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REGENSBURG/Karlsruhe.

Schütze des ersten „Tor des Monats“ ist tot

Der frühere Jahn-Spieler Gerd Faltermeier erliegt einem Krebsleiden.

71000 Fernsehzuschauer stimmten 1971 für Gerd Faltermeiers Tor.

Von Heinz Reichenwallner, MZ

Horst Eberl ist bestürzt und traurig zugleich, als er die Nachricht vom Tod eines ehemaligen Sportkameraden und langjährigen Mannschaftskollegen beim SSV Jahn erhalten hat. Der Sportchef des Regensburger Fußball-Drittligisten spielte jahrelang mit dem Mann in derselben Mannschaft und in der Bayernauswahl, mit dem die Regensburger in der Regionalliga Süd (vergleichbar mit der heutigen zweiten Liga) plötzlich bundesweit in die Schlagzeilen kamen: Gerd Faltermeier ist – wie jetzt bekannt wurde – am 9.März im Alter von erst 65 Jahren gestorben. Der ehemalige Jahn-Stürmer hatte mit einem Freistoß aus 20 Metern Historisches geleistet, den er am 28.März 1971 im Heimspiel gegen den VfR Mannheim (3:2) so in den Winkel wuchtete, dass der Ball oben im Netzgestänge hängen blieb. Es war ein so einmaliger Treffer, dass ihn 71000 Fernsehzuschauer unter 250000 Einsendungen zum ersten „Tor des Monats“ in der ARD-Sportschau auswählten.

Ein bisschen mehr über den zurückhaltenden und bescheidenen Menschen Faltermeier, den es nie ins Rampenlicht drängte, verrät sein Fernsehauftritt im Studio bei Oskar Klose. „Ich hatte ungeheures Lampenfieber“, erzählte er damals, als sich das „Tor des Monats“ zum 35. Mal jährte. Seinerzeit erzählte er auch, dass er oft an diese Zeit zurückdenkt, aber mehr an die Zeit als an das berühmte Tor. Wie der Fußball damals war, an Mannschaftskollegen beim SSV Jahn und später beim Karlsruher SC, die Reisen nach Afrika oder Asien mit der deutschen Amateurnationalmannschaft, in die er 13 Mal berufen wurde.

Mit 15 Jahren hatte Faltermeier beim SV Sallern mit dem Fußballspielen im Verein begonnen. Vorher war er das, was es heute in Deutschland kaum noch gibt – ein Straßenfußballer. Mit 18 Jahren stürmte er für seinen Heimverein, den FSV Steinsberg, den er mit seinen Toren beinahe im Alleingang in die A-Klasse, die heutige Kreisliga, schoss. Wenig später holte ihn der SSV Jahn, dem er zehn überaus erfolgreiche Jahre die Treue hielt. Und das trotz lukrativer Angebote des FC Bayern München, TSV 1860 München, 1. FC Nürnberg und Fortuna Düsseldorf. Im Alter von 28 Jahren kehrte er Regensburg dann doch den Rücken.

Zwei Jahre wollte Faltermeier als Profi noch für den KSC spielen und auch nur so lange im Badischen bleiben. 35 Jahre wurden letztlich daraus. In der Saison 1974/75 ging die neu gegründete 2. Bundesliga an den Start und Gerd Faltermeier verabschiedete sich mit erst 30 Jahren vom Profifußball. Der sichere Arbeitsplatz als Angestellter bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) war ihm wichtiger. Indes war er mit 40 Jahren noch als Spielertrainer in den Amateurklassen aktiv und trainierte neben etlichen Verbandsligateams auch die A-Jugend des KSC. Gerd Faltermeier, der einem Krebsleiden erlag, hinterlässt seine Ehefrau und eine Tochter, nebst zwei Enkelkindern.

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