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Samstagsinterview

Eine gebrauchte Saison für den Torjäger

Für den Jahn-Aufstiegsheld Markus Ziereis ist die Saison vorzeitig beendet. Seiner Mannschaft aber traut er noch viel zu.
Von Andreas Allacher

„Ich hätte mir insgesamt natürlich einen anderen Saisonverlauf gewünscht“ sagt Markus Ziereis. Negativer Höhepunkt war die Verletzung von Köln. Wohl am Montag wird er operiert.
„Ich hätte mir insgesamt natürlich einen anderen Saisonverlauf gewünscht“ sagt Markus Ziereis. Negativer Höhepunkt war die Verletzung von Köln. Wohl am Montag wird er operiert. Foto: Nickl

Regensburg.Zuerst die wichtigste Frage: Wie geht es mit dem verletzten Arm?

Den Umständen entsprechend gut. Ich hatte mir ja den linken Ellenbogen ausgekugelt, dabei sind leider auch Bänder und Kapseln verletzt worden. Es stand früh fest, dass ich einige Zeit ausfallen und in dieser Saison kein Spiel mehr machen werde. Zudem muss ich operiert werden. Der Eingriff wird am Montag vorgenommen.

Trainer Heiko Herrlich hat gesagt, dass er noch selten so eine eigentlich harmlose Szene mit solch tragischem Ausgang gesehen hat. Wie haben Sie selbst die Situation in Erinnerung?

Ich weiß noch, dass ich zum Kopfball hochgestiegen bin und dass mir der Gegenspieler unten in die Hüfte lief. Dadurch wurden die Beine nach oben katapultiert und ich bin mit dem gestreckten Arm auf den Boden geknallt. Der Kölner Gegenspieler rief sofort die Betreuer um Hilfe, weil er vermutete, dass ich mir den Arm gebrochen hätte. Zu sehen, wie der Arm wegstand, war schon ein Schock, zumal ich extreme Schmerzen hatte. Ich glaube nicht, dass es allzu oft vorkommt, dass ein Sturz so blöd ausgeht. Und zwei Tage später zu erfahren, dass damit die Saison für mich beendet ist, war der nächste herbe Schlag.

Markus Ziereis musste beim Spiel in Köln verletzt vom Platz getragen werden.
Markus Ziereis musste beim Spiel in Köln verletzt vom Platz getragen werden. Foto: Eibner

Leider war es nicht Ihre erste schwere Verletzung in dieser Spielzeit. Zu Beginn der Saison plagte Sie ja eine Schambeinentzündung, die sehr langwierig sein kann.

Ja, das ist in der Saisonvorbereitung passiert. Ich habe fünf, sechs Wochen gebraucht, um sie auszukurieren, und deshalb anschließend auch die ersten Spiele verpasst. Ich konnte mich aber schnell wieder rankämpfen und war bis zum Köln-Spiel durchgängig fit.

Am Ende reichte es für Sie zu keinem einzigen Startelf-Einsatz in der 3. Liga. Wa-rum?

Die Verletzung hat mich im Kampf um die Stammplätze natürlich entscheidend zurückgeworfen. Die Mannschaft ist sehr gut in die Saison gestartet und hatte sich eingespielt. Für mich ging es zunächst einmal darum meinen Trainingsrückstand aufzuholen und wieder komplett fit zu werden. Weil ich bei den Profis nur wenige Einsatzminuten bekommen habe, habe ich auch immer wieder in der U21 Spielpraxis gesammelt. Da habe ich mich voll reingehauen und versucht, mich mit guten Leistungen für die 1. Mannschaft zu empfehlen. Ich hätte mir insgesamt natürlich einen anderen Saisonverlauf gewünscht. Jeder Sportler will schließlich so viel wie möglich spielen.

War die Enttäuschung auch deshalb so groß, weil Sie in der Saison zuvor ja sozusagen der Aufstiegsheld des SSV Jahn Regensburg waren?

Das in der Regionalliga war schon eine super Saison – für die Mannschaft, aber auch für mich persönlich. Genauso hatte ich mir das bei meiner Rückkehr zu meinem Heimatverein Jahn Regensburg vorgenommen. Mein allererster Verein war natürlich die SpVgg Neukirchen-Balbini, aber den Weg in den Profifußball hat mir dann der Jahn samt DFB-Stützpunkt und Auswahlmannschaften geebnet. Die vergangene Saison war für mich deshalb schon etwas besonderes. Mit den zwei Toren im ersten Ligaspiel ging es für mich ja auch gleich gut los. Die gesamte Mannschaft hat eine super Leistung geboten und ich durfte meinen Beitrag zum sofortigen Wiederaufstieg des SSV Jahn Regensburg leisten.

Sie wurden von den Lesern der Mittelbayerischen Zeitung auch zum Jahn Spieler der Saison gewählt. Eine Ehre?

Ja, als Spieler, der aus der Region kommt, hat mich das natürlich sehr stolz gemacht.

In Ihren Wanderjahren beim TSV 1860 München, SV Darmstadt 98, FSV Frankfurt und dem Chemnitzer FC hatte sich hier in Regensburg ja einiges getan.

Natürlich, hier ist in den vergangenen Jahren noch weit mehr entstanden als das neue Stadion. Die Ausstattung ist inzwischen absolut auf Profi-Niveau und die Geschäftsstelle ist professionell aufgestellt. Es war eine schöne Entwicklung, die ich auch schon aus der Ferne mit großem Interesse verfolgt habe.

Waren diese Wanderjahre im Rückblick der richtige Schritt, auch wenn der ganz große Durchbruch nicht gelungen ist?

Es war der richtige Schritt. Ich habe zum Beispiel in der 2. Bundesliga gespielt und sogar ein Tor geschossen. Ich durfte Erfahrungen sammeln, die mir keiner mehr wegnehmen kann. Allein in diesem Bereich als Profi dabei zu sein und sich mit starken Spielern messen zu können ist etwas Tolles. Man muss ja bedenken wo ich herkomme. Das hat aus Hansenried noch keiner geschafft. (lacht; Anmerkung der Redaktion: Hansenried ist ein Ortsteil der Gemeinde Neukirchen-Balbini im Landkreis Schwandorf).

Nach dem Aufstieg in die 3. Liga hat der SSV Jahn mit Marco Grüttner und Erik Thommy zwei starke Offensivkräfte geholt. Dennoch sah Sie Trainer Heiko Herrlich in einem MZ-Interview „ganz oben mit dabei“.

Dass sich ein Verein für eine neue Liga verstärkt, ist im Profibereich genauso ganz natürlich wie die Tatsache, dass der Trainer harte Entscheidungen treffen muss. Wenn eine Mannschaft so erfolgreich spielt wie wir, dann hat ein Trainer ja auch keinerlei Veranlassung, große Veränderungen vorzunehmen. Ich habe trotzdem versucht, mich in der U21 zu zeigen und mit 14 Toren in sieben Spielen auch mein Bestmögliches getan. Man muss aber einfach auch sagen, dass die Drittliga-Saison für uns bisher gut gelaufen ist. Wir haben 40 Punkte und mit die beste Offensive. Wir wissen und haben gezeigt, dass wir jeden Gegner schlagen können, wenn wir als Mannschaft agieren. Da läuft jeder für den anderen, das Kollektiv stimmt, keiner stellt sich über das Team. Das macht uns aus. Denn nur gute Einzelspieler bringen einem Verein nichts.

Wie sieht es das Team: Ist der Aufstieg in die 2. Liga ein Ziel für Regensburg?

Unser Ziel war immer der Nichtabstieg, den wollen wir möglichst bald sichern. Wir wollen in jedem Spiel alles raushauen und möglichst immer gewinnen. Die 3. Liga ist brutal eng, das sieht man auch an unserem nächsten Gegner SC Paderborn, der vor zwei Jahren noch Bundesliga gespielt hat, als Aufstiegsfavorit in die Saison gegangen ist und jetzt auf einem Abstiegsplatz steht. Deshalb werden wir weiter nur von Spiel zu Spiel schauen. Damit sind wir bislang gut gefahren.

Sie sind erst 24 Jahre alt. Ihr Zweijahresvertrag beim SSV Jahn Regensburg läuft zum Saisonende aus. Gibt es schon Zukunftspläne bzw. Gespräche über eine Vertragsverlängerung und geht die Reise noch zu einem anderen Verein?

Es wäre für mich natürlich ärgerlich, wenn meine tolle Zeit in Regensburg mit so einer dummen Verletzung und nicht im eigenen schönen Stadion zu Ende gehen würde. Ich fühle mich hier sehr wohl, der Verein und das gesamte Umfeld sind super. Vor ein paar Wochen hatte ich ein Feedbackgespräch mit Christian Keller, zu gegebener Zeit werden wir dann über meine Zukunft sprechen. Für mich geht es jetzt aber erst einmal darum, meine Ellenbogen-OP gut hinter mich zu bringen.

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Die Karriere

  • Stationen der Karriere

    des heute 24-jährigen Offensivspielers Markus Ziereis waren nach seinem Heimatverein SpVgg Neukirchen-Balbini der SSV Jahn Regensburg (2005), der TSV 1860 München (2007), der FSV Frankfurt (2013), SV Darmstadt 98 (2014) und der Chemnitzer FC (2014). Zu Beginn der Saison 2015/16 kehrte er zum SSV Jahn Regensburg in die Regionalliga zurück.

  • Bei den A-Junioren

    der Münchner Löwen spielte er unter Trainer Alex Schmidt auch zusammen mit Moritz Leitner, Daniel Hofstetter und Kevin Volland, mit dem er nach dem Auszug aus dem Jugendinternat und bis zum Wechsel des aktuellen Leverkusener Nationalspielers nach Hoffenheim in einer Wohngemeinschaft lebte. Ziereis absolvierte neun Zweitligaspiele (ein Tor).

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