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Biathlon

Dahlmeier oder Neuner? Kein Vergleich!

Biathlon-Ikone Fritz Fischer zieht im MZ-Gespräch eine erste Bilanz der WM in Oslo – und kann sich manchmal nur wundern.

Regensburg.Herr Fischer, am Wochenende stehen die abschließenden Wettbewerbe bei der Biathlon-WM in Oslo auf dem Programm. Wie bewerten Sie das bisherige Abschneiden der deutschen Mannschaft?

Wir können mehr als zufrieden sein, denke ich. Durch die tollen Erfolge von Laura Dahlmeier ist Biathlon wieder in aller Munde. Das strahlt auf unsere ganze Sportart ab.

Bei den Männern schaut‘s bisher nicht ganz so rosig aus...

Natürlich hatten wir gehofft, dass für Simon Schempp die eine oder andere Medaille mehr herausspringt. Und mit Silber in der Mixed-Staffel ging es auch prima los. Aber es ist ja nicht so, dass du nach Oslo fährst und dort im Vorbeigehen eine WM-Medaille nach der anderen abgreifst. Nein, wir sollten nicht unzufrieden sein: Auch die Platzierungen der Männer waren bisher okay. Wenn Simon im Sprint die eine Scheibe trifft, wäre er nicht Achter gewesen, sondern hätte Silber gehabt. Dann bräuchten wir hier gar nicht zu diskutieren. Da fehlte nur das Quäntchen Glück, das du im Biathlon immer brauchst. Und am Wochenende gibt‘s mit der Staffel und im Massenstart die erhofften Medaillen. Da kommt noch was, da bin ich ganz sicher.

Laura Dahlmeier Foto: dpa
Laura Dahlmeier Foto: dpa

Trotzdem überstrahlen Laura Dahlmeiers Leistungen alles. Ist sie die neue Magdalena Neuner?

Nein. Wir sollten die Mädels nicht vergleichen. Laura mag diese Vergleiche auch nicht. Natürlich gibt’s Paralllelen: die sportlichen Voraussetzungen, die mentale Stärke. Aber Laura ist ein ganz anderer Charakter, eine andere Generation. Sie ist nicht das Glamour-Girl, sondern der Kumpeltyp, sehr bescheiden und unkompliziert. Sportlich ist sie auf einem guten Weg. Da kann sie in Magdalenas große Fußstapfen treten. Und sie hat momentan einen großen Vorteil.

Und der wäre?

Bei den Frauen ist die Leistungsdichte aktuell nicht mehr so da wie noch vor ein paar Jahren. Die Norwegerinnen und die Russinnen schwächeln. Das ist auffällig. Eine richtige Erklärung dafür habe ich auch nicht parat.

Magdalena Neuner Foto: dpa
Magdalena Neuner Foto: dpa

Dahlmeier hat im Gegensatz zu Schempp die Übersee-Rennen in Presque Isel und Canmore ausgelassen und vor der WM regeneriert. War das die richtige Entscheidung? Und hätte es Schempp nicht ebenso halten sollen?

Im Nachinein ist man immer schlauer. Simon muss daraus lernen. Er muss das mit seinen Trainern nach der Saison genau analysieren. Vielleicht sollte er nächstes Jahr die Übersee-Rennen auslassen. Aber gut, ich kenne das noch aus meiner Zeit: Wenn du gesund bist und dich gut drauf fühlst, brennst du einfach auf jeden Start. Und dann fängst du dir einen saublöden Infekt ein. Das kann immer mal passieren, so ein Biathlet ist ja wie eine sensibles Rennpferd.

Bei den Frauen ist die Leistungsdichte aktuell nicht mehr so da wie noch vor ein paar Jahren.

Also hat Dahlmeier mit der Pause alles richtig gemacht...

Sie ist erst 22. In diesem Alter steckst du die vielen Rennen nicht einfach so weg. Sie hat sich auf den Saisonhöhepunkt konzentriert, und das ist nun mal die WM. Von daher: Ja, alles richtig gemacht!

Ein Martin Fourcade läuft jedes Rennen...

...und gewinnt alle. Dass er bei dieser WM so dominieren würde, war in dem Ausmaß auch nicht abzusehen. Er ist halt jetzt der absolute Überflieger, so wie es Ole Einar Björndalen vor ein paar Jahren mal war. Jetzt staunen alle über das Abschneiden der Fanzosen bei der WM. Aber nehmen wir mal den Fourcade weg, dann schaut’s auch anders aus. Nein, ich sehe das deutsche Team mindestens auf Augenhöhe, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern.

Andreas Birnbacher hat während der WM überraschend seinen Rücktritt verkündet. Wussten Sie, dass er sich mit diesem Gedanken trägt?

Nein, aber ich kann ihn nachvollziehen. Nur der Zeitpunkt – zwei Tage vor dem Wettkampf – hat mich überrascht. Er ist jetzt 34 Jahre alt und ein Familienmensch. Da setzt du in deinem Leben andere Prioritäten. Ich finde es auch passend, dass er den Zeitpunkt des Abschieds selbst bestimmt. Er will ja jetzt die Trainerausbildung machen. Das ist gut so. Wir brauchen dringend gute Trainer, vor allem in der Biathlon-Nachwuchsarbeit.

Herr Fischer, vor Beginn dieser Saison hatten Sie im Gespräch mit unserer Zeitung die Hoffnung geäußert, dass deutsche Athleten auch mal wieder für den Gewinn des Gesamtweltcups infrage kommen könnten. Davon sind Laura Dahlmeier und Simon Schempp trotz ihrer starken Leistungen in diesem Winter noch ein Stück entfernt. Woran liegt‘s?

Laura braucht noch ein oder zwei Jahre, sie braucht noch ein bisschen Wettkampfhärte und Routine. Dann kann sie sich auf Sicht wohl nur noch selbst schlagen. Ähnliches gilt eigentlich auch für Simon. Er hat jetzt oft genug bewiesen, wozu er in der Lage ist. Aber gut, gegen eine Krankheit ist nun mal kein Kraut gewachsen. Da bist du machtlos.

Die russische Mannschaft ist weit von den Leistungen früherer Glanzzeiten entfernt. Aktuell ist Eduard Latypow, ein ehemaliger Junioren-Weltmeister, des Dopings überführt worden. Sehen Sie einen Zusammenhang mit dem schwachen Abschneiden der russischen Biathleten in Oslo?

Ich maße mir da kein vorschnelles Urteil an und respektiere zunächst mal die Leistung jedes Athleten. Aber es fällt definitiv auf, dass die Russen nicht mehr die Form früherer Jahre mitbringen. Über einen Zusammenhang lässt sich natürlich diskutieren. Wenn man schaut, was da alles abgeht, will ich gar nicht darüber nachdenken. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Prinzipiell gilt: Es wäre doch jammerschade, wenn eine so schöne und publikumsträchtige Sportart wie Biathlon durch so etwas kaputt gemacht würde.

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