MyMz
Anzeige

Fussball

Walter und Kiel: Gesucht und gefunden

Holsteins neuer Trainer hat einen steilen Aufstieg hingelegt. Beim Jahn-Gegner schwärmen sie zudem von einem Südkoreaner.
von Felix Kronawitter

Ist bisher ganz zufrieden mit seinen Kielern: Coach Tim Walter Foto: Eibner
Ist bisher ganz zufrieden mit seinen Kielern: Coach Tim Walter Foto: Eibner

Kiel.Tim Walter ist ein Mann, der mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet ist. Nachdem im Mai klar war, dass er sich vom FC Bayern München verabschiedet, hatte er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf die Frage nach seinem künftigen Klub folgendes mit einem Augenzwinkern zu Protokoll gegeben. „Ich suche nicht. Die Vereine suchen mich.“ Kiel hat ihn gefunden. Bei Holstein tritt der 42-Jährige in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Markus Anfang führte die „Störche“ innerhalb von nicht einmal zwei Jahren von der 3. Liga bis zu den Relegationsspielen zur Bundesliga. Den ganz großen Coup versaute dort den Kielern aber Wolfsburg.

Trainer weg, Sportchef weg, 14 Spieler weg: Nicht wenige prophezeiten Kiel vor dem Start in die neue Zweitliga-Saison große Probleme nach dem Umbruch. Doch zum Auftakt fegte Kiel Bundesliga-Absteiger Hamburger SV mit 3:0 weg, erkämpfte sich nach fast 45-minütiger Unterzahl ein 1:1 gegen Heidenheim und drehte das Pokalspiel gegen den TSV 1860 München.

Walter sieht Luft nach oben

„Ich denke, dass Fabian Wohlgemuth (Anm. d. Red.; der neue Geschäftsführer Sport in Kiel) und ich bisher einen guten Job gemacht haben“, erzählt Walter im Gespräch mit der Mittelbayerischen mit Blick auf die Kaderzusammenstellung und den Auftakt. Er sei nicht überrascht gewesen, dass es gleich von Beginn an so gut läuft, aber umso erfreuter. Reifen in Kiel schon Träume von neuen Höhenflügen? „Überhaupt nicht. Wir wissen wo wir her kommen. Wir haben in vielen Bereichen noch viel Nachholbedarf“, erklärt Walter, der in Bruchsal, nahe Karlsruhe geboren ist. Mit Zielen sei er immer vorsichtig. „Wir wollen Woche für Woche gewinnen und unsere Spieler jeden Tag weiterentwickeln. Wenn wir das schaffen, haben wir schon vieles erreicht.“

Lesen Sie hier: André Dej wartet noch auf seine Chance

Neben Coach Walter schwärmt man im hohen Norden derzeit vor allem von einem Südkoreaner. Mit Star-Import Jae-Sung Lee ist Walter und Wohlgemuth ein Transfercoup gelungen. Der WM-Teilnehmer, der mit seiner Landesauswahl in Russland gegen die deutsche Nationalmannschaft für eine Sensation gesorgt hatte, ist der neue Mittelfeldmotor. Südkoreas Fußballer des Jahres 2017 war zum Auftakt gleich der überragende Akteur. „Er ist mit Sicherheit ein Ausnahmekönner, muss aber noch Dinge dazulernen“, sagt Walter. Im kicker erklärte Lee, dass ihn vor allem die offensive Spielphilosophie von Tim Walter von einem Wechsel nach Kiel überzeugt habe. „Wir wollen immer agieren. Wir wollen Ballbesitz, aber zielorientiert“, skizziert Walter seine Spielidee.

Schmerzvolle Abgänge

  • Umbruch:

    Nach der vergangenen Saison haben 14 Spieler Holstein Kiel verlassen. Darunter ein Trio, das maßgeblichen Anteil daran hatte, dass es die Norddeutschen mit erfrischendem Fußball bis in die Bundesliga-Relegation schafften.

  • Verluste:

    Markus Anfang nahm Kapitän Rafael Czichos mit zum 1. FC Köln. Dominick Drexler fand bei seinem verrückten Wechsel den Weg von Kiel über Midtjylland ans Geißbockheim. Torschützenkönig Marvin Ducksch läuft nun für Düsseldorf auf.

Üppige Ablösesumme

Rund eine Million Euro Ablöse sollen die Kieler für Lee überwiesen haben. Coach Walter war 2015 Medienberichten zufolge dem FC Bayern München 200 000 Euro wert. Ganz schön viel Geld für einen Jugendtrainer. „Tja, das sollen andere beurteilen, ob ich das wert bin oder nicht“, sagt Walter mit einem Lächeln.

„Wir wollen immer agieren. Wir wollen Ballbesitz, aber zielorientiert.“

Tim Walter

Walter hat Sport studiert und ist 2006 als Trainer beim Karlsruher SC eingestiegen. Vor drei Jahren ging es nach München. Mit der U17 wurde er im zweiten Jahr deutscher B-Jugendmeister. Mit der U23 schaffte er es in der vergangenen Saison nicht, die Löwen einzufangen. Danach haben sich die Wege getrennt. „Beide Parteien wollten sich anders orientieren. Ich habe bei Bayern keine Zukunft mehr gesehen“, erzählt Walter, der laut eigener Aussage mehrere Angebote von anderen Klubs hatte. „Ich bin Bayern sehr dankbar für die Zeit. Wir haben beide voneinander profitiert, denke ich.“

Mit Kiel will er den guten Start mit einem Sieg am Sonntag in Regensburg noch weiter ausbauen. Und mit einer starken Saison in Kiel noch steiler aufsteigen? „Ich bin glücklich, da wo ich jetzt bin. Dann schauen wir mal, was die Jahre so bringen“, sagt Walter. Mal abwarten, ob er den Weg mit Kiel in die Bundesliga findet oder ob Walter vielleicht wieder ein anderer Klub findet.

Alle wichtigen Nachrichten zum SSV Jahn lesen Sie hier:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht