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Fussball

So leben die Spieler des SSV Jahn

Wie verbringen die Profis des Regensburger Zweitligisten ihre Freizeit? Wir haben uns mal umgeschaut.
Von Jürgen Scharf

Auf den Hund gekommen: Sargis Adamyan mit seinem Oskar Foto: Sargis Adamyan/Instagram
Auf den Hund gekommen: Sargis Adamyan mit seinem Oskar Foto: Sargis Adamyan/Instagram

Regensburg.Die Profis des SSV Jahn Regensburg haben einen öffentlichen Job. Tausende Menschen in den Stadien und noch viel mehr an den Fernsehgeräten schauen ihnen zu, wie sie bei den Spielen ihrem Beruf nachgehen. Was sie vor und danach treiben, ist weniger bekannt. Aber natürlich gibt es ein Leben abseits des Fußballplatzes – und dieses Leben ist sehr vielfältig, wie die Mittelbayerische erfahren hat.

Wie entspannen Fußball-Profis? Wie kriegen sie nach den Spielen den Kopf frei? Marc Lais, der beim Jahn im Mittelfeld die Fäden zieht, hat ein einfaches Rezept: Kaffee trinken in der Regensburger Altstadt. „Hier gibt es schließlich sehr viele schöne Cafés und gerade bei dem Wetter jetzt kann man da auch wunderbar draußen sitzen“, erzählt er: „Wenn man mal frei hat und sich die Zeit dazu nimmt, ist das eine gute Möglichkeit, um auf andere Gedanken zu kommen.“

„Hat etwas von Urlaubs-Flair“

Überhaupt scheint die malerische Altstadt von Regensburg gute Möglichkeiten zu bieten, um abzuschalten. Jahn-Kapitän Marco Grüttner wohnte in seiner ersten Saison beim Jahn noch in Regenstauf, im vergangenen Sommer zog er mit Frau und Kind in die Regensburger Innenstadt: „Weil es einfach sehr schön hier ist.“ Es habe „etwas von Urlaubs-Flair“, findet er, „wenn man hier direkt an der Donau lebt und auch spontan zum Kaffeetrinken in die Altstadt gehen kann“. Dort kann er übrigens immer mal auf einen Teamkollegen treffen, schließlich wohnen einige Spieler des Jahn direkt in der Innenstadt. Der Rest verteilt sich auf umliegende Gemeinden. Eine vertraglich fixierte Residenzpflicht in Regensburg besteht beim Jahn nicht, „aber natürlich legen wir sehr großen Wert darauf, dass unsere Spieler einen Wohnsitz in Regensburg und Umgebung haben. Zum einen aus naheliegenden, praktischen Gründen, zum anderen, weil uns wichtig ist, dass sich die Spieler zu hundert Prozent mit der Stadt und der Region identifizieren“, sagt Geschäftsführer Christian Keller.

Relaxen beim Kaffeetrinken in der Altstadt: Jann George (rechts) und Haris Hyseni:

Marco Grüttner ist bereits Vater (hier mit seiner Tochter nach dem Sieg in der Relegation). Foto: Gatzka
Marco Grüttner ist bereits Vater (hier mit seiner Tochter nach dem Sieg in der Relegation). Foto: Gatzka

Einige Spieler schieben bei ihren Spaziergängen durch die Altstadt einen Kinderwagen. Marco Grüttner, Markus Palionis, Uwe Hesse und Marvin Knoll sind seit längerem Familienväter, Torwart Philipp Pentke freute sich vor wenigen Wochen über die Geburt von Töchterchen Mexie-Sophia und bei Andy Geipl hat sich für Mai der erste Nachwuchs angekündigt. Ein knappes Dutzend der Spieler ist bereits verheiratet, und die nächste Hochzeit, die von Sebastian Stolze, steht in Kürze an. Und zudem gibt es mehrere Profis, die auf den Hund gekommen sind – Philipp Pentke und Sargis Adamyan etwa. Pentke ist dabei genauso vernarrt in seinen Chihuahua Chico wie Adamyan in seinen Pomeranian Zwergspitz Oskar.

„Das sind sportliche Jungs“

Während die Jahn-Profis bei ihren privaten Spaziergängen oft noch unerkannt durch Regensburg schlendern können, wird das bei gemeinsamen Mannschaftsessen etwas schwieriger. Wenn knapp 30 junge Männer in Jahn-Klamotten in ein Lokal gehen, fällt das doch aus dem Rahmen. Bülent Bozkurt, Inhaber des „Valentino“ in Kumpfmühl, kennt diese Szene – er hat sie oft genug in seinem eigenen Lokal erlebt. In der vergangenen Saison aß die Mannschaft regelmäßig gemeinsam bei ihm zu Mittag. Als „sehr nette Gäste“ beschreibt Bozkurt die Spieler, „sportliche Jungs“, sagt er mit einem Lachen. Das Essen bei ihm fand meistens zwischen Vormittags- und Nachmittagstraining stand. Deswegen hätten die Jahn-Profis dabei stets gesunde, magere Speisen bestellt: Salat mit Fisch oder Hühnerbrustfilet mit Gemüse. Pizzen habe er keine verkauft, sagt Bozkurt mit einem Schmunzeln.

