen. Ich will unbedingt in Bochum gewinnen, dann werde ich mich in den Wochen nach Saisonende in aller Ruhe mit dem Thema beschäftigen. Das ist auch mit Christian Keller (Jahn-Sportchef/d. Red.) so besprochen. Er ist für mich einer der Top-Manager, wir gehen wie immer ganz offen miteinander um. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis.

Welche Aspekte spielen noch eine Rolle?

Es geht darum, die beste Entscheidung für mich und meine Familie zu treffen. Ich habe eine vierjährige Tochter. Übernächstes Jahr kommt sie in die Schule. Das will alles bedacht sein. Deswegen wird es von mir auch keinen Schnellschuss geben.

Ein Wechsel in die Hauptstadt wäre aber naheliegend. Sie sind gebürtiger Berliner.

Es muss deshalb nicht unbedingt Berlin sein. Klar, ich bin Berliner, Berlin wird immer meine Heimat sein. Aber ich fühle mich mit meiner Familie auch in Regensburg super wohl. Ich hab’ hier viele Freunde gefunden und so viele schöne Sachen erlebt. Ich liebe die Menschen hier, wir haben eine geile Mannschaft mit geilen Typen. Als ich nach einer schweren Zeit hierhergekommen bin, hatte ich große Unterstützung. Das zeigt, dass beim Jahn tolle Menschen am Werk sind. Es ist wirklich etwas Besonderes hier!

Sie haben sehr viele Tätowierungen. Kommt irgendwann ein Regensburg-Tattoo dazu oder ist dafür kein Platz mehr?

Doch, da wäre noch Platz! Ich denke darüber nach. (lacht)

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