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Handball

„DHB-Team vor rosiger Zukunft“

Christian Schwarzer spricht vor seinem Gastspiel in Oberviechtach über seine Projekte, seine Karriere und das Nationalteam.
von Robert Torunsky, MZ

Junioren-Bundestrainer Christian Schwarzer sieht die deutsche Handball-Nationalmannschaft bestens aufgestellt.
Junioren-Bundestrainer Christian Schwarzer sieht die deutsche Handball-Nationalmannschaft bestens aufgestellt. Fotos: Eibner

Regensburg.Herr Schwarzer, am 8. und 9. November sind Sie zwei Tage lang in Oberviechtach zu Gast. Was führt Sie in die Region?

Christian Schwarzer: Ich komme auf Einladung des HV 02 Oberviechtach und seiner Partnerschule, dem Ortenburg-Gymnasium, nach Oberviechtach. Ich werde dann mit jeder der sechs Schülermannschaften des OGO ein 90-minütiges Training absolvieren und eine interne Fortbildung für die Lehrkräfte der Stützpunktschule und die Vereinstrainer halten. Zusätzlich referiere ich am 8. November um 19.30 Uhr zum Thema „Leistungssport Handball“.

Sie selbst haben nicht nur auf Nationalmannschaftsebene fast alles gewonnen, sondern auch auf Vereinsebene alle Titel abgeräumt. Was waren die Schlüsselerlebnisse, die für Ihre außergewöhnliche Karriere entscheidend waren?

Da gab es zwei. Zum einen habe ich als 14- oder 15-Jähriger mit meinen Mannschaftskameraden der TSG Bergedorf ein Länderspiel der deutschen Mannschaft gegen Russland in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg und wenig später ein Bundesligaspiel in der Ostseehalle in Kiel gesehen. Da habe ich mir gesagt: „Das möchte ich auch machen.“ Ich war so fasziniert, dass ich mir zu Hause auf einen Zettel geschrieben habe, was ich alles erreichen möchte.

Rückblickend haben Sie sicher viel mehr erreicht, als Sie sich damals notiert hatten, oder?

Ja, natürlich, aber auch nicht sofort. Die Nichtnominierung für die Jugendnationalmannschaft –das war eines der Ziele – war ein Rückschlag, der aber letztlich dazu geführt hat, dass ich noch intensiver trainiert und mich deshalb auch durchgebissen habe. Eine wichtige Motivationsquelle waren auch die Olympischen Spiele in München.

Inwiefern?

Mein Vater war 1972 zu den Spielen nach München eingeladen und ich hatte als Dreijähriger damals bitterlich geweint. Deswegen hat mir mein Vater ein paar Jahre später den Olympiapark in München gezeigt. Diese Faszination hat mich motiviert und geprägt, ich bin seitdem auch Fan und Mitglied des FC Bayern München.

1996 wurde Ihr großer Traum von Olympia dann zum ersten Mal wahr. Wie haben Sie die Spiele in Atlanta erlebt?

Diese Faszination, wenn 11 000 der besten Sportler in einem Dorf wohnen, ist ganz schwer in Worte zu fassen. In Atlanta bin ich mit offenem Mund dagestanden. Da gab es eine Bimmelbahn von der Unterkunft zur Mensa – und darin bin ich gleich Tennisspielerin Monica Seles begegnet, ein absoluter Weltstar zu dieser Zeit. Ich habe auch Carl Lewis und Toni Kukoc getroffen. Das war schon etwas ganz Besonderes für mich, obwohl ich schon einige Jahre im Profibereich unterwegs war. Die Spiele 2000 in Sydney waren dann schon viel entspannter, auch wenn wir dann so unfassbar unglücklich im Viertelfinale gegen Spanien ausgeschieden sind.

2004 waren Sie dann sogar in der Endausscheidung für den Fahnenträger des deutschen Teams.

Ja, das war eine besondere Ehre für mich und wäre ein Traum gewesen, aber wenn ich es einem anderen Sportler gegönnt habe, dann meinem Freund Dirk Nowitzki, der ja als NBA-Star eine globale Strahlkraft hatte. Mein Traum ging ja mit der Silbermedaille in Erfüllung. Die steht heute noch neben Lorbeerkranz in einer Vitrine im Esszimmer und ich erfreue mich jeden Tag daran.

Apropos Dirk Nowitzki, der spielte ja in einem weiteren besonderen Erfolg – der Weltmeisterschaft in Deutschland 2007 – eine Rolle.

Ja, ich bin großer NBA-Fan und war 2007 gerade aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Ich hatte Bundestrainer Heiner Brand aber zugesagt, im Notfall zur Verfügung zu stehen. Kurz vor dem Beginn der WM hatte ich eine Reise nach Dallas gebucht. Dirk, der ja aus einer Handballerfamilie stammt, hatte uns Tickets und auch die Hotelzimmer besorgt. Noch am Flughafen hat mich dann Heiner Brand angerufen – und ich wollte erst gar nicht ans Telefon gehen (lacht).

Sie haben den Bundestrainer aber bekanntlich nicht hängengelassen.

Nein, Heiner hatte mit Andrej Klimovets und Sebastian Preiß damals kurzfristig zwei Verletzte auf der Kreisläuferposition zu beklagen. Er hat mich aber nach Dallas fliegen lassen und mir nur gesagt, dass ich mich dort fithalten sollte. Das Turnier habe ich dann zunächst als Experte beim ZDF begonnen, wurde dann nachnominiert und letztendlich Weltmeister im eigenen Land. Der ganze Monat damals war einfach nur hammermäßig und auch mein ganz persönliches Wintermärchen.

Im Januar 2016 hatte die Deutsche Nationalmannschaft ein ähnliches Erlebnis bei der Europameisterschaft in Polen. Als ehemaliger Jugendkoordinator und -bundestrainer des Deutschen Handballbundes war das für Sie sicher auch etwas ganz Besonderes, oder?

Dieser unerwartete Triumph der Jungs war sportlich das Allerschönste der letzten Jahre. Finn Lemke hatte ich beispielsweise vor dem Beginn seiner Profikarriere aus der Versenkung zur Jugendnationalmannschaft geholt. Der hatte damals bei Schwanewede/Neukirchen, dem Partnerverein des TBV Lemgo, gespielt und dort fast immer über 15 Tore geworfen. Julius Kühn habe ich seit seiner Teilnahme beim Länderpokal auf Usedom gefördert. Diese Jungs dann als Leistungsträger der A-Nationalmannschaft zu sehen, war großartig und auch für den deutschen Handball extrem wichtig.

Das Team gewann im August dann auch noch die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio. Wie sehen Sie mit Blick auf die Zukunft Nationalmannschaft allgemein und speziell auf Ihrer Kreisläuferposition?

Wir stehen vor einer rosigen Zukunft, denn fast alle Leistungsträger können bei normalem Karriereverlauf noch zehn Jahre Nationalmannschaft spielen. Gerade auf der Kreisläuferposition sind wir mit Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler, Jannik Kohlbacher und Erik Schmidt sensationell gut aufgestellt. Und dahinter stehen bei den jüngeren Jahrgängen mit Johannes Golla und Dominik Lenz weitere hoffnungsvolle Talente bereit.

Interview: Robert Torunsky

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