mz_logo

Jahn-Nachrichten
Donnerstag, 26. April 2018 16° 3

Fussball

Richtig gegessen ist halb gewonnen

Auf die Ernährung wurde im Fußball früher nicht besonders geachtet. Mittlerweile ist das anders – auch beim SSV Jahn.
Von Jürgen Scharf

Schluck aus der Pulle! Marco Grüttner während einer Trinkpause beim Training des Jahn Foto: Sascha Janne

Regensburg.Man ist, was man isst. Oder was man trinkt. Diese Weisheit gilt natürlich insbesondere für Leistungssportler. Ein gut ernährter Körper ist leistungsfähiger. Bis sich diese Erkenntnis auch im Fußball durchsetzte, hat es allerdings ein bisschen gedauert. Noch vor ein paar Jahren dozierte da mancher Spieler, dass Tore und Pokale durch Talent und Training erreicht werden, was er frühstücke, dabei aber keine Rolle spiele. Mittlerweile hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es das aber sehr wohl tut. „Die Ernährung ist ein wesentlicher Energielieferant für nachhaltige Leistung“, sagt der Sportdirektor der SpVgg Greuther Fürth, Martin Meichelbeck.

Bis weit in die Achtziger Jahre hinein gab es im Fußball noch ein Sammelsurium an verschiedensten „Expertenmeinungen“ zum Thema Ernährung. Kurzzeitig gab es sogar den Trend, möglichst wenig zu trinken – um den Körper nicht mit der Aufnahme von Flüssigkeit zu belasten. Derlei Laienmedizin ist aus dem Fußball mittlerweile aber größtenteils verschwunden. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es zwar in der Tat wenig durch die Ernährung beeinflusst wird, ob jemand einen Freistoß in den Torwinkel knallen kann oder nicht. Ob eine Mannschaft durch eine starke Gesamtleistung überhaupt zu diesem Freistoß kommt aber sehr wohl. Achim Beierlorzer, Trainer des SSV Jahn, formuliert einen der Grundgedanken bei der Ernährungsplanung seiner Mannschaft so: „Wir brauchen Energie.“

„Fettarm, viele Kohlenhydrate“

Er beschäftige sich mit seinem Trainerteam viel mit dem Thema, sagt Beierlorzer. Es gehe darum, den Spielern eine ausgewogene sport-spezifische Ernährung ans Herz zu legen. „Möglichst fettarm und viele Kohlenhydrate“ nennt er als grundsätzliche Kriterien.

Jahn-Coach Achim Beierlorzer Foto: Eibner

Einen einzigen Ernährungsplan, der der gesamten Mannschaft übergestülpt werden kann, gibt es dabei aber nicht. Es müsse zum Beispiel auch Rücksicht auf Unverträglichkeiten genommen werden. Beim Jahn werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um Erkenntnisse zu gewinnen. Manchmal werden Spieler dadurch erst darauf aufmerksam, dass sie bestimmte Produkte meiden sollten. Ohnehin gehe es aber nicht darum, jeden Spieler zum absoluten Asketen zu machen, sagt Beierlorzer. „Es stellt kein Problem dar, wenn ein Spieler einmal in der Woche einfach mal das isst, auf das er Lust hat.“ Eine grundsätzliche Sensibilisierung für das Thema sei jedoch unerlässlich: „Wenn sich ein Fußballer nicht langfristig konstant sportler-gerecht ernährt, wird er irgendwann die Folgen spüren.“

So machen es andere Vereine

  • Martin Meichelbeck, Direktor Sport bei der SpVgg Greuther Fürth,

    sagt, dass jeder Spieler einen Plan mit Ernährungsempfehlungen, die er in seinem Alltag nutzen sollte, erhalten habe: „Hier vertrauen wir auf die Eigenverantwortlichkeit des Spielers. Auch anhand von Vollblutanalysen und Naturheilverfahren sehen wir, was der einzelne Spieler braucht oder nicht verträgt.“ Darüber hinaus werden Meichelbeck zufolge bei der SpVgg Greuther Fürth den Spielern nur Bioprodukte angeboten, „um in diesem Bereich die Basis für Leistungsfähigkeit herzustellen“.

