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„Dann wird das ein geiles Spiel“

Timo Rost hat in Leipzig gespielt. Jetzt macht er seinen Fußballlehrer und spricht über das Topspiel am Mittwoch in München.
Von Claus Wotruba, MZ

Trainerüberlegungen: Timo Rost in Diensten des FC Amberg in der Conti-Arena in Regensburg
Trainerüberlegungen: Timo Rost in Diensten des FC Amberg in der Conti-Arena in RegensburgFoto: Nickl

Regensburg.Hätte ein Timo Rost in seiner Zeit in Leipzig 2010, 2011, 2012 darauf gesetzt, dass es so bald zu einer Spitzenspiel-Konstellation kommt wie am Mittwoch in München, wenn der Erste gegen den Zweiten der Bundesliga spielt?

Gesetzt hätte ich nichts. Aber es war vorauszusehen, welches Projekt da entsteht. Ich habe 2009 die Pläne mitgeteilt bekommen und bei meiner Vertragsunterschrift auch mit Dieter Mateschitz gesprochen. Da ist mir klar geworden, was dahintersteckt – nicht nur Phrasen und ein Geldgeber, der sich einen Namen machen will, sondern ein Geldgeber, der nach nachhaltig arbeitet.

Es war also klar, dass das ein Projekt für viele Jahre sein wird, mit dem Ziel ziemlich weit zu kommen?

Ich sag’s anders: Er hat zu mir damals gesagt, in der Formel 1 sind wir drei, vier Jahre belächelt worden mit Red Bull. Mein Ziel war von Anfang an, Weltmeister zu werden. Mit Vettel ist er es mehrfach geworden. Die Aussage damals: Wenn wir ein Ziel haben, werden wir es solange verfolgen, bis wir es erreichen – irgendwann wollen wir deutscher Meister werden.

Die Rost-Verpflichtung war Chefsache?

Absolut. Die Verhandlungen haben in der Zentrale in Fuschl am See stattgefunden. Dass die damals einen Spieler geholt haben, der jahrelang Bundesliga gespielt hat, Kapitän war und in die Regionalliga, ja ein halbes Jahr erst einmal Oberliga geht, war ein Zeichen. Das sah man an der Mannschaft, mit der wir damals gespielt haben, mit einem Ingo Hertzsch, Thomas Kläsener, Nico Frommer und und und – da war klar, dass die was vorhaben.

Gibt’s denn noch Kontakt zu Spielern von damals?

Das ist ja auch etwas, was Red Bull ausmacht: Ich bin zum Beispiel eingeladen worden zum Aufstieg in die erste Liga. Das ist eine Red-Bull-Familie und da wirst du auch nicht so schnell vergessen. Das ist schon was Cooles.

Da machte es auch nichts, dass es in den zwei Jahren nach dem Aufstieg aus der Oberliga nicht gleich mit dem nächsten Aufstieg weiterging?

Gar nicht. Das hat Mateschitz auch gesagt: Wenn er sich etwas in den Kopf setzt, dann wird er das durchziehen und solange dran bleiben, bis er es schafft. Das war damals kein Problem. Der Verein hat sich da nie aus der Ruhe bringen lassen. Im Gegenteil: Man sieht’s ja...

Die Karriere von Timo Rost

  • Die Anfänge:

    Nach seinen Jugendjahren in Amberg und Nürnberg, wo er beim Club auch sein Profi-Debüt gab, war die Erstliga-Hauptstation des 38-Jährigen Energie Cottbus, wo Rost 215 Spiele bestritt und auch Kapitän war.

  • Der Wechsel:

    Im Januar 2010 wechselte Rost in die Oberliga zu RB Leipzig, stieg sofort in die Regionalliga, scheiterte danach zweimal an einem weiteren Aufstieg in die 3. Liga und beendete 2012 seine Karriere vorübergehend. Ab 2013 zog Timo Rost als Spielertrainer die Fußballschuhe beim FC Amberg noch einmal an, stieg mit seinem alten Klub aus Jugendtagen 2015 in die Regionalliga Bayern auf, allerdings nach einem Jahr auch wieder ab.

Leipzig ist auch ein schönes Ziel als Trainer, oder? Da lässt sich viel machen.

Wenn du solche Ressourcen hast wie der Verein, kannst du viel machen. Entscheidender an der Sache ist etwas anderes: Es gibt auch andere Vereine, die viel Geld haben, aber die Frage ist, wie du das Geld einsetzt. Das wissen die meisten Leute nicht, dass jetzt im Osten – und ich war da ja lange genug – endlich mal ein Verein ist, der auch länger und dauerhaft Bundesliga spielen kann, irgendwann auch international und um die Meisterschaft spielen wird. Für den Ost-Fußball ist das ein absoluter Glücksgriff.

