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Fussball

Torjubel vor gähnend leeren Rängen

Der Jahn ist sportlich in der Spur – dennoch schwindet das Zuschauerinteresse. Die Veranstaltungsräume sind gut gebucht.
Von Norbert Lösch, MZ

  • Der Gegner am Boden, Jahn-Stürmer Marco Grüttner jubelt über seinen Treffer – und hinter ihm verlieren sich nur wenige Zuschauer. Foto: Johannes Gatzka
  • Mit den Buchungszahlen für den Business- und Veranstaltungsbereich der Arena sind die Badebetriebe sehr zufrieden. Foto: RBB

Regensburg.Der 17. Dezember markierte den Tiefpunkt des Jahres in der Continental Arena. Nicht etwa sportlich, denn um 15.50 Uhr hatte der Jahn den Gegner aus Münster mit 3:1 nach Hause geschickt. Bei dem mitreißenden Spiel wurde allerdings gerade noch so die 4000-Zuschauer-Marke geknackt – das ist sehr dürftig und ließ die Hausherren, vor allem aber den Stadionmieter, etwas ratlos zurück.

Zum Rückblick auf das Jahr 2016 in der Continental Arena gehört nun mal auch die Zuschauerstatistik. Und die besagt, dass die Resonanz schwindet und durchschnittlich noch nicht einmal die ohnehin bescheiden kalkulierte Kulisse von 5700 Fans pro Heimspiel erreicht wurde. „Die Zahlen entsprechen nicht den Erwartungen“, redete Jahn-Vorstandsboss Hans Rothammer schon im Herbst Klartext.

Auslastungsgrad von 36 Prozent

Knapp 5500 Zuschauer passierten im Schnitt die Drehkreuze zum neuen Stadion, seit der Jahn in der 3. Liga mitmischt. Das ist nur unwesentlich mehr als in den ersten sieben Punktspielen des Jahres eine Spielklasse tiefer und ganz weit weg vom Aufstiegsspiel gegen die Zweite aus Wolfsburg, das am 29. Mai mehr als 14000 Zuschauer sehen wollten. Unter dem Strich hält die Statistik aktuell einen Auslastungsgrad der Continental Arena von gerade einmal 36 Prozent fest.

Erklärungsversuche gibt es zuhauf: Einmal wird das Wetter verantwortlich gemacht, dann die Möglichkeit, viele Spiele zumindest im Livestream zu Hause verfolgen zu können. Der Neugier-Effekt des Stadions sei aufgebraucht, die Eintrittspreise seien zu hoch, die Leistung des Drittliga-Aufsteigers sei nicht konstant genug, und jenseits eines harten Kerns von 3000 bis 4000 Anhängern handle es sich ohnehin um „Erfolgsfans“, die nur kommen, wenn es sportlich richtig gut läuft.

Das letzte Argument ist nur schwer nachvollziehbar: Ausgerechnet nach dem überraschenden 3:0-Auswärtssieg des Jahn in Chemnitz fand das letzte Heimspiel des Jahres gegen Preußen Münster vor einer enttäuschenden Kulisse statt. Mit gezählten 4012 Zuschauern war der Besuch so schlecht wie noch nie in dieser Saison. Die relativ wenigen, die gekommen waren, sahen eine packende Partie und werteten den Sieg als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk der Mannschaft.

Ein nur zu einem Drittel gefülltes Stadion und komplett leere Blöcke in der Nordhälfte vermitteln jedenfalls nicht gerade Spitzenfußball-Atmosphäre. Das beklagen auch die Verantwortlichen beim Jahn, für den die Flaute durchaus eine wirtschaftliche Dimension hat. Denn 1000 zahlende Zuschauer mehr oder weniger machen bei jedem Heimspiel etwa 20000 Euro aus, je nach Verteilung auf Steh- oder Sitzplätze.

