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Fussball

Spektakel ohne Lohn für den Jahn

Beim Torfestival in Bielefeld hadern die Regensburger mit individuellen Fehlern und mangelhafter Chancenverwertung.

Marco Grüttner (MItte) brachte den Jahn sehenswert in Führung. Foto: Friso Gentsch/dpa
Marco Grüttner (MItte) brachte den Jahn sehenswert in Führung. Foto: Friso Gentsch/dpa

Bielefeld.„Sowas habe ich noch nie erlebt.“ So passend fasste Benedikt Saller die erste halbe Stunde der Partie zwischen Arminia Bielefeld und dem SSV Jahn Regensburg zusammen. Die ersten 30 Minuten dieser Partie waren der Hauptakt einer illustren Darbietung, die mit einem 5:3 (3:2)-Sieg der Gastgeber endete. Bevor Schiedsrichter Robert Schröder die Partie mit dem Schlusspfiff beendete, erlebten die 15 388 Zuschauer ein Offensivspektakel, passend garniert mit acht Treffern.

„Wir haben ein sensationelles Spiel gesehen. Acht Tore, das ist natürlich Wahnsinn“, sagte Jahn-Trainer Achim Beierlorzer. Es sei aber extrem schade und ärgerlich, „dass wir ohne Punkte nach Hause fahren.“

„Wir haben ein sensationelles Spiel gesehen.“

Achim Beierlorzer

Als die Bielefelder Klublegende Ansgar Brinkmann auf der Tribüne Platz genommen hatte, hatte es bereits zwei Mal geklingelt. Verdutzt blickte er auf die Anzeigetafel. „Was ist denn hier los?“ Den Traumstart der Regensburger hatte er verpasst. Marco Grüttner hatte die Regensburger nach schöner Kombination mit einem sehenswerten Treffer früh in Führung gebracht (3.). Doch Julian Börner bewies Köpfchen nach einem Eckball und glich fünf Minuten später schon aus. Weil sich Asger Sörensen einen folgenschweren Fehlpass leistete und Andreas Voglsammer nach der Flanke von Jonathan Clauss am schnellsten schaltete, rannten die Regensburger ab der 17. Minute einem Rückstand hinterher. Der Däne spielte in Bielefeld in der Innenverteidigung an der Seite von Jonas Föhrenbach. Die Freiburg-Leihgabe vertrat Marcel Correia, der wegen muskulären Problemen nur von der Tribüne aus die Daumen drückte. Als Linksverteidiger bekam Alexander Nandzik die Chance, sich von Beginn an zu beweisen.

„Vorne geht die Post ab“

Im Mittelfeld hielten sich beide Mannschaften nicht lange auf. Das Visier war auf das gegnerische Tor gerichtet. „Wir haben zwei Teams gesehen, die sich sehr ähneln in ihrer Spielweise“, erklärte Bielefelds Coach Jeff Saibene nach der Partie. „Da wird nicht lange taktiert, da geht vorne die Post ab.“ Nach einer Flanke von Sargis Adamyan segelte Jann George heran und köpfte den Ball ins Arminia-Tor (26.).

Die kurioseste Szene der Partie bescherte den Gastgebern die Halbzeit-Führung. Ein Déjà-vu! In der Vorsaison hatte ein Missverständnis zwischen Philipp Pentke und Marvin Knoll den Hausherren die Tür zum späten 2:1 geöffnet. Am Samstagnachmittag war Benedikt Saller der Protagonist. Statt zu seinem Teamkollegen köpfte der Regensburger den Ball ins andere Eck. 2:3! . „Ich habe gedacht, dass ein Gegenspieler direkt hinter mir ist – und ich hingehen muss. Beim Köpfen habe ich dann Philipps Rufen gehört. Dann war es schon zu spät“, erklärte Saller. Pentke machte Saller keinen Vorwurf. „Es war vielleicht ein Kommunikationsproblem. Sowas passiert leider. Wir sind aber selbstkritisch genug: das müssen wir besser lösen.“

In der Halbzeitpause outete sich Brinkmann als „Jahn-Fan“. „Es macht richtig Spaß, den beiden Mannschaften zuzuschauen. Die Regensburger haben eine super Truppe“, sagte er.“ Was für ein geiles Spiel!“

Und so bewertet die MZ die Leistung der Regensburger:

Der Jahn in Bielefeld: die Einzelkritik

Chancen nicht genutzt

Kurz nach 14 Uhr hatten sich bereits wieder alle Spieler auf dem Platz eingefunden. Nur der Schiedsrichter fehlte. Schröder hatte Magenprobleme, konnte aber weitermachen.

„Die Mannschaft hat sich in der Halbzeit vorgenommen, diese Fehler als Team wegzuarbeiten. Und genauso sind sie nach der Pause auch auf den Platz gegangen. Das macht mich stolz, dass die Mannschaft intakt ist, dass sie füreinander arbeiten, weil sie niemals aufgeben“, erklärte Beierlorzer.

Ein paar zusätzliche Minuten Verschnaufpause gönnten die Akteure auf dem Rasen dem Publikum und den Trainern an der Seitenlinie aber in diesem nervenaufreibenden Spiel. Dann ging es aber wieder rasant zur Sache. Grüttner tankte sich im Strafraum durch und markierte mit seinem zweiten Saisontreffer den erneuten Ausgleich (52.). Die nächsten Szenen waren die, die dem Jahn-Trainer neben den beiden folgenschweren individuellen Fehlern im ersten Durchgang sauer aufstießen. „Beim Stand von 3:3 hatten wir zwei hundertprozentige Torchancen. Da müssen wir Tor Nummer vier machen und damit in der Schüco-Arena das Licht ausmachen“, monierte Beierlorzer. Grüttner (61.) und Adamyan (73.) fanden aber in DSC-Keeper Stefan Ortega ihren Meister. In der 63. Minute hatten die Regensburger allerdings Glück, dass Nils Seufert nur die Latte traf.

„Der Lucky Punch hat gefehlt – der war auf der anderen Seite.“

Benedikt Saller

„Der Lucky Punch hat gefehlt – der war auf der anderen Seite“, erklärte Saller. Fabian Klos köpfte zwei Minuten vor Schluss ein zum 4:3. Patrick Weihrauch traf in der Nachspielzeit – nachdem Pentke mit nach vorne geeilt war - noch ins leere Jahn-Tor zum 5:3. Dieses Ergebnis ist sehr ärgerlich, es spiegelt das Spiel nicht wider“, haderte Pentke und fügte hinzu: „Es ist ein ganz verrücktes Spiel gewesen mit einem beschissenen Ergebnis für uns.“

Nach der Partie gaben die Regensburger derweil bekannt, dass sie kurz vor Transferschluss noch einen Neuzugang verpflichtet haben. Mittelfeld-Talent Adrian Fein kommt auf Leihbasis vom FC Bayern München.

Hier gibt es den Liveticker zum Nachlesen:

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