  • Beim FC Augsburg

    wird nach Auskunft des Vereins in der Vor- und Nachbereitung von Spielen und auch an intensiven Trainingstagen für ein abwechslungsreiches und sportlergerechtes Essen für die Mannschaft gesorgt: „Darüber hinaus stehen Experten auch individuell beratend zur Seite, ohne dass wir einen festangestellten Koch oder Ernährungsberater haben.“

  • Beim 1. FC Nürnberg

    wird den Spielern nach Vereinsangaben seit dieser Saison vor dem Vormittagstraining die Chance gegeben, in der Kabine gesund zu frühstücken. Auf der Speisekarte stehen dann Mehrkornbrötchen, Vollkornbrot, Obst, Nüsse, Eier und fettarme tierische Produkte (etwa Joghurt oder Putenbrust). Zudem gebe es an Tagen mit zwei Einheiten ein gemeinsames Mittagessen. Auch hier werde auf energiereiche und fettarme Kost geachtet, etwa Fisch, Fleisch, Gemüse, Nudeln und – auch auf Wunsch der Spieler – immer eine Portion Milchreis mit Zimt. Zudem erhalten die Spieler nach kraftintensiven Einheiten einen Regenerations-Shake mit viel Proteinen und Kohlehydraten. Zur Kontrolle gibt es wöchentlich eine Bestimmung der PH-Werte sowie tägliches Wiegen: „Letzteres allerdings eher, um bei großen Schwankungen nach oben oder unten genauere Untersuchungen einzuleiten“, teilt der Club mit.

Marco Grüttner ist der Kapitän des SSV Jahn. Er gilt als einer der laufstärksten Spieler der 2. Liga. Eine Ausdauer, die sicher mit einer optimalen Ernährung zusammenhängt – könnte man denken. Grüttner räumt allerdings ganz offen ein, dass er sich mit diesem Thema lange Zeit eher wenig beschäftigt hat. Früher habe er zum Beispiel nie gefrühstückt, erzählt er – obwohl er auch da schon als Profi in der 3. Liga gespielt hat. Seit seine Tochter auf der Welt ist, gebe es nun aber immer ein gemeinsames Frühstück mit der Familie – und das tue ihm gut, erzählt Grüttner: „Insbesondere bei härteren Belastungen merke ich, welche Grundlage ich mit der Ernährung gelegt habe.“

Beim SSV Jahn bekommen die Spieler schriftliches Informationsmaterial. Hier sind die grundsätzlichen Punkte, die bei der Ernährung zu beachten sind, zusammengefasst.

„Ab und an mal eine Leberkässemmel muss auch drin sein.“

Andy Geipl

Andy Geipl Foto: Nickl

Alle Hilfestellung bringe aber nicht, wenn der Spieler selbst nicht will und in seiner Freizeit alle Ratschläge außer acht lasse, sagt Beierlorzer: „Es gibt auch eine Eigenverantwortung. Ohne die geht es nicht.“ Wenn jemand bei der Ernährung schludert, falle das über kurz oder lang sowieso auf. Sei es durch abfallende Leistung auf dem Platz oder bei den regelmäßigen Gewichtskontrollen, die auch beim Jahn vorgenommen werden.

Relativ einfach können die Trainer die Ernährung bei Auswärtsspielen steuern, wenn die Mannschaft gemeinsam unterwegs ist. Hier gibt es drei bis vier Stunden vorm Spiel „noch einmal eine richtige Mahlzeit, etwa Nudeln“, erzählt Beierlorzer.

Croissants sind nicht ideal

Bei Spielen, die um 13 Uhr angepfiffen werden, sei das aber gar nicht so einfach. Dann ist um 8.30 Uhr ein Frühstück angesetzt, zwischen 9.30 Uhr und zehn Uhr wird aber gleich noch mal gegessen, um den Energievorrat aufzufüllen. Bei Heimspielen kommen die Spieler erst kurz vorm Anpfiff zum Stadion. Sie sind aber angehalten, sich zuvor selbstständig vernünftig zu ernähren. Und jeder wisse, „dass zum Beispiel Croissants und Nutella kein ideales Frühstück für einen Leistungssportler sind“, sagt der Coach.

Martin Meichelbeck, Sportdirektor der SpVgg Greuther Fürth Foto: dpa

Einer seiner Schützlinge verrät, dass es ihm früher gar nicht so bewusst gewesen sei, was gute und was schlechte Ernährung ist. Gerade in seiner Jugendzeit habe er sich ganz wenig mit dem Thema beschäftigt, erzählt Andy Geipl. Erst als er zum TSV 1860 München kam, sei er dafür sensibilisiert worden – und beim Jahn werde jetzt noch mehr Wert darauf gelegt, erzählt der 25-jährige Mittelfeldspieler. Er habe seine Ernährung zuletzt auch etwas umgestellt – „und das tut mir sehr gut“. Er findet, dass die Eigenverantwortung bei dem Thema das Wichtigste ist: „Jeder Spieler muss selbst wissen, was seinem Körper gut tut.“ Für sich selbst hat er da herausgefunden, dass die grundsätzliche Disziplin beim Essen und Trinken wichtig ist – „ab und an mal eine Leberkässemmel muss aber auch drin sein“.

Alle aktuellen Nachrichten zum SSV Jahn gibt es in unserem Newsblog:

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht