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Motorsport

Der Angriff nach dem Pleitenjahr

Timo Scheider spricht im MZ-Interview über Enttäuschungen 2015, die DTM-Saison 2016 und den Drang, etwas Neues zu beginnen.
Von Daniel Geratz, MZ

Timo Scheider startet seit 2000 in der DTM und gewann 2008 und 2009 die Gesamtwertung.
Timo Scheider startet seit 2000 in der DTM und gewann 2008 und 2009 die Gesamtwertung. Foto: Audi AG

Regensburg.2008 und 2009 waren Sie DTM Champion. Welche Faktoren sind damals zusammengekommen, die Sie so stark gemacht haben?

Es ist schwierig, eine klare Aussage zu finden. Ich glaube, wir haben in den Jahren einfach ein sehr, sehr gutes Gesamtpaket gehabt. Da ist nicht ein Faktor alleine für irgendetwas ausschlaggebend. Da kommen das Team, der Fahrer und das Auto zusammen. Heute kommt immer wieder die Frage auf, wie unerfahrene Piloten im Vergleich zu uns Erfahrenen so stark sein können. Das kann man damit beantworten, dass es heute relativ einfach ist, eine Grundschnelligkeit zu erreichen. Das ist so ein bisschen die Krux, die wir am Moment haben. Damals konntest du mit deiner gesamten Erfahrung immer noch etwas herausquetschen. Heute musst du dich mit all deiner Erfahrung ein Stück zurücknehmen, um eine perfekte Runde zu fahren. Das funktioniert inzwischen nicht mehr, weil du das Auto schnell überfährst. Du nimmst eher ein bisschen heraus, um die perfekte Runde zu fahren.

Würden Sie sich die Zeit von damals zurückwünschen?

Damals war alles besser (lacht). Ich glaube, es ist der Zahn der Zeit. Damals hatten wir eine Weltklasse Zeit. Ich bin jetzt im 16. DTM-Jahr. Gott sei Dank habe ich noch Spaß an der Sache, sonst wäre ich nicht mehr hier. Aber jede Zeit hat ihren Reiz. Jede Phase hat ihre guten und ihre schlechten Seiten. Von daher ist es, wie es ist, und wir werden es eh nie schaffen, alles perfekt hinzubekommen.

Im vergangenen Jahr hatten Sie eine schwierige Saison. In der Meisterschaft waren Sie weit abgeschlagen, nur beim Finale konnten Sie einen Sieg erringen. Vergeht Ihnen dann der Spaß?

Ja, letztes Jahr war ich wirklich froh, als die Saison vorbei war. Es war eine Saison, die ich gerne aus der Erinnerung streichen würde, zumindest vom Sportlichen her betrachtet. Und da ist man froh, wenn der Winter da ist und man einen Haken hinter die Saison machen kann. Der Sieg beim Finale hat natürlich den Winter etwas vereinfacht. Aber trotzdem war ich froh, dass es hinter uns war und dass wir jetzt in die neue Saison gehen, die Batterien wieder voll aufgeladen haben und uns dann voller Elan auf 2016 freuen.

Sie sind einer derjenigen, die in der DTM am längsten dabei sind. Wie haben sich die Fahrzeuge seitdem verändert?

Die Autos sind mittlerweile einfacher zu fahren, weil sie ausgereifter geworden sind. Wir haben eine tolle Aerodynamik, die sehr gut funktioniert, wenn man nicht direkt hinter einem Konkurrenten fährt. Man könnte sagen, das ist genau das Problem, weil damit das Überholen schwieriger ist. In der Vergangenheit war das Fahrzeug mehr abhängig vom Fahrer. Das Auto hat im Verhältnis zum Fahrer ein größeres Gewicht bekommen.

Wie sind für Sie die offiziellen Testfahrten auf dem Hockenheimring verlaufen? Und wie würden Sie das Kräfteverhältnis einschätzen?

Ich saß jetzt zweieinhalb Tage im Auto, innerhalb der Teams haben sich die Fahrer die Zeit auf der Strecke geteilt. Mit den Ergebnissen bin ich zufrieden. Wir sind im Regen und im Trockenen immer schnell gewesen. Intern haben wir schon davon gesprochen, dass es die besten Vorsaisontests seit vielen Jahren waren, was uns ein positives Gefühl mitgibt. Die besten Zeiten stammten eigentlich immer von Fahrern auf Entwicklungsreifen für das Jahr 2017. Aber dahinter waren die Schnellsten in einem engen Fenster zusammen, sodass man nicht viel zum Kräfteverhältnis sagen kann. Ich glaube, alle Hersteller haben noch ähnlich viel in der Hinterhand, was noch nicht gezeigt wurde. Wir fühlen uns ziemlich stark. Ich hoffe, das bleibt auch beim ersten Wochenende so.

Gibt es große Unterschiede zwischen dem letztjährigen Auto und dem aktuellen?

Weil das technische Reglement eingefroren ist, gibt es leider keine großen Veränderungen. Das Auto fährt sich wie schon im letzten Jahr. In der Analyse haben wir aber die Punkte, die wir im letzten Jahr positiv wahrgenommen haben, zusammengetragen und bei den Testfahrten ausprobiert. Das heißt, wir haben das Auto nur in Kleinbereichen optimiert. Von daher wird sich hoffentlich performancemäßig nicht viel ändern. Wenn doch, dann hoffentlich in eine gute Richtung für uns.

Wie ist es trotzdem zu erklären, dass immer wieder andere Marken vorne sind?

Zu allererst gibt es trotz des eingefrorenen Reglements eigentlich keinen Stillstand. Es sind immer kleine Nuancen, die in einem so eng gesteckten Feld den Unterschied ausmachen. Selbst wenn es nur wenige Hundertstel sind. Aber die Performance ist nur eine Sache: das Rennfahren, das Glück und die Strategie haben ebenso einen Einfluss. Von daher kommen viele Faktoren zusammen, sodass das Feld auch einmal durchgemischt ist.

Wie lautet Ihre persönliche Zielsetzung für das bevorstehende Rennjahr?

Als zweimaliger Champion gibt es für mich natürlich nur ein Ziel: ich will Rennen gewinnen und am Saisonende um die Meisterschaft kämpfen. Natürlich war die Saison 2015 geprägt von Enttäuschungen, aber mit meinem Sieg am letzten Rennwochenende habe ich mich versöhnlich in die Winterpause verabschiedet.

Wer sind Ihrer Meinung nach die Favoriten? Zählen Sie sich auch dazu?

Die DTM ist eine, wenn nicht die am schwersten zu gewinnende Rennserie. Du darfst dir das ganze Jahr so gut wie keinen Fehler erlauben, musst immer voll da sein und konstant Punkten. Da spielen sehr viele Faktoren zusammen. Wem das am besten gelingt ist im Vorfeld schwer zu sagen. Zur Saisonmitte wird das sicherlich klarer.

Seit dem letzten Jahr fährt die DTM zwei Rennen pro Wochenende. Gibt es irgendwelche Herausforderungen, die Sie sich noch in der DTM wünschen würden?

Ja, ein Rennen auf dem Mond wäre nicht schlecht (lacht). Wünsche gibt es einige. Ich mag Stadtrennen sehr gerne. Ich hätte nichts gegen ein richtig cooles Stadtrennen mit vielen Menschen darum herum. Wobei wir mit dem Norisring natürlich etwas ganz Besonderes haben. Aber ein Kurs mit einem etwas anderen Streckenverlauf und einer anderen Charakteristik in einer anderen Stadt – da hätte ich nichts dagegen.

Verspüren Sie den Drang, im Sport etwas ganz Neues anzufangen?

Der Rallyecross-Einsatz war für mich eines der Highlights im letzten Jahr. Ich würde gerne daran arbeiten, in der Zukunft den ein oder anderen Lauf zu fahren. Solange ich in der DTM aktiv bin, liegt die Priorität aber hier. In meinem Leben habe ich schon immer besondere Dinge probiert. Im letzten Jahr war es eben das Rallyecross und die Teilnahme am härtesten Mountainbikerennen der Welt in Südafrika.

Timo Scheider

  • Zur Person:

    Timo Scheider wurde 1978 in Lahnstein (Rheinland-Pfalz) geboren. 1989 begann er seine Motorsportkarriere im Kart. Bei der Neugründung der DTM ging er zwischen 2000 und 2004 für Opel an den Start.

  • Die weitere Karriere:

    2005 vertrat er die deutschen Farben in der A1 Grand Prix Serie, in der keine Teams, sondern Nationen an den Start gingen. Seit 2006 tritt er für Audi in der DTM an. 2008 und 2009 konnte er die Serie gewinnen.

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