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Fussball

„Sexy“ Tor wirft den Jahn aus der Bahn

Der Regensburger Fußball-Zweitligist unterliegt Dresden mit 0:2 und wartet weiterhin auf den ersten Heimpunkt der Saison.
Von Heinz Gläser, MZ

Kein Durchkommen: Jann George (Mitte) und seine Kollegen blieben oft in der kompakten Dynamo-Defensive hängen. Foto: Nickl
Kein Durchkommen: Jann George (Mitte) und seine Kollegen blieben oft in der kompakten Dynamo-Defensive hängen. Foto: Nickl

Regensburg.Andreas „Lumpi“ Lambertz trug ein breites Grinsen zur Schau. Der Routinier fand’s „echt sexy“. Der 33-Jährige von Dynamo Dresden meinte zwar generell die drei Punkte, die er soeben mit dem 2:0 (0:0)-Sieg im Spiel beim SSV Jahn Regensburg abgestaubt hatte.

Speziell jedoch bezog sich Lambertz auf die Szene vor der Führung der Gäste aus Sachsen. „Das 1:0 war für mich der Höhepunkt, wie das herausgespielt wurde...“, sagte „Lumpi“, und man hörte ihn förmlich mit der Zunge schnalzen. In der Tat, dieser Treffer vor 14 831 Zuschauern in der Regensburger Continental-Arena war eine Augenweide. Der an diesem Sonntag bärenstarke Bosnier Haris Duljevic bediente Fabian Müller, dieser legte im Strafraum ab auf Sascha Horvath, der unbedrängt einschob.

Schlicht spielentscheidend

Jahn-Trainer Achim Beierlorzer sah die fragliche Szene in der 49. Minute natürlich nüchterner, und wahrscheinlich war sie aus seiner Sicht sogar ziemlich unsexy. Für ihn war der Rückstand kurz nach dem Wechsel schlicht spielentscheidend. „Wir wollten weiterhin kompakt spielen, aber in diesem Moment haben wir unsere Kompaktheit aufgelöst“, kritisierte der 49-Jährige. Per Foulelfmeter (51.) legte der Ex-Regensburger Aias Aosman das 2:0 nach. Marvin Knoll hatte an der Strafraumgrenze Horvath gelegt, und Schiedsrichter Christof Günsch entschied nach kurzer Rücksprache mit dem Assistenten auf Foulelfmeter und Gelb für Knoll.

„Ich hab gesagt, wenn wir einen Elfmeter kriegen, dann schieß’ ich“, erklärte Aosman, für den das „natürlich ein besonderes Spiel“ war. Der Deutsch-Syrer zog zufrieden Bilanz: „Ich wollte halt unbedingt gewinnen und hab mein Tor dazu beigetragen.“

Der Jahn (vorne Sargis Adamyan) spielte zu wenige Chancen heraus. Foto: Nickl
Der Jahn (vorne Sargis Adamyan) spielte zu wenige Chancen heraus. Foto: Nickl

Knoll schilderte die Szene vor dem Elfmeter so: „Ich renn’ von ganz vorne zurück nach hinten in die letzte Kette, weil da keiner mehr war. In dem Augenblick kommt der Ball rein, er kreuzt hinter meinem Rücken. Ich hatte das Gefühl, ich spitzle den Ball leicht weg, aber das muss ich mir selber noch mal angucken. Bitter!“

Von einem beginnenden Heimkomplex wollte derweil beim SSV Jahn keiner etwas hören – trotz null Punkten und lediglich einem Tor aus den bislang drei Spielen vor eigenem Publikum. Auch gegen Dynamo habe sein Team über weite Phasen „auf Augenhöhe“ agiert, sagte Beierlorzer. Von einem Aufbäumen des Aufsteigers konnte indes nach dem 0:2 kaum die Rede sein, auch wenn Beierlorzer seiner Mannschaft das Lob zollte, „niemals aufgegeben“ zu haben. „Dass nicht alles geklappt hat, hat man auch gesehen“, schob der 49-Jährige selbstkritisch hinterher.

