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Leichtathletik

Watter-Sportfest als London-Wegweiser

Regensburger Laufhoffnung Corinna Harrer soll in einem ausgeklügelten Rennen von Telis-Kollegen in die Spur nach London gebracht werden.
Von Claus-Dieter wotruba, MZ

Corinna Harrer macht am Samstag wichtige Schritte in die Olympiasaison. Foto: Archiv

REGENSBURG. Das gute, alte Leichtathletik-Sportfest kennt der (reifere) Sporttreibende aus alten Schultagen. In Deutschland sorgt ein Sterben der Meetings für Sorgen. In Regensburg aber lebt das Sportfest, seit 1980. Im Jahr zuvor war Rolf Watter verstorben, eine der treibenden Kräfte der damals florierenden Leichtathletik der Regensburger Turnerschaft (RT). Ihm zu Ehren laufen, springen und werfen sie nun stets zum Anfang der Saison in Regensburg. Am Samstag wieder, ab 13 Uhr im Stadion an der Universität.

Diesmal ist das gute, alte Sportfest wichtiger als in den Jahren zuvor. Die Termine, wegen der Europameisterschaft Ende Juni in Helsinki, wegen der Olympischen Spiele in London im August. Veranstalter LG Telis Finanz hat das Rolf-Watter-Sportfest deswegen nicht nur bayernweit wie sonst, sondern national mit internationaler Option ausgeschrieben. Anfangs ohne Resonanz. Inzwischen sind sogar ein Teilnehmer aus Russland und Österreicher gemeldet. „Die Teilnehmerzahlen steigen wieder“, sagt Kurt Ring, der heute eine der größten Triebfedern der Regensburger Leichtathletik ist. Vieles ist anders als früher. „In den Schülerklassen dünnt es dramatisch aus. Früher brachten genau die die Massen.“

500 Aktive werden es dennoch, das „sprint- und lauflastige“ Watter-Sportfest ist zweitgrößtes Meeting Bayerns nach der Sparkassen-Gala, die am 2. Juni an gleicher Stelle in Regensburg stattfindet. Kurt Ring verweist auf „ganz nette Läufe. Die Mittelstrecken sind gut besetzt“, sagt er.

Die Mittelstrecken: Das ist das Stichwort für Corinna Harrer. Wenn sie um 17.45 Uhr auf die Bahn geht, „könnte das ein Fingerzeig für Olympia werden“, sagt ihr Trainer Kurt Ring. „Der letzte Trainingsblock war glänzend. Von der Form ist alles hergerichtet.“ In einem gemischten Rennen sollen sie am Samstag die Teamkollegen Philipp Pflieger und Sebastian Reinwand führen.

Harrers Abschneiden beim Watter-Sportfest bestimmt den weiteren Saisonverlauf. Am Freitag vor Pfingsten in Dessau und zwei Tage später in Hengelo soll „zumindest die EM-, wenn’s geht die Olympia-Norm“ (Ring) herausspringen. Für Helsinki wären das 4:08, für London 4:05,50. „Dann könnten wir in Regensburg am 2. Juni bei der Gala ganz ruhig die 800 Meter angehen“, sagt Ring, der selbst nervös ist, ob alles wie geplant läuft.

Auch andere Athleten der LG Telis Finanz kämpfen um hohe Ziele: Weitspringerin Michelle Weitzel wartet noch mit dem Saisoneinstieg. Neuzugang Maren Kock ließ am Mittwochabend im kalten Dortmund mit einer Bestzeitensteigerung von 9:11,30 auf 8:55,60 nur 13 Hundertstel hinter Corinna Harrers Auftakt in Lichtenfels. Kock will am 23. Mai die EM-Nord für Helsinki (15:30 Minuten) in Angriff nehmen. In Koblenz kann Jonas Koller die U-20-WM-Qualifikation für Barcelona erreichen.

„Wir sind sehr multipel tätig“, sagt Kurt Ring. Das Beispiel Philipp Pflieger, für den ein Europacup-Start für Deutschland am 3. Juni ein Thema ist, zeigt das auch. Erst hilft er am Samstag Corinna Harrer als Tempomacher und simuliert die Laktatbelastung eines Langstreckenrennens. Zwei Rennen später startet Pflieger beim Watter-Sportfest selbst über 1500 Meter und sieht das Ergebnis. Man sieht: Das gute, alte Sportfest erfüllt in Regensburg auch neue Zwecke allerbestens.

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