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Fussball

SSV Jahn: Ein Kullertor zum Traumstart

Der kuriose Treffer von Marc Lais beschert den Regensburgern den Sieg im bayerischen Derby. Einer kann den besonders feiern.
Von Jürgen Scharf

Die Entscheidung: Marc Lais (zweiter von rechts) zieht ab. Abgefälscht landet der Ball zum 2:1 für den Jahn im Tor der Ingolstädter. Fotos: Nickl
Die Entscheidung: Marc Lais (zweiter von rechts) zieht ab. Abgefälscht landet der Ball zum 2:1 für den Jahn im Tor der Ingolstädter. Fotos: Nickl

Regensburg.Einige hundert Fans aus Ingolstadt waren da, zudem die Spieler, Trainer und Betreuer das FC. Die muss man abziehen. Unterm Strich dürften es dennoch weit mehr als 12 000 Menschen gewesen sein, die am frühen Samstagabend mit bester Laune die Continental-Arena verließen. Der SSV Jahn Regensburg hatte seine Fans in einem mitreißenden Spiel begeistert und mit 2:1 gewonnen. Von einem „Super-Start“ in die neue Saison sprach Jahn-Verteidiger Asger Sörensen – und von einem tollen Gemeinschaftserlebnis: „Die Stimmung im Stadion war überragend.“

Neue Saison, neues Glück. Trainer Achim Beierlorzer hatte in den Tagen vor dem Spiel noch einmal alle Register gezogen. Keiner dürfe auf den Gedanken kommen, dass es für den SSV Jahn – trotz des tollen fünften Platzes in der Vorsaion – selbstverständlich sei, in der 2. Liga zu spielen. Die Zulassung müsse quasi wieder von Neuem erarbeitet werden. Die erste Prüfung haben die Regensburger dabei nun allerdings glänzend bestanden.

Die mahnenden Worte werden Beierlorzer in den kommenden Wochen aber sicher nicht ausgehen. Möglicherweise wird er dabei auch immer wieder an die erste halbe Stunde des Spiels gegen Ingolstadt erinnern. Da wirkten die Regensburger nämlich nicht wie ein Team, das bereits eine starke Saison in der 2. Liga hinter sich hat, sondern eher wie ein Neuling, der sich noch zurechtfinden muss. „Ich glaube, da hat uns ein bisschen die Entschlossenheit und der Mut gefehlt“, analysierte der Coach später.

Benedikt Sallers großer Auftritt

Die Ingolstädter nutzten dies bereits nach fünf Minuten eiskalt aus. Dario Leczano passte den Ball zu Konstantin Kerschbaumer und der vollendete aus 18 Metern mit einem Schlenzer zum 1:0 für die Gäste. Die schafften es danach auch, das Spiel mehr und mehr zu kontrollieren. Dem Jahn fiel zunächst nur wenig ein. Von ihrer Dominanz konnten sich die Gäste zur Halbzeit aber nichts mehr kaufen. Eine Minute vor der Pause gab es nämlich urplötzlich den großen Auftritt eines Regensburgers. Außenverteidiger Benedikt Saller trieb den Ball durchs Mittelfeld. Die Ingolstädter konnten ihn einfach nicht stoppen. Saller dribbelte sich bis in den Strafraum hinein und vollendete sein traumhaftes Solo mit einem zielgenauen Schuss ins linke Eck zum 1:1-Ausgleich.

Einen ausführlichen Spielbericht finden Sie hier

Ausgerechnet Saller, könnte man sagen. Vor genau einem Jahr, am ersten Spieltag der vergangenen Saison, musste der Jahn in Bielefeld ran. Damals lief es zum Start in die neue Spielzeit für Saller ganz anders. Er hatte einen rabenschwarzen Tag und wurde nach einer Stunde vom Trainer vom Platz geholt. Nun war er aber der gefeierte Held. Auch die Mitspieler lobten ihn ausdrücklich. Eine „Super-Einzelleistung vom Bene“ hatte Kapitän Marco Grüttner beim Tor beobachtet. Saller selbst musste den Reportern immer wieder erzählen, wie er das denn gemacht habe. „Es war ein Momentum da, wo ich brutal drin war“, beschrieb er seinen Slalomlauf durch die Ingolstädter Abwehr. „Und wenn man schon mal in der Position ist, sollte man aufs Tor schießen.“ Er tat es – und traf voll ins Schwarze.

Torjubel Benedikt Saller (Regensburg) mit Albion Vrenezi (Regensburg) und Andreas Geipl (Regensburg)
Torjubel Benedikt Saller (Regensburg) mit Albion Vrenezi (Regensburg) und Andreas Geipl (Regensburg)

Der Ausgleich habe richtig gut getan, meinte Coach Beierlorzer. In der Halbzeit habe er mit dem Team dann noch an ein „paar Details geschraubt“ – und plötzlich war der Jahn voll da. Wie entfesselt spielten die Regensburger in der zweiten Halbzeit auf und beeindruckten das Publikum mit ihrer Leidenschaft. „Es war ein sehr intensives und ein sehr interessantes Derby mit vielen Chancen auf beiden Seiten“, meinte Ingolstadts Coach Stefan Leitl – und hatte damit zweifellos Recht.

„Ein bisschen kurios“

Eine dieser vielen Chancen nutzte dann Marc Lais zum Siegtreffer für den Jahn. In der 72. Minute kam er in einem Getümmel im Strafraum der Gäste an den Ball. Es sei „ein bisschen kurios“ gewesen, erzählte er. „Ich bin irgendwie in die Hocke und hab den Ball mit dem Bauch angenommen.“ Als er wieder stand, habe er dann „irgendwie“ aufs Tor geschossen – und Ingolstadts Frederic Ananou fälschte den Ball ebenfalls irgendwie aber auf jeden Fall unhaltbar für seinen Keeper Marco Knaller ab. „Hauptsache, er war drin“, meinte Lais.

„Jetzt haben wir die ersten drei Punkte auf einem langen Weg“

Marco Grüttner

„Jetzt haben wir die ersten drei Punkte auf einem langen Weg“, meinte Marco Grüttner nach der Partie. Doch nicht nur die drei Punkte sind sehr wertvoll für den Jahn, auch der Kredit, den sich die Mannschaft alleine durch dieses erste Spiel beim Publikum erarbeit haben dürfte, kann immens wichtig sein, wenn es mal nicht so gut laufen sollte.

„Wir sind superfroh“, fasste Beierlorzer die aktuelle Lage beim Jahn zusammen. Er verschwieg dabei aber auch nicht, dass es für den Erfolg an diesem Tag eines Tores bedurft hatte, „das halt dann einfach irgendwann über die Linie getrullert ist“.

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