„Wir haben vor der Saison erstmals 2000 Dauerkarten verkauft und damit den Höchstwert aus dem Jahnstadion verdoppelt.“

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller bewertet die Entwicklung so schlecht nicht. Er sagt: „Der aktuelle Zuschauerschnitt bleibt zwar hinter unseren Erwartungen zurück, er verdeutlicht aber dennoch auch die positive Entwicklung, die der SSV Jahn in dieser Hinsicht in der jüngeren Vergangenheit genommen hat.“ So habe sich die Anzahl der Stammbesucher seit dem Umzug in die Continental Arena deutlich vergrößert. „Wir haben vor der Saison erstmals 2000 Dauerkarten verkauft, damit den Höchstwert aus dem Jahnstadion verdoppelt und uns auch im Vergleich zur Regionalliga-Saison noch einmal erheblich gesteigert.“

Zum Thema Sympathieträger Ostbayerns sagt der Geschäftsführer: „Höhepunkte wie das Relegations-Rückspiel gegen Wolfsburg oder die erste DFB-Pokal-Hauptrunde gegen Hertha BSC haben gezeigt, dass der SSV Jahn die Menschen in Ostbayern bei besonderen Höhepunkten bereits wieder in seinen Bann ziehen kann. Unser Ziel ist es, die breite Masse der Fußballfans in unserer Region künftig auch im Liga-Alltag anzusprechen. Dafür muss es uns gelingen, den SSV Jahn weiter in der ostbayerischen Gesellschaft zu verankern.“

Rechnet man zu den Liga-Spielen noch Pokal-Partien, Freundschaftsspiele und das nahezu ausverkaufte Länderspiel der DFB-Frauen gegen Österreich am 22. Oktober dazu, gab es 2016 in der Continental Arena 22 Fußballspiele. Zu diesen kamen mehr als 135000 Besucher, was einen Durchschnitt von rund 6150 bedeutet. Auch die Regensburger Badebetriebe, Hausherr im Stadion, könnten sich durchaus mehr vorstellen. Auf der anderen Seite ist Geschäftsführer Manfred Koller sehr froh darüber, dass nach der teils vernichtenden Kritik im Eröffnungsjahr 2015 der Arena-Betrieb mittlerweile gut läuft. „Wir haben 2016 unsere Prozesse und Abläufe weiter optimiert. Vieles hat sich gut eingespielt. Die Anreise und Durchführung bei den Fußballspielen zum Beispiel klappt nun hervorragend“, sagt Koller am Jahresende.

Neue Vermarktungsstrategien

  • Idee:

    Bei „zwei großen Stellhebeln“ will der Jahn ansetzen, wenn es um künftige Vermarktungsstrategien geht. Laut Jahn-Geschäftsführer Christian Keller sind das die Bereiche „Sichtbarkeit“ und „Angebotsstruktur“.

  • Strategieplan:

    „Wir haben einen Strategieplan erarbeitet, von dessen Umsetzung wir uns eine Steigerung in beiden Punkten erhoffen“, sagt Keller am Jahresende 2016.

  • Sichtbarkeit:

    „Wir wollen unter anderem durch den Ausbau unserer Medienkooperationen und eine optimierte Spieltagsbewerbung in der Region sichtbarer werden.“

  • Angebot:

    Tickets sollen attraktiver werden. „Zudem arbeiten wir auch an einer Steigerung der Attraktivität unseres Angebotes im Ticketing. Das betrifft die allgemeine Preisgestaltung genauso wie das Schaffen spezieller Angebote.“ (nl)

Der Hausherr ist durchaus zufrieden

Die Hausherren interessiert aber nicht nur das Geschehen rund um den grünen Rasen. Denn die Veranstaltungsräume in der Arena können ganzjährig „bespielt“ werden. Für die Stadt hat das ebenso einen finanziellen Aspekt, zumal sich die Stadionmiete, die der Jahn pro Heimspiel zahlt, mit 5000 Euro nach wie vor bescheiden ausnimmt. „Ich bin mit der Entwicklung im Veranstaltungsbereich an spielfreien Tagen mehr als zufrieden“, verweist Manfred Koller auf eine gute Jahresbilanz in diesem Bereich. „233 unterschiedlichste Veranstaltungen mit fünf bis über 900 Gästen – insgesamt waren es über 20000 Besucher – sprechen hier eine deutliche Sprache. Auch für die ersten Monate im kommenden Jahr sind schon sehr viele Reservierungen im Buchungskalender eingetragen“, freut sich der RBB-Geschäftsführer.

Wir blicken zurück auf das Jahr 2016. Hier geht es zu den Geschichten!

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