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SSV Jahn

Tolle Überraschung für den Jahn

Sebastian Stolze stand zuletzt in der Kritik. Im Kellerduell gegen Kaiserslautern wird er nun plötzlich zum Matchwinner.
Von Jürgen Scharf, MZ

Jubel der Torschützen: Sebastian Stolze (vorn) und Marvin Knoll. Foto: Nickl
Jubel der Torschützen: Sebastian Stolze (vorn) und Marvin Knoll. Foto: Nickl

Regensburg.Immer und immer wieder wurde Sebastian Stolze nach dem Spiel gefragt, wie er sich als Matchwinner denn so fühle. Stolze wollte aber partout nicht über sich reden. Er sprach nur über die Mannschaft und über den Klub, der seiner Meinung nach wie eine Familie sei. Auch in den vergangenen Wochen, als „nicht alles super“ lief, wie er sagte, hätten alle beim SSV Jahn Regensburg zusammengehalten: „Und heute hat man gesehen, was wir können.“ Vor allem aber hat man auch gesehen, was Stolze kann. Der 22-jährige Allrounder war beim 3:1-Sieg im Kellerduell der 2. Liga gegen den 1. FC Kaiserslauternder überragende Mann.

Es dürfte nur wenige Menschen geben, die vorher darauf getippt hätten, dass ausgerechnet der vom VfL Wolfsburg ausgeliehene Stolze die Partie gegen Kaiserslautern entscheiden würde. Bisher war die Saison für den gebürtigen Thüringer eher durchwachsen verlaufen. Nur selten stand er in der Startelf. Und wenn, dann wurde er bislang als Außenverteidiger eingesetzt. Vor einer Woche in Aue verlor er vor dem entscheidenden Gegentor den Ball und wurde von Trainer Achim Beierlorzer danach ausgewechselt. Seine Zeit in der Startelf schien vorerst vorbei. Wenn nicht Beierlorzer für die Partie gegen den 1. FC Kaiserslautern nach eigener Aussage fest daran geglaubt hätte, dass Stolze „die richtige Geschwindigkeit“ hat, um die Abwehr des Gegners auszuspielen – und er ihn deswegen wieder von Beginn an, dieses Mal im Mittelfeld, auf den Platz schickte.

„Der Wind stand gut!“

Marvin Knoll über sein Traumtor zum 2:1

Ein ganz klein wenig dürfte Stolzes Nominierung allerdings auch mit dem Verletzungspech zweier Teamkollegen zu tun gehabt haben. Jann George und Joshua Mees, die sonst meistens auf den Flügeln spielen, mussten beide passen. „Dadurch, dass Josh und Jann verletzt waren, habe ich schon darauf gelauert“, meinte Stolze, „und es hat mich gefreut, dass ich heute spielen konnte.“

„Richtungsweisende Partie“

Wenn er weiter so auftritt wie am Samstag, wird er vermutlich noch öfter spielen dürfen. Angetrieben von ihm und Sargis Adamyan auf der anderen Seite machte der Jahn gegen Kaiserslautern von Beginn an mächtig Druck. Die Partie gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf war „richtungsweisend“, wie auch der Coach später noch einmal betonte. Drei Mal hatten die Regensburger zuletzt in der Liga am Stück verloren. Nun sollte, ja musste es unbedingt den Befreiungsschlag geben.

Dieser Druck machte den Regensburgern offensichtlich aber nicht zu schaffen. Vielmehr traten die Oberpfälzer selbstbewusst und einfallsreich wie lange nicht mehr auf. Alexander Nandzik dribbelte sich mehrmals rotzfrech durch die Abwehr der Lauterer, Andy Geipl ordnete im Mittelfeld das Spiel seiner Mannschaft und hinten räumten die Innenverteidiger Sebastian Nachreiner und Marvin Knoll alles ab.

Trainer Achim Beierlorzer ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Foto: Nickl
Trainer Achim Beierlorzer ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Foto: Nickl

Bereits nach zehn Minuten lagen sich die Regensburger Spieler – und auch die Jahn-Fans auf den Tribünen – in den Armen. Eine Hereingabe von Nandzik flog zunächst an Freund und Feind vorbei. Stolze hatte sich jedoch clever freigeschlichen und kam plötzlich vorm Tor an den Ball. Abgezockt schloss er zum 1:0 ab. „Da schalte ich vielleicht einen Tick schneller als mein Gegenspieler. Das ging so schnell, in der Situation selbst denkt man nicht viel nach“, erzählte er später. Von seinem zweiten Treffer zum 3:1 in der zweiten Halbzeit war er dann selbst überrascht.

Hier hatte Geipl bei einem Freistoß in den Strafraum geflankt, Stolze vollendete quer in der Luft liegend zum 3:1 (49. Minute): „Ich habe erst gar nicht gesehen, dass der Ball drin war. Als dann alle zu mir kamen, war auch mir klar, dass es ein Tor war.“

Zwischen Stolzes Treffern gab es zunächst einen Elfmeter für die Lauterer, den Christoph Moritz zum Ausgleich verwandelte (14. Minute). Von diesem Rückschlag ließen sich die Regensburger dieses Mal aber nicht beirren. „Wir haben uns heiß gemacht und auch während des Spiels war die Stimmung auf dem Platz sehr, sehr gut“, berichtete Knoll von der Atmosphäre auf dem Rasen. Der überragend spielende Innenverteidiger trug auch entscheidend dazu bei, dass die Stimmung in seiner Mannschaft passte. Als es nach einer halben Stunde einen Freistoß gab, legte er sich den Ball zurecht. Aus 25 Metern zirkelte er diesen rechts oben ins Tor.

Marvin Knolls traumhafter Schuss

Aus seinem traumhaften Schuss wollte er danach allerdings keine große Sache machen. „Der Wind stand gut“, meinte er lapidar. Er wisse, dass sich das vielleicht etwas seltsam anhöre, aber bei einem Schuss aus dieser Entfernung müsse man den Wind miteinberechnen. Das habe er getan – und der Rest sei dann gar nicht so schwierig gewesen.

Marvin Knoll und seine Wortschöpfung nach der Partie

„Er ist ein ganz engagierter und williger junger Spieler, der großes Talent hat.“

Achim Beierlorzer über Sebastian Stolze

Für Stolze freute sich Knoll übrigens besonders: „Das ist für so einen jungen Spieler sehr wichtig. Er ist ein Mann und hat heute Eier bewiesen und ein Riesenspiel gemacht.“ Auch der Trainer sprach – wenig überraschend – sehr wohlwollend über den zweifachen Torschützen: „Er ist ein ganz engagierter und williger junger Spieler, der großes Talent hat.“ Ein Talent, das Stolze nun zum ersten Mal richtig zeigte – und dem Klub damit einen großen Dienst erwies. Mit dem Sieg konnten die Regensburger den Vorsprung auf Kaiserslautern, die abgeschlagen Tabellenletzter bleiben, ausbauen. Da die anderen Teams im Tabellenkeller aber auch punkten konnten, geht es dort weiter eng zu. Und deswegen blickte Kapitän Marco Grüttner direkt nach der Partie voraus: „Jetzt können wir uns kurz freuen, dann geht es aber schon wieder um das nächste wichtige Spiel gegen Greuther Fürth.“

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