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Fussball

SSV Jahn: Das Kreuz mit dem vielen Lob

Ein tolles Jahr geht für die Regensburger zu Ende. Und wieder einmal müssen sie aufpassen, sich nicht einlullen zu lassen.
Von Jürgen Scharf

Vor eineinhalb Jahren spielte der SSV Jahn (hier rechts im Bild Jann George, im Zweikampf mit Johannes Wurtz) das bislang letzte Mal gegen den VfL Bochum. Im Freundschaftsspiel in der Regensburger Continental-Arena gab es damals ein 2:2-Unentschieden. Foto: Nickl
Vor eineinhalb Jahren spielte der SSV Jahn (hier rechts im Bild Jann George, im Zweikampf mit Johannes Wurtz) das bislang letzte Mal gegen den VfL Bochum. Im Freundschaftsspiel in der Regensburger Continental-Arena gab es damals ein 2:2-Unentschieden. Foto: Nickl

Regensburg.Vor ein paar Monaten hieß der Trainer des SSV Jahn Regensburg noch Heiko Herrlich. Der war bei der Wahl seiner Worte, um die Spieler bei der Stange zu halten, nicht zimperlich. Das viele Lob, das es nach guten Leistungen für die Mannschaft gab, bezeichnete er einmal als „schleichendes Gift“. Ein Gift, das Hochmut bewirke. Und der sei im Fußball unverzeihlich.

Welches Gegenmittel Herrlich den Spielern verabreichte, ist nicht bekannt. Es muss auf jeden Fall ein wirksames gewesen sein. Am Ende stand der Aufstieg in die 2. Liga. In dieser hat der Jahn nun fast eine gesamte Vorrunde absolviert – und die Spieler müssen schon wieder aufpassen, dass ihnen nicht von Lobeshymnen die Sinne vernebelt werden. Von allen Seiten wird ihnen zugesteckt, wie toll sie zuletzt gespielt haben. Mit großer Bewunderung wird vom frechen Aufsteiger aus der Oberpfalz gesprochen, der sich mit 13 Punkten aus den letzten fünf Spielen auf den siebten Platz vorgearbeitet hat.

Sargis Adamyan verletzte sich zuletzt an der Wade. Foto: Nickl
Sargis Adamyan verletzte sich zuletzt an der Wade. Foto: Nickl

Am Samstag spielt der Jahn gegen den VfL Bochum. Und die Kunde von der Erfolgsserie des Aufsteigers ist natürlich auch im Ruhrpott angekommen. Vor der Abreise nach Bayern wurde VfL-Trainer Jens Rasiejewski gefragt, was er denn glaube, warum die Regensburger aktuell so gut seien. „Haben die vielleicht den Stein der Weisen entdeckt?“, unkte ein Reporter. In die Fabelwelt wollte Rasiejewski sich dann doch nicht ziehen lassen, sein großer Respekt vorm Jahn war aber deutlich zu spüren: „Sie haben ihr Muster, wie sie zum Erfolg kommen, gefunden.“

Ein cleverer Punktesammler

Dieses Muster wird von Achim Beierlorzer vorgegeben. Der hat das Traineramt von Herrlich im Sommer übernommen. Über das Lob der anderen spricht er derzeit nicht viel. Der 50-Jährige hat seine ganz eigene Taktik, um Hochmut zu vermeiden. Er lobt selbst – und zwar die anderen.

Der VfL Bochum, das sei ein „absoluter Top-Verein mit Super-Spielern“. Beierlorzer setzt gleich hinzu, dass er das eigentlich jede Woche über den kommenden Gegner sage, aber es sei eben wirklich so, dass für den Jahn in dieser Liga mit all den großen Klubs jeder Spieltag ein Festtag ist.

„Zwei Trainer-Entlassungen schon, das ist schon auch verwunderlich“

Jahn-Coach Achim Beierlorzer über das Personalkarussell in Bochum

In diesem Jahr sind es noch zwei Festtage, auf die sich der Jahn freuen kann. Und es kommt fast wie eine Belohnung für gute Leistungen daher, dass die Regensburger zum Endspurt zwei Heimspiele haben. Am Samstag ist Bochum zum Abschluss der Hinrunde zu Gast, eine Woche später Armina Bielefeld.

Die Bochumer wurden vor dieser Saison als Aufstiegskandidat gehandelt. Von diesen Träumen ist aber nicht mehr viel übrig. Bereits in der Vorbereitung wurde der Trainer ausgetauscht. Ismail Atalan kam für Gertjan Verbeek. Bereits Anfang Oktober musste auch Atalan wieder gehen. Für ihn übernahm der vormalige Co-Trainer Rasiejewski. Der sollte das Team zunächst mal bis zur Winterpause betreuen. Am Freitag wurde nun bekannt gegeben, dass er Chefcoach bleibt und einen Vertrag bis 2019 erhält.

Hier finden Sie die ausführliche Vorrunden-Bilanz des Jahn-Trainers

Dass er es für seinen Berufsstand nicht unbedingt gut findet, wenn ein Verein bei Trainern einen derartigen Verschleiß hat, lässt Beierlorzer recht deutlich durchblicken. „Zwei Trainer-Entlassungen schon, das ist schon auch verwunderlich“, kommentierte er die Bochumer Personalpolitik. In Hinblick auf das kommende Spiel konzentriert er sich aber vor allem auf die Personen, die noch für den VfL arbeiten – und das seien „alles brutal bundesliga- und zweitligaerfahrene Spieler“.

Gimber wohl wieder im Team

In der Tat: Mit Sidney Sam, Tim Hoogland oder Lukas Hinterseer haben die Bochumer einige bekannte Namen in ihren Reihen. Aber auch die Regensburger haben zuletzt daran gearbeitet, dass ihre immer bekannter werden. Nicht zuletzt Sargis Adamyan, der mit seinen Dribblings für Furore sorgte. Weil er weiter unter den Nachwirkungen eines Schlags auf die Wade, den er am vergangenen Wochenende erlitt, leidet, ist sein Einsatz gegen Bochum allerdings noch fraglich. Ohnehin muss Beierlorzer den verletzten Andy Geipl ersetzen. Für ihn könnte wieder Benedikt Gimber auflaufen.

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