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Plötzlich waren wir #alleinrot

Während der Relegation rüsteten die Fans in den Sozialen Netzwerken auf. Wo hatten sie plötzlich all die Jahn-Trikots her?
Von Mathias Wagner, MZ

Daumen hoch! Die Mitarbeiter unseres Medienhauses wünschten dem Jahn Glück für den Aufstieg. Foto: Gruber
Daumen hoch! Die Mitarbeiter unseres Medienhauses wünschten dem Jahn Glück für den Aufstieg. Foto: Gruber

Regensburg.Es war natürlich auch bei uns ein Thema: Als die Mitarbeiter unseres Medienhauses für ein gemeinsames Foto posierten, um dem SSV Jahn „Daumen hoch“ zu signalisieren, da weilte der größte Sechziger-Fan unserer Redaktion im Urlaub. Zum Glück. Was hätten wir denn sonst mit ihm machen sollen? Ihn im blauen Leiberl an den Bildrand verfrachten, wo er dann eine Schnute ziehen sollte? Nein. Schon aus räumlicher Nähe zum SSV Jahn wollten wir alle gemeinsam signalisieren: Wir stehen hinter dem Verein aus unserer Region – auch wenn das Herz von manchen für den FC Bayern oder gar den Club aus Nürnberg noch höher schlägt.

Auch in anderen Redaktionen war die Anhängerschaft ein Thema. Der Münchner Radiomoderator Achim Bogdahn ließ sich als glühender Anhänger der Blauen vor drei Jahren den Namen „Sechzig“ auf dem Standesamt als Künstlernamen eintragen. Am Tag des Relegationsrückspiels postete er auf seiner Facebook-Seite ein Foto von sich am BR-Mikrofon – stolz grinst er dabei aus seinem 1860-München-Trikot heraus. „Der Bayerische Rundfunk: Streng der Neutralität verpflichtet!“, schrieb er darunter.

Doch er konnte im Spiel um die Fan-Meisterschaft in seinem Haus so nur noch den Ausgleich erzielen. Denn schon vor dem Hinspiel posierte sein Regensburger BR-Kollege Uli Scherr im gegnerischen Jahn-Trikot vor dem Mikro. Auch er schrieb bei Facebook: „Der Bayerische Rundfunk muss natürlich neutral bleiben. #SSVJAHN #TSV1860“.

Ganz Regensburg schien während der Relegationsspiele im Einheitslook in den sozialen Netzwerken aufzutreten. Wo sie nur plötzlich all die SSV-Jahn-Trikots herhatten? Bei Instagram setzte sich der Hashtag #alleinrot durch. Den hatten nur eine Woche zuvor noch die Fans von Hannover 96 für sich reklamiert – und stiegen damit auf. Jetzt posierten die Jahn-Fans, alle in Rot, vor dem Regensburger Hauptbahnhof, im Zug nach München und vor oder auf den Rängen der Allianz-Arena, die ja nach dem Untergang des TSV 1860 München künftig wohl eher #alleininrot strahlen könnte.

Und bei den Sechzigern? Wer die Hashtags #tsv1860 oder #ELIL („Einmal Löwe, immer Löwe“) spätestens nach der ersten Hälfte des Relegationsrückspiels anklickte, konnte erleben, wie hypnotisch es sein kann, bei der Sprengung eines Hochhauses zuzusehen. Zuerst fühlte man Entsetzen oder gar Schadenfreude und dann kamen immer mehr schier unglaubliche Meldungen und Gerüchte zum Verfall des Traditionsclubs. Insolvenzantrag? Abstieg gar in die fünfte Liga? Konten leergeräumt? Und immer wieder der Angst vor einem neuen Facebook-Post des 1860-Investors Hasan Ismaik. „Es ist völlig an den Haaren herbeigezogen, dass ich im Abstiegsfall den TSV 1860 möglicherweise verlassen werde“, schrieb er noch vor dem Rückspiel gegen den SSV Jahn. Nach Abpfiff ebendiesen Spiels klang das wohl eher wie eine Drohung. Aber damit müssen sich die Münchner jetzt beschäftigen. Wir überlegen jetzt, ob wir künftig #alleinrot oder das sperrige #miaspuinfiaeich als Hashtag für unsere Jahn-Tweets verwenden. Schöne Luxusprobleme von Zweitligisten.

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