Gut zu erkennen sind mehrere Jahn-Profis an ihren Autos. Für ihre Zeit in Regensburg haben einige Fahrzeuge geleast, die von Händlern stammen, die mit dem Jahn zusammenarbeiten. Die Leihwagen sind deswegen mit großen Jahn-Logos versehen. Etwas unauffälliger unterwegs sind die Fahrradfahrer im Team. Oli Hein ist einer davon. Er kommt ab und an auch mal mit dem Rad zum Training.

Hier wurden die Spieler geboren

  • In der Oberpfalz:

    Bastian Lerch, Kevin Hoffmann (beide Regensburg), Sven Kopp (Weiden)

  • In Niederbayern:

    Oliver Hein (Straubing), Sebastian Nachreiner (Gottfrieding)

  • In Mittelfranken:

    Jann George (Nürnberg)

  • In Oberbayern:

    Benedikt Saller (München), Andy Geipl (Garmisch-Partenkirchen)

  • In anderen Bundesländern:

    Philipp Pentke (Freiberg, Sachsen), Andre Weis (Boppard, Rheinland-Pfalz), Benedikt Gimber (Buchen, Baden-Württemberg), Marcel Hofrath (Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen), Marvin Knoll (Berlin), Alexander Nandzik (Bergisch Gladbach, Nordrhein-Westfalen), Marc Lais (Freiburg, Baden-Württemberg), Sebastian Stolze (Leinefelde, Thüringen), Sebastian Freis (Karlsruhe, Baden-Württemberg), Hamadi Al Ghaddioui (Bonn, Nordrhein-Westfalen), Marco Grüttner (Ludwigsburg, Baden-Württ.), Jonas Nietfeld (Minden, Nordrhein-Westfalen), Joshua Mees (Lebach, Saarland)

  • Im Ausland:

    Markus Palionis (Kaunas, Litauen), Asger Sörensen (Silkeborg, Dänemark), Albion Vrenezi (Marali, Kosovo), Sargis Adamyan (Erewan, Armenien)

Grundsätzlich scheint im Alltag der Jahn-Profis zu gelten: Wo einer ist, sind die anderen nicht so weit weg. So gilt das Café Rinaldi als beliebter Treffpunkt beim Frühstück, und dass viele Spieler ins M1-Friseure-Studio zum Haareschneiden gehen, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Wie viel die Spieler selbst von ihrem Privatleben preisgeben, etwa über ihre Social-Media-Auftritte, ist sehr unterschiedlich. „Wir fragen auch selbst bei jedem nach, ob wir eine private Information, sei es etwa Hochzeit oder Geburt eines Kindes, auf unseren Internet-Auftritten veröffentlichen dürfen. Da gibt es auf jeden Fall unterschiedliche Haltungen“, erzählt Jahn-Sprecher Martin Koch. Bei den Social-Media-Auftritten der Spieler gibt der Verein allerdings ein paar Richtlinien vor. Aus der Umkleidekabine dürfen etwa keine Bilder gesendet werden. Probleme gab es dabei noch keine: „An diese Dinge halten sich die Spieler“, sagt Koch.

„Die sind weder ausfallend noch sonst was, nicht hochnäsig und nehmen sich auch keine Sonderstellung raus.“

Pony-Wirt Markus Wallner über die Jahn-Profis als Gäste

Wenn die Spieler feiern gehen, ist das Pony in der Oberen Bachgasse ein beliebter Treffpunkt. Foto: js
Wenn die Spieler feiern gehen, ist das Pony in der Oberen Bachgasse ein beliebter Treffpunkt. Foto: js

Wenn es diese mal ins Nachtleben zieht, sind sie öfters im Pony in der Oberen Bachgasse anzutreffen. Inhaber Markus Wallner findet das super, wie er der Mittelbayerischen erzählte. „Ich freu mich immer, wenn sie kommen, das sind super-angenehme Gäste. Die sind weder ausfallend noch sonst was, nicht hochnäsig und nehmen sich auch keine Sonderstellung raus.“ Ganz anonym feiern sei für die Spieler allerdings nicht drin: „Die werden schon erkannt und auch mal angesprochen. Vor allem für junge Leute sind die Jahn-Profis natürlich Helden. Aber ich glaube, dass das noch in einem Rahmen ist, der auch für die Spieler passt.“

Dass die Jahn-Profis auch Party-Qualitäten haben, konnten sie zuletzt gleich mehrfach unter Beweis stellen. Schließlich gab es zwei Jahre in Folge einen Aufstieg – und beide Male rockte die Mannschaft am Ende gemeinsam im Pony ab: „Die sind richtig gut drauf, und wissen in einem angenehmen Rahmen auch, wie man feiert“, sagt Wallner. Es gebe allerdings offensichtlich auch genaue Grenzen: „Wenn die am Sonntag ein Spiel haben, ist am Wochenende natürlich keiner da. Das läuft ja mittlerweile alles sehr professionell ab.“ Wenn sie aber da sind, sei vor allem ein Teil seiner Kundschaft angetan, verrät Wallner: „Ich mein, die Spieler sehen ja auch gut aus, da freut sich insbesondere die Damenwelt, wenn die unterwegs sind.“

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