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Radsport

Der Kampf hat sich gelohnt

Die WM in Katar ist für Trixi Worrack der Abschluss des wohl verrücktesten Jahres in ihrer langen Karriere.

  • Trixi Worrack auf der Zielgeraden: Die Radsportlerin hat sich nach einer OP schnell wieder nach oben gekämpft. Foto: Candy Welz/dpa
  • Maximilian Hamberger vom Veloclub Ratisbona

Cottbus.Sie haben sich nach dem folgenreichen Sturz im Mai in Italien und der nachfolgenden OP so schnell wieder zurück auf ein Leistungsniveau gekämpft. Was nehmen Sie sich für die WM-Rennen vor?

Ich denke dass ich auf einem soliden Niveau bin. Natürlich fehlt mir noch eine Menge an Training und an Wettkampfkilometern.

Welche Disziplin – Teamzeitfahren, Einzelzeitfahren, Straßenrennen – ist Ihnen am liebsten, und warum?

Das Teamzeitfahren ist der erste Fokus für mich und das fahre ich auch am liebsten. Danach richtet sich meine Aufmerksamkeit auf die anderen beiden Rennen.

Wen sehen Sie als die jeweils härtesten Konkurrentinnen, als die Favoritinnen?

Ich denke Boels, Bigla und Rabo werden ganz vorn mitfahren.

Was bedeutet es für Sie, bei dieser WM dabei zu sein? Ist es schon normal, oder ist es doch ein besonderer Moment?

In diesem Jahr ist es definitiv etwas besonderes, auch wenn ich es nach meiner Verletzung schon nach Rio geschafft habe.

Können Sie den Sturz, den Schock danach, OP und Reha und den Kampf ums Comeback Revue passieren lassen? Wie war die Dynamik des Sturzes?

Der Sturz war auf einer Abfahrt. Ich wurde in einer Kurve von hinten umgefahren und bin dann auf meinen Rücken gefallen. Es war ein schwerer Weg, erst einmal zurück aufs Rad zu kommen, körperlich und auch psychisch. In der Reha hat es dann auch eine Weile gedauert, bis ich mich einigermaßen bewegen konnte.

Was haben Sie in dem Moment gedacht?

In dem Moment nach dem Sturz hatte ich schon das Gefühl, dass es etwas mehr ist als nur eine Prellung. Ich kenne meinen Körper. Und die Schmerzen waren groß.

Was dachten Sie, als Sie erfuhren, dass Ihnen eine Niere entnommen werden muss? Hatten Sie sich da insgeheim schon mit dem Karriereende abgefunden?

Der Moment an dem ich auf der Intensivstation aus der Narkose aufgewacht bin, war der schlimmste. Da wurde mir gesagt, dass sie mir sie Niere entfernen mussten.

Was war dann bei der Reha, beim Aufbautraining am härtesten, was erforderte die meiste Überwindung?

Bei der Reha konnte ich am Anfang die leichtesten Übungen nicht machen, da mein Bauch auf der linken Seite durchtrennt wurde. Deshalb konnte ich mich kaum bewegen und es hat ewig gedauert bis sich da wieder überhaupt etwas aufgebaut hatte.

Regensburger startet in Katar

  • Maximilian Hamberger

    Der Fahrer vom Veloclub Ratisbona ist für die Weltmeisterschaft im Straßenrennen der Junioren U19 am 14. Oktober in Doha nominiert worden. Krankheitsbedingt konnte der 18-Jährige aus Pentling nicht zur Bahnrad Weltmeisterschaft im Juli reisen. Umso größer ist die Freude, dass er jetzt im Straßenrennen antreten darf. Seit dem Beginn seiner Karriere 2013 hat Hamberger sehr viel in den Radsport investiert und sich sehr schnell und stark entwickelt.

  • Der Gymnasiast wechselte an die Elite Schule des Sports nach Nürnberg. Er wohnt und trainiert im Internat. Hier ist es möglich die beiden letzten Schulklassen auf drei Jahre zu strecken, so können die Sportler mehr Zeit in Training und Wettkämpfe investieren.