Ich hab mal die These aufgestellt, dass der Ostfußball – auf gut bayerisch – lange wie eine Weißwurscht ausgezuzelt wurde und es an der Zeit war, dass er mal was zurückkriegt. Leipzig ist ja nicht gerade ein Fußball-Standort ohne Tradition.

(lacht). Erstens das. Aber wenn man andere Vereine wie Leverkusen oder Wolfsburg sieht, ist das alles doch Blabla. Fakt ist: Wenn du auf dem Niveau spielen willst – Champions League und um die deutsche Meisterschaft – dann brauchst du zwei Sachen: A Geld und B Leute, die damit richtig und vernünftig umgehen und zielgerichtet arbeiten. Das machen die in Leipzig, richtig gut sogar. Zum Beispiel, wenn man in die Jugendarbeit reinguckt, was da alles passiert ist, auch in Salzburg. Da muss man den Hut ziehen. Ich würde schimpfen, wenn das Geld einfach nur rausgehauen würde und es nur eine Luftblase wäre. Aber wie dort gearbeitet wird, imponiert mir.

Die allgemeine Beurteilung ist also oft ein wenig oberflächlich.

Da ist viel Neid und Oberflächlichkeit dabei. Das ist schade, denn wenn man genau hinschaut, dann steckt da mehr dahinter. Auch harte Arbeit. Es ist ja nicht so, dass dir alles zugeflogen kommt, wenn du Geld hast. Das ist ja das Schöne am Fußball: Auch die Jungs, die Geld haben, müssen hart arbeiten, um bestehen zu können.

Würde ein Rost also die These stützen, dass Leipzig auf Dauer ein Spitzenverein sein wird.

Das unterschreibe ich blind. Weil der Verein definitiv mit klaren Zielen und Ambitionen nach außen auftritt und so arbeitet, dass die oben irgendwann richtig angreifen, also Champions-League-Qualifikation.

Wie ist die kurzfristige Einschätzung: Viele vergleichen ja mit Hoffenheim nach dem Aufstieg, die Spitzenreiter und am Ende Siebter waren. Kommt der Einbruch auch in Leipzig? Was sagt das Orakel Rost?

Ich glaube, dass der Einbruch kommen wird, weil die Gegner in der Rückrunde den Stil, den Leipzig pflegt, geknackt haben.

Hat man das beim Ingolstädter Sieg vielleicht jetzt schon gesehen?

Ja. Was dagegen spricht, ist, dass Leipzig eine brutal junge und hungrige Mannschaft hat und dass sie weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben sind. Ich persönlich glaube, dass sie am Ende nicht Erster oder Zweiter werden. Aber einen Platz unter den ersten fünf traue ich ihnen zu.

Wie geht es dem werdenden Fußballlehrer Rost? Biegt der mal nach Leipzig ab?

Es macht mir Riesenspaß, diese Ausbildung zu machen. Das ist eine Topausbildung. Man spricht nicht umsonst von Eliteausbildung. Sie ist nicht umsonst sehr aufwändig und zeitraubend. Aber du lernst verdammt viel. Mitte März sind die Endprüfungen und ich werde im Winter schauen, die ersten Gespräche zu führen mit Vereinen. Dann werden wir sehen, wo der Weg hinführt.

Es tut sich also noch einmal einiges im Vergleich zum Trainer Rost in Amberg?

Wir haben in Amberg das Maximum rausgeholt aus der Truppe. Ab der Winterpause haben Dinge auf anderer Ebene reingespielt. Für mich war das ein Riesenschritt. Das macht dich als Trainer um einiges besser.

Wird das Spiel in München ein Studienobjekt für den Fußballlehrerkurs sein.

Wir sind nicht vor Ort. Aber vielleicht bekommen wir Aufgabenstellungen dazu. Vielleicht müssen wir eine Mannschaft beurteilen.

Eine Beurteilung aus der Ferne.

Wir sind in Hennef bei Köln. Der DFB hat eigene Analysten, die das zusammenschneiden. Wir schneiden auch selber explizite Szenen selber. Das haben wir auch gelernt und ist schon geil. Da kriegst du Aufgaben wie das Pressingverhalten einer Mannschaft zu beurteilen, musst Szenen suchen und sagen, wie du dagegen gespielt hättest. Solche Sachen halt.

Dann schauen wir, ob es viel hin und her zu analysieren gibt. Oder ob es eher taktisch geprägt ist. Interessant wird sein, wie Leipzig auftritt.

Sie kennen ja nur eine Richtung und vorne drauf, drauf, drauf. Die Frage ist, ob sie den Respekt bei Bayern ablegen und den Stil beibehalten. Denn ist Bayern eine Mannschaft, die so etwas ja nicht mag. Wenn Bayern früh attackiert wird, haben sie Probleme. Ich bin gespannt, ob Leipzig die Eier hat, vorne draufzugehen. Wenn sie das machen, wird’s ein geiles Spiel.

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