Die Spieler des Jahn in der Einzelkritik:

Jahn gegen Dresden: Einzelkritik

Unübersehbar war jedoch erneut, dass der SSV Jahn zu Hause Probleme in der Spieleröffnung und beim Spiel in die Spitze hat. Torchancen der Gastgeber waren absolute Mangelware, die Regensburger behalfen sich oft mit weiten Bällen. Gegen einen defensiv kompakt stehenden Gegner die Initiative zu ergreifen, fällt ihnen offenkundig schwerer, als auswärts von Fehlern des Gegners zu profitieren – wie bei den bisherigen Erfolgserlebnissen in Ingolstadt und Heidenheim.

Mit den sechs Zählern aus diesen beiden Begegnungen rangieren die Beierlorzer-Schützlinge nunmehr auf Rang 15. Dresden ist nach sechs Spieltagen mit acht Punkten auf dem Konto Tabellenzehnter der zweiten Liga.

Die erste Chance hatte nach fünf Minuten Dresden, und zwar durch Aosman. Er profitierte von einem komplett missratenen Abspiel von Philipp Pentke aus dem eigenen Strafraum. Aosman kam frei zum Schuss, überlupfte Pentke, allerdings auch das Jahn-Tor (5.). „Er hatte wohl 30 Millionen Gedanken im Kopf und hat sich für die falsche Variante entscheiden“, äußerte Dynamo-Coach Uwe Neuhaus Verständnis für den Mittelfeldspieler, der es gegen seinen Ex-Verein besonders gut machen wollte.

In Aktion: Der überragend aufspielende Dresdner Haris Duljevic (Dynamo Dresden) gegen Sebastian Nachreiner und Andreas Geipl Foto: Nickl
In Aktion: Der überragend aufspielende Dresdner Haris Duljevic (Dynamo Dresden) gegen Sebastian Nachreiner und Andreas Geipl Foto: Nickl

Ein enormes Polizeiaufgebot hatte angesichts des bundesweit schlechten Images des Dresdner Anhangs die Partie begleitet. Apropos schlechtes Image: Die Jahn-Fans auf der Hans-Jakob-Tribüne bezogen abermals auf einem Transparent mit der Aufschrift „Stop! Finger weg von unserem SSV Jahn“ Position gegen den umstrittenen Investor Philipp Schober.

Beierlorzer hatte gegenüber der Startformation in Heidenheim eine Veränderung vorgenommen. Joshua Mees durfte an Stelle von Albion Vrenezi ran. Die Bubi-Abwehr mit Asger Sörensen und Benedikt Gimber in der Innenverteidigung genoss erneut das Vertrauen des Jahn-Trainers.

Ein Eckenverhältnis von 5:0 für den Jahn nach knapp einer halben Stunde entsprach nicht den ziemlich ausgeglichenen Spielanteilen. Doch nahmen die Gastgeber langsam das Heft in die Hand, bekamen die auf Konter lauernden Gäste besser in den Griff. Zweikämpfe im Mittelfeld prägten die Partie, die mit Torchancen geizte. Beierlorzers Team stand sehr hoch und nahm die Dresdner beim Spielaufbau meist schon an deren Strafraum in Empfang.

Am Rande eines Platzverweises

Der Plan, der in der ersten Halbzeit halbwegs aufgegangen war, zerstob allerdings mit dem Rückstand. Anschließend kam nicht mehr viel von den Hausherren, bei denen Benedikt Gimber am Rande eines Platzverweises wandelte und durch Sebastian Stolze ersetzt wurde.

Also doch ein beginnender Heimkomplex? „Es kommt einem vielleicht so vor. Aber es sind nur Kleinigkeiten in dieser Lage, und dieses Mal hatte Dresden das Glück auf seiner Seite“, wandte Knoll ein.

Weiter geht’s für den Jahn in der englischen Woche am Mittwoch. Dann steht am siebten Spieltag das Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf auf dem Programm. Und fremdes Terrain scheint Beierlorzers Team ja eher zu liegen.

Übrigens: In Düsseldorf genießt der langjährige Fortune Andreas Lambertz immer noch Ikonenstatus. Dort finden sie ihren „Lumpi“ echt sexy.

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