  • Die Karriere

    Der Weg zur Nominierung für die WM führte für Hamberger über einen Lehrgang mit dem BDR am Kaiserstuhl und anschließenden Einsätzen bei zwei Eintagesrennen und der Rundfahrt Giro della Lunigiana in Italien, wo er sich das Sprinttrikot erkämpfte. Das Rennen in Katar findet auf der künstlichen Insel The Pearl statt. Der verwinkelte Kurs ist fast völlig flach, jedoch wird starker Wind erwartet. Die Junioren müssen den Kurs acht mal bewältigen, bevor nach 130 Kilometern der Sieger feststeht. Unter diesen Bedingungen sollte ein tempofester und endschneller Sportler wie Hamberger Chancen haben, Akzente zu setzen.

  • Ein gutes Abschneiden würde neue Perspektiven für die Verhandlungen mit potenziellen Teams eröffnen.

Woher nahmen Sie die mentale Kraft?

Mental war es für mich wichtig, dass ich zu Hause bei meiner Freundin und Freunden war. Das hat mir sehr geholfen und mich abgelenkt.

Was waren die schönsten Augenblicke, die Schlüsselmomente auf dem Weg zurück?

Der schönste Moment waren die Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren. Da hat sich das Zurückkämpfen gelohnt.

Sie wurden da gleich Deutsche Meisterin und hatten damit auch das Rio-Ticket sicher, eine enorme Leistung. Was ist Ihnen jetzt von Sturz und OP noch geblieben außer der Narbe und dem Band am Handgelenk mit Informationen über Blutgruppe und Unverträglichkeiten?

Die Erinnerungen an den Sturz sind geblieben, da ich meine Narbe jeden Tag sehe. Das Band am Handgelenk hatte ich vorher schon.

Betreiben und betrachten Sie den Radsport jetzt anders? Verändert so ein Einschnitt, so ein Erlebnis die Person?

Meine Gedanken über den Radsport sind dieselben geblieben. Ansonsten genieße ich das Leben mehr!

Ein Wort zu Katar selbst. Sie haben ja Katar-Erfahrungen, gewannen im Frühjahr auch die Katarrundfahrt, die bereits zu Teilen über den WM-Kurs ging. Wie schätzen Sie die Rennbedingungen mit Wind, Wüste, Kurven und Häuserschluchten ein?

Die Hitze wird eine sehr große Rolle spielen und auf den Wind hoffe ich natürlich!

Wie ist es, als Frau in einem arabischen Land, in dem gerade für Frauen, vor allem die einheimischen, besondere Kleidervorschriften gelten, in Rennkleidung unterwegs zu sein?

Ich habe hier nur gute Erfahrungen gemacht als Frau, da wir schon öfters hier waren.

Wie ist die Stimmung in der deutschen Mannschaft? Wie stellen Sie und Ihre Kolleginnen, die die ganze Saison ja meist als Konkurrentinnen in anderen Rennställen unterwegs sind, am Saisonende zur WM Teamgeist her? Geht das überhaupt?

Wir sind noch nicht mit der Nationalmannschaft hier, sondern mit dem Team, weil das der erste Wettbewerb ist. Ich kann das also noch gar nicht beurteilen.

In der letzten Zeit gab es, auch wegen der mutmaßlich russischen Hacker, die ins Adams-System eindrangen, viel Debatten über die Therapeutischen Ausnahmegenehmigungen. Wie sehen Sie das: Sollten die Informationen über die Erlaubnis zu Medikamenten mit leistungssteigernder Wirkung öffentlich bekannt gegeben werden oder geht das zu weit?

Damit habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Ich denke, das sollte nicht veröffentlicht werden.

Wie ist es bei Ihnen? Haben Sie, vielleicht auch als Spätfolge der OP, aktuell medizinische Ausnahmegenehmigungen?

Nein. Keine.

Ein Wort noch zu den medialen Folgen von Sturz, OP und Comeback: Es macht den Eindruck, als sei im letzten halben Jahr mehr über Sie geschrieben worden als in den übrigen 18 Karrierejahren, die ja durchaus reich waren an Erfolgen ...

Auf jeden Fall. Ich denke, Sie hätten mich ja jetzt auch nicht um ein Interview gebeten, wenn diese Sache nicht gewesen wäre! Interview: T. Mustroph

Die Samstagsinterviews aus dem Sport finden Sie